GOÄ 3968: Komplementfaktor C3-Aktivität korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3968
Untersuchungen von Einzelfaktoren des KomplementsystemsKomplementfaktor C3-Aktivität, Lysis
Punktzahl 250  
Einfachsatz 14,57 € 1,0x
Regelhöchstsatz 16,76 € 1,1x
Höchstsatz 18,94 € 1,3x

Erfahren Sie, wie Sie die Bestimmung der Komplementfaktor C3-Aktivität nach GOÄ-Ziffer 3968 rechtssicher indizieren, dokumentieren und abrechnen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3968

Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die Leistung unter der Ziffer 3968 wie folgt:

Untersuchungen von Einzelfaktoren des KomplementsystemsKomplementfaktor C3-Aktivität, Lysis

Diese Ziffer erfasst die funktionelle Aktivitätsbestimmung des Komplementfaktors C3. Im Fokus steht hierbei die Fähigkeit des Faktors, im Rahmen der Komplementkaskade eine Zelllysis herbeizuführen. Dies unterscheidet die Methode grundlegend von rein quantitativen Verfahren.

Die Leistung ist dem Abschnitt M III (Speziallabor) zugeordnet. Sie umfasst alle vorbereitenden Maßnahmen im Labor sowie die eigentliche Durchführung des lytischen Assays.

GOÄ 3968 in der Praxis: Indikation und klinische Relevanz

Die Bestimmung der C3-Aktivität ist ein unverzichtbares Werkzeug in der Rheumatologie und Nephrologie. Sie wird primär eingesetzt, um einen Verbrauch von Komplementfaktoren im Rahmen von Immunkomplexerkrankungen nachzuweisen. Ein erniedrigter Wert weist auf eine aktive Phase der Erkrankung hin.

Typische Indikationen umfassen den Verdacht auf einen Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) oder eine membranoproliferative Glomerulonephritis. Auch bei der Abklärung von rezidivierenden, schweren bakteriellen Infektionen kann die Untersuchung zum Ausschluss eines hereditären Komplementdefekts beitragen.

Tipp: Unterscheiden Sie in der Praxis strikt zwischen der funktionellen Aktivität nach Ziffer 3968 und der quantitativen Proteinkonzentration. Letztere wird deutlich häufiger, aber zu einem geringeren Tarif abgerechnet.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3968

Fallbeispiel 1: Verdacht auf aktiven Systemischen Lupus Erythematodes

Eine Patientin stellt sich mit Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit und einem typischen Schmetterlingserythem vor. Zur Diagnosesicherung und Beurteilung der Krankheitsaktivität wird die funktionelle C3-Aktivität bestimmt.

Die medizinische Begründung stützt sich auf den Verdacht einer systemischen Autoimmunerkrankung mit potenziellem Komplementverbrauch. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3968 mit dem Regelsatz von 1,15-fach.

Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei bekannter Glomerulonephritis

Bei einem Patienten mit bekannter Immunkomplex-Glomerulonephritis soll das Ansprechen auf die immunsuppressive Therapie überprüft werden. Hierzu wird die Lysis-Aktivität des C3-Faktors im Serum gemessen.

Die Verlaufskontrolle zeigt eine Normalisierung der C3-Aktivität, was für ein therapeutisches Ansprechen spricht. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 3968 zum Regelhöchstsatz.

Fallbeispiel 3: Abklärung rezidivierender Infektionen im Kindesalter

Ein junger Patient leidet unter wiederholten, schweren Infektionen durch abgekapselte Bakterien wie Meningokokken. Zum Ausschluss eines primären Immundefekts wird die Aktivität einzelner Komplementfaktoren untersucht.

Die gezielte Analyse der C3-Aktivität dient dem Ausschluss eines seltenen, erblichen Defekts. Die Leistung wird korrekt nach GOÄ 3968 liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3968: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung dieser Ziffer is die Verwechslung mit der quantitativen Bestimmung von C3 mittels Nephelometrie oder Turbidimetrie. Diese einfachere Methode ist nach Ziffer 3530 GOÄ abzurechnen, welche deutlich niedriger bewertet ist.

Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen ist die gleichzeitige Abrechnung mehrerer Einzelfaktoren. Wenn C3- und C4-Aktivitäten nebeneinander bestimmt werden, muss die medizinische Notwendigkeit für jeden Einzelfaktor klar aus der Dokumentation hervorgehen.

Achtung: Die bloße Routinebestimmung ohne konkreten klinischen Verdacht auf eine Komplementaktivierung oder einen Defekt wird von Prüfstellen regelmäßig als nicht indiziert zurückgewiesen.

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Dokumentation der GOÄ 3968: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die spezifische Fragestellung sowie die angewandte Labormethode unmissverständlich festgehalten werden.

Zusätzlich sollten die Rohdaten des lytischen Assays sowie die Interpretation des Ergebnisses dokumentiert sein. Dies erleichtert im Falle einer Nachfrage durch die Beihilfe die schnelle Begründung der Abrechnung.

Dokumentation: V. a. Immunkomplex-Glomerulonephritis bei Hämaturie. Anforderung: Funktionelle