GOÄ neu: Was Ärzte
jetzt wissen müssen
Die erste GOÄ-Reform seit 1982 nimmt konkrete Form an. Feste Europreise, 30+ neue Leistungen, neues Kapitelformat — und eine Kontroverse, die viele Ärzte verunsichert.
- Was sich strukturell ändert — und was das für Ihre Praxis bedeutet
- Welche neuen Leistungen ab Tag 1 abrechenbar sind
- Wie Sie jetzt handeln, ohne auf das Inkrafttreten zu warten
Basierend auf dem Referentenentwurf des BMG (Jan. 2025) und der Einigung von BÄK & PKV-Verband.
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Die neue GOÄ —
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„Die neue GOÄ ist ein historischer Schritt für die Privatmedizin in Deutschland."
— Bundesärztekammer, Januar 2025
01
Was ist die neue GOÄ?
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) regelt seit 1982 die Vergütung privatärztlicher Leistungen. Sie gilt für die Abrechnung gegenüber Privatpatienten, PKV-Versicherten, Selbstzahlern und Beihilfeempfängern. Die letzte substanzielle Anpassung des Punktwerts erfolgte 1996 — seitdem sind die Praxiskosten erheblich gestiegen, die Vergütung weitgehend nicht.
Die GOÄ neu ist die erste umfassende Reform seit über 40 Jahren. Sie ersetzt das bisherige Drei-Faktoren-System durch direkte Eurobeträge, ordnet die gesamte Leistungsstruktur in neuen Kapiteln (A–P) neu, führt über 30 bislang nicht abrechenbare Leistungsarten ein und schreibt eine maschinenlesbare digitale Rechnungsstellung vor.
Grundlage ist eine Einigung zwischen Bundesärztekammer (BÄK) und PKV-Verband aus Oktober 2023. Der vollständige Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit wurde im Januar 2025 veröffentlicht. Das Inkrafttreten wird für 2026 oder 2027 erwartet.
Eckdaten GOÄ neu
02
Aktueller Stand & Zeitplan
Wo steht die Reform — und wann müssen Praxen handlungsfähig sein?
Okt. 2023
Grundsatzeinigung
BÄK und PKV-Verband einigen sich auf die Grundstruktur
Jan. 2025
Entwurf veröffentlicht
Vollständiger Referentenentwurf des BMG
2025
Bundestag & Verbände
Stellungnahmen und parlamentarische Beratungen abgeschlossen
2026
Bundesrat
LaufendLänderzustimmung — Abstimmung läuft
2026/27
Inkrafttreten
Mit Übergangsfristen für Softwareumstellung
03
Was ändert sich mit der neuen GOÄ?
Feste Europreise statt Faktorsystem
Die alte Kombination aus Punktzahl × Punktwert × Steigerungsfaktor wird durch direkte Eurobeträge ersetzt. Rechnungen werden transparenter — für Patienten und für die PKV.
Neue Kapitelstruktur A–P
Die Leistungsziffern werden vollständig neu geordnet. Viele Nummern ändern sich. Eine offizielle Transkodierungstabelle (alt → neu) wird bereitgestellt, aber Praxissoftware muss rechtzeitig aktualisiert werden.
Über 30 neue abrechenbare Leistungen
Koordinationsleistungen, Arzt-zu-Arzt-Kommunikation, Telemedizin, Befundsichtung und ambulant-stationäre Konvergenzziffern werden erstmals abrechenbar — besonders relevant für internistische und hausärztliche Praxen.
Zuschläge statt Steigerungsfaktoren
Der bisherige Gebührenrahmen (1,0-fach bis 3,5-fach nach §5 GOÄ) entfällt. Stattdessen gibt es definierte Zuschläge für Komplexität, Zeitaufwand und besondere Patientengruppen.
Maschinenlesbare Abrechnung
Die GOÄ neu schreibt ein standardisiertes digitales Rechnungsformat vor. Das ermöglicht direkte elektronische Übermittlung an PKV und Beihilfe und soll Rückfragen und Kürzungen reduzieren.
04
Was bleibt wie bisher?
Die Reform ist tiefgreifend — aber sie verändert nicht das Fundament der Privatmedizin.
