Die Abrechnung der toxikologischen Bestätigungsanalyse nach GOÄ-Ziffer 4210 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu GC-MS, LC-MS-Analogien und Fallstricken.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4210
Untersuchung von exogenen Giften mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie, Bestätigungsanalyse, je Untersuchung - 900 Punkte (Einfachsatz: 52,46 €, Regelhöchstsatz: 60,33 €, Höchstsatz: 68,20 €)
Die GOÄ-Ziffer 4210 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Abschnitt M III 18 (Arzneimittelkonzentrationen, exogene Gifte, Drogen). Diese Ziffer deckt die Bestätigungsanalyse mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) ab. Sie dient dem zweifelsfreien Nachweis sowie der Identifizierung von Fremdstoffen im menschlichen Organismus.
Das Verfahren kombiniert die Trennleistung der Gaschromatographie mit der präzisen Identifikationskraft der Massenspektrometrie. Dadurch können selbst geringste Spuren von exogenen Giften, Medikamenten oder illegalen Substanzen detektiert werden. Die Ziffer ist pro Untersuchung, also pro separatem chromatografischen Lauf, berechnungsfähig.
GOÄ 4210 in der Praxis: Moderne Toxikologie und Analogabrechnung
In der klinischen Toxikologie war die Bestätigungsanalyse traditionell der zweite Schritt nach einer orientierenden Vorfelduntersuchung. Durch den technologischen Fortschritt verschwimmen diese Grenzen heute jedoch zunehmend. Moderne Laborsysteme führen das Screening und die Identifizierung oft in einem einzigen, hochkomplexen Schritt durch. Ausschlaggebend für die Abrechnung nach GOÄ 4210 ist daher primär der Einsatz der Massenspektrometrie.
Da die Flüssigkeitschromatographie-Massenspektrometrie (LC-MS) in vielen Laboren die klassische GC-MS ergänzt oder ersetzt hat, ist hier die Analogabrechnung von großer Bedeutung. Die Anwendung von LC-MS, LC-MS/MS oder LC-MS-TOF im Rahmen der Vergiftungsanalytik wird analog nach der Ziffer 4210 berechnet. Dies sichert eine zeitgemäße und betriebswirtschaftlich tragfähige Vergütung moderner Laborverfahren.
Tipp: Nutzen Sie für moderne LC-MS-Verfahren konsequent die Analogabrechnung nach GOÄ 4210, um den hohen apparativen und personellen Aufwand dieser Präzisionsanalytik adäquat abzubilden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4210
Fallbeispiel 1: Verdacht auf akute Mischintoxikation
Ein Patient wird mit unklaren neurologischen Symptomen und dem Verdacht auf eine akute Vergiftung eingeliefert. Nach einem ersten orientierenden immunologischen Screening erfolgt die präzise Identifizierung der Substanzen mittels GC-MS. Da es sich um eine komplexe Bestätigungsanalyse handelt, wird die GOÄ-Ziffer 4210 für den chromatografischen Lauf einfach abgerechnet.
Fallbeispiel 2: Quantitative Bestimmung mittels internem Standard
Bei einem Patienten wurde eine Überdosierung eines bestimmten Medikaments qualitativ nachgewiesen. Zur therapeutischen Steuerung ist nun die genaue quantitative Bestimmung erforderlich. Hierzu wird ein zweiter GC-MS-Lauf unter Zugabe eines internen Standards durchgeführt. In diesem Fall kann die GOÄ-Ziffer 4210 zweimal abgerechnet werden – einmal für die Identifizierung und einmal für die gezielte Quantifizierung im separaten Lauf.
