Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 3967 (Gesamtkomplement CH 50): Erfahren Sie alles über Indikationen, Abrechnungsausschlüsse und die analoge Abrechnung des Lektin-Wegs.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3967
GOÄ-Ziffer 3967: Gesamtkomplement CH 50 - Punktzahl: 500
Die GOÄ-Ziffer 3967 beschreibt die quantitative Bestimmung des Gesamtkomplements CH 50. Diese Leistung ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 12 (Gerinnungs-, Fibrinolyse-, Komplementsystem) der Gebührenordnung für Ärzte verortet. Sie stellt einen funktionellen Globaltest dar, der die Integrität des klassischen Aktivierungswegs des Komplementsystems überprüft.
Im Rahmen dieser Untersuchung wird erfasst, ob die Faktoren C1 bis C9 ordnungsgemäß interagieren, um den Membranangriffskomplex (MAC) zu bilden. Dieser Komplex führt letztlich zur Lyse von Zielzellen wie Bakterien oder Erythrozyten. Nicht erfasst werden durch diesen spezifischen Test hingegen die Faktoren B und D, welche dem alternativen Aktivierungsweg angehören.
GOÄ 3967 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz
Die Bestimmung des Gesamtkomplements CH 50 ist insbesondere bei der Abklärung von primären Immundefekten indiziert. Da angeborene Defekte des Komplementsystems im Vergleich zu anderen Immundefekten selten sind, gehört diese Untersuchung nicht zur primären Basisdiagnostik. Vorab sollten stets grundlegende Parameter wie die Immunglobuline (IgA, IgG, IgM, IgE) sowie ein großes Blutbild bestimmt werden.
Ein wichtiges klinisches Leitsymptom für eine Indikation ist die pathologische Infektanfälligkeit, die häufig mit dem ELVIS-Akronym beschrieben wird. Dieses steht für opportunistische Erreger, auffällige Lokalisation, protrahierten Verlauf, Major-Infektionen und die Summe der Infektionen. Auch Störungen der Immunregulation, zusammengefasst im GARFIELD-Akronym (u. a. Autoimmunerkrankungen, Granulome, rezidivierendes Fieber), rechtfertigen diese Diagnostik.
Tipp: Wenn eine Komplementdiagnostik indiziert ist, sollten idealerweise alle drei Aktivierungswege (klassischer Weg via CH 50, alternativer Weg via AH 50 und der Lektin-Weg) parallel untersucht werden. Dies ermöglicht eine präzise Eingrenzung des defekten Abschnitts der Komplementkaskade.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3967
Fallbeispiel 1: Abklärung einer rezidivierenden Infektanfälligkeit
Ein Patient stellt sich mit einer ausgeprägten, rezidivierenden Infektanfälligkeit (ELVIS-Symptomatik) vor. Nach unauffälliger Basisdiagnostik der Immunglobuline besteht der Verdacht auf einen Defekt im klassischen Komplementweg. Es erfolgt die Blutentnahme zur Bestimmung des Gesamtkomplements CH 50 aus dem Serum.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3967 zum Regelsatz (1,15-fach), da keine außergewöhnlichen Umstände vorlagen. Dies entspricht einem Honorar von 33,51 Euro.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf systemischen Lupus erythematodes (SLE)
Bei einer Patientin mit Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung aus dem GARFIELD-Spektrum soll die Aktivität des klassischen Komplementwegs beurteilt werden. Die Bestimmung des CH 50 dient hier zur Erfassung eines eventuellen Verbrauchs von Komplementfaktoren.
Neben den spezifischen Autoantikörpern wird das Gesamtkomplement CH 50 bestimmt und über die Ziffer 3967 GOÄ liquidiert.
Fallbeispiel 3: Analoge Abrechnung des Lektin-Wegs
Zur vollständigen Abklärung des Komplementsystems soll neben dem klassischen und alternativen Weg auch der Lektin-Weg funktionell untersucht werden. Da für den Lektin-Weg keine eigene Ziffer in der GOÄ existiert, erfolgt die Abrechnung analog.
Die Bestimmung des Lektin-Wegs wird gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ analog nach Ziffer 3967 berechnet. Auf der Rechnung wird dies entsprechend als Analogbewertung ausgewiesen.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3967: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3967 ist das mangelhafte Probenhandling. Da Komplementproteine sehr temperaturempfindlich sind, muss die Probe (Serum oder EDTA-Plasma) korrekt gelagert und transportiert werden. Ein präanalytischer Fehler kann zu falsch-niedrigen Werten führen, was medizinisch irreführend ist und bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen Fragen aufwerfen kann.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die parallele Abrechnung von Einzelkomponenten ohne vorherigen Globaltest. Erst wenn der funktionelle Globaltest nach GOÄ 3967 auffällig ist, ist die gezielte Bestimmung einzelner Faktoren (z. B. C3, C4) medizinisch und abrechnungstechnisch vollumfänglich begründet.
Achtung: Die analoge Abrechnung des Lektin-Wegs nach Ziffer 3967 muss auf der Liquidation explizit als Analogabrechnung gekennzeichnet werden. Eine einfache Deklaration als Originalziffer ohne den Zusatz "analog" ist unzulässig und führt zur Zurückweisung der Rechnung.
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Dokumentation der GOÄ 3967: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Rückfragen von Kostenträgern erfolgreich abzuwehren. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation (z. B. ELVIS- oder GARFIELD-Kriterien) sowie die Ergebnisse der bereits erfolgten immunologischen Basisdiagnostik dokumentiert sein. Auch das verwendete Testformat (z. B. Liposom-basierter Assay oder traditionelles Verfahren) sollte im Laborblatt vermerkt werden.
Bei der analogen Anwendung für den Lektin-Weg muss die medizinische Notwendigkeit der erweiterten Komplementdiagnostik klar aus der Dokumentation hervorgehen. Dies erleichtert die Begründung gegenüber privaten Krankenversicherungen erheblich.
Dokumentationsbeispiel:
Verdacht auf primären Immundefekt bei rezidivierenden schweren Infektionen (ELVIS-Kriterien erfüllt). Immunglobuline im Normbereich. Indikation zur erweiterten Komplementdiagnostik: Bestimmung des Gesamtkomplements CH 50 (GOÄ 3967) zur Überprüfung des klassischen Aktivierungswegs. Probenmaterial: Serum, sofort zentrifugiert und tiefgefroren versandt.
GOÄ 3967: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 3967 dem Abschnitt M (Laborleistungen) angehört, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelsatz liegt bei 1,15-fach, während der Höchstsatz bei 1,3-fach liegt. Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig.
Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz können beispielsweise ein extrem schwieriges Probenhandling bei Säuglingen oder schwerwiegende präanalytische Besonderheiten sein. Diese müssen auf der Rechnung einzelfallbezogen und nachvollziehbar begründet werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 3967 häufig mit der Ziffer 3966 (Gesamtkomplement AH 50) kombiniert, um den alternativen Aktivierungsweg parallel zu prüfen. Auch die analoge Abrechnung des Lektin-Wegs (ebenfalls analog nach 3967) wird oft am selben Behandlungstag durchgeführt.
Zusätzlich können bei auffälligen Globaltests die Ziffern für die Einzelkomponenten des Komplementsystems (z. B. C3- und C4-Komplement) hinzutreten. Eine gleichzeitige Abrechnung ist zulässig, sofern die medizinische Notwendigkeit der Stufendiagnostik gegeben ist.
Ziffer 3967 in der neuen GOÄ
Das Gesamtkomplement CH 50 wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 11920 mit einem Festpreis von 25,96 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 33,51 €). Zusätzlich wird das Mannose-bindende Lektin (MBL), das bisher analog über Nr. 3967 abgerechnet wurde, nun durch die eigene Ziffer 11932 abgebildet: 22,63 € je Bestimmung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3967
Was hat nicht gestimmt?