Privatärztliche Abrechnung mit PKV & Selbstzahlern
Die Grundstruktur der Privatmedizin bleibt vollständig erhalten. Patienten zahlen direkt oder werden von ihrer PKV erstattet.
Honorarvereinbarungen (§2 GOÄ)
Schriftliche individuelle Honorarvereinbarungen mit dem Patienten bleiben möglich — auch über die Regelvergütung hinaus.
Analoge Abrechnung für Sonderfälle
Leistungen ohne eigene Ziffer können weiterhin analog nach einer vergleichbaren Ziffer abgerechnet werden.
Keine Budgetierung
Anders als in der GKV gibt es keine Deckelung. Jede erbrachte privatärztliche Leistung wird vergütet.
04
Die Kontroverse —
fair eingeordnet
BÄK spricht von historischem Fortschritt. Mehrere Fachverbände üben scharfe Kritik.
BÄK & PKV-Verband
- +Historischer Schritt nach 40 Jahren ohne Reform
- +Durchschnittliche Honorarerhöhung ca. 5–10 %
- +PKV-Verband hat Entwurf grundsätzlich zugestimmt
- +Klarere Regeln reduzieren Abrechnungsstreitigkeiten
Kritik der Fachverbände
- —Honorarerhöhungen für einige Fachgruppen nicht ausreichend
- —Bestimmte Leistungen (z.B. Hausarzt) weiterhin unterbewertet
- —Umstellungsaufwand für Praxen unterschätzt
- —Verbände wie BVOU, DGHM und Hausärzteverband lehnen ab
Unser Whitepaper ordnet die Kritik nach Fachgruppen ein und zeigt, was sie für Ihre Praxis bedeutet.
05
Was bedeutet das für Ihre Praxis?
Die Auswirkungen sind je nach Praxistyp sehr unterschiedlich.
Honorarerhöhung erwartet
Privatpraxis
Die neuen Europreise entsprechen einer durchschnittlichen Honorarerhöhung von ca. 5–10 %. Neue abrechenbare Leistungen eröffnen zusätzliche Potenziale.
- Direkter Vergütungsanstieg durch neu kalkulierte Europreise
- Erstmals abrechenbar: Telemedizin, Koordination, Befundsichtung
- PKV-Verbände haben dem Entwurf grundsätzlich zugestimmt
- Vereinfachte Rechnungsstellung durch digitales Standardformat
Privatanteil-Potenzial steigt
GKV-Praxis mit Privatanteil
Selbstzahler-Leistungen werden durch neue Ziffern attraktiver. Die digitale Abrechnung erleichtert die Parallelführung von GKV und GOÄ.
- IGeL- und Selbstzahlerleistungen mit höherer Vergütung
- Neue Ziffern für Prävention und Telemedizin als IGeL nutzbar
- Praxissoftware muss rechtzeitig für die neue Struktur gerüstet sein
- Parallelabrechnung GKV/GOÄ wird durch Digitalformat vereinfacht
Wahlleistungen neu strukturiert
Klinik & Chefarzt
Wahlärztliche Leistungen werden durch ambulant-stationäre Konvergenzziffern präziser geregelt. Chefambulanzen profitieren von klareren Abrechnungsregeln.
- Neue ambulant-stationäre Konvergenzziffern für Grenzfälle
- Klarere Regelungen für Privatpatienten in Chefambulanzen
- Beihilferegelungen für Bundesbeamte werden parallel angepasst
- Wahlärztliche Leistungen bleiben vollständig bestehen
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06
5 Dinge, die sich jetzt schon lohnen
Ohne auf das Inkrafttreten zu warten — diese Schritte zahlen sich ab sofort aus.
07
Häufige Fragen zur neuen GOÄ
Die wichtigsten Fragen — klar beantwortet.
01 Was ist die neue GOÄ? +
02 Wann tritt die neue GOÄ in Kraft? +
03 Was ändert sich für niedergelassene Privatärzte? +
04 Bleibt die Abrechnung mit PKV-Patienten bestehen? +
05 Was kritisieren die Ärzteverbände an der GOÄ neu? +
06 Was ist der Unterschied zwischen GOÄ neu und der bisherigen GOÄ? +
07 Müssen Praxen ihre Software aktualisieren? +
08 Gilt die neue GOÄ auch für Chefärzte und Kliniken? +
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