Fallbeispiel 3: Toxikologisches Screening mittels LC-MS/MS (Analogabrechnung)
Zur Abklärung einer Vergiftung mit thermolabilen Substanzen wird eine Flüssigkeitschromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) eingesetzt. Da diese Methode in der GOÄ nicht explizit aufgeführt ist, erfolgt die Abrechnung analog nach GOÄ 4210. Die Dokumentation weist die Analogbewertung für die LC-MS/MS-Untersuchung explizit aus.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4210: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4210 ist die unzulässige Mehrfachberechnung für verschiedene Substanzen aus demselben chromatografischen Lauf. Die Ziffer ist explizit "je Untersuchung" definiert, was sich auf den physikalischen Messvorgang (den Lauf) bezieht. Werden in einem einzigen GC-MS-Lauf mehrere Gifte identifiziert, darf die Ziffer dennoch nur einmalig berechnet werden.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen und Beihilfestellen häufig die Abrechnung der Ziffer 4210, wenn lediglich einfache Suchtests (z. B. mittels Drogenschnelltest oder einfacher HPLC ohne Massenspektrometer) durchgeführt wurden. Ohne den tatsächlichen Einsatz eines Massenspektrometers ist die Abrechnung dieser hochwertigen Ziffer ausgeschlossen. Achten Sie daher penibel auf die Abgrenzung zu einfacheren chromatografischen Verfahren.
Achtung: Die Abrechnung einer Quantifizierung setzt zwingend einen separaten, zweiten Analysengang mit internen Standards voraus. Eine gleichzeitige qualitative und quantitative Auswertung aus nur einem einzigen Lauf rechtfertigt keine zweifache Berechnung der GOÄ 4210.
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Dokumentation der GOÄ 4210: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte und im Laborbuch müssen das angewandte Verfahren (GC-MS oder die analoge LC-MS) sowie die Fragestellung klar dokumentiert sein. Insbesondere bei der Abrechnung mehrerer Läufe müssen die medizinische Notwendigkeit und die unterschiedlichen Arbeitsschritte (z. B. Identifizierung vs. Quantifizierung) hervorgehen.
Auch die verwendeten Bibliotheken oder die Zugabe interner Standards sollten im Befundbericht Erwähnung finden. Dies belegt die hohe Komplexität der erbrachten Leistung und liefert dem Prüfer die notwendigen Argumente für eine problemlose Erstattung.
Dokumentationsbeispiel: "Bestätigungsanalyse exogener Gifte mittels GC-MS bei Verdacht auf Mischintoxikation. 1. Lauf: Qualitative Identifizierung von Substanz X und Y mittels Spektrenbibliothek (über 5.000 Substanzen). 2. Lauf: Quantitative Bestimmung von Substanz X nach Zugabe eines internen Standards im separaten Analysengang."
GOÄ 4210: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4210 dem Abschnitt M (Laborleistungen) angehört, unterliegt sie dem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen möglich. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind ein extrem schwieriges Proben-Targeting, komplexe Matrixeffekte bei der Probenvorbereitung oder ein außergewöhnlich hoher manueller Aufwand bei der Spektrenauswertung.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 4210 wird häufig mit vorbereitenden oder begleitenden Laborleistungen kombiniert. Zulässig ist die Kombination mit immunologischen Vorfelduntersuchungen (z. B. Suchtests auf Drogen oder Medikamente). Nicht zulässig ist hingegen die gleichzeitige Abrechnung einfacherer chromatografischer Verfahren für dieselbe Fragestellung, wenn diese durch die massenspektrometrische Bestätigungsanalyse vollständig ersetzt oder miterfasst werden.
Ziffer 4210 in der neuen GOÄ
Aus der bisherigen Ziffer 4210 (2,3-facher Satz: 60,33 €) werden in der neuen GOÄ mehrere Leistungen — Methode und Befund entscheiden, welche Ziffer gilt:
- 11729 „Exogene Gifte, je GC-MS-Untersuchung (Spektrum) General-unknown-Screening oder Bestätigungsanalyse/Ergänzungsanalyse“ (63,32 €) — bei: GC-MS
- 11732 „Exogene Gifte, je LC-MS-Untersuchung (Spektrum) General-unknown-Screening oder Bestätigungsanalyse/Ergänzungsanalyse“ (72,03 €) — bei: LC-MS oder LC-MS/MS
Die Preisspanne reicht von 63,32 € bis 72,03 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4210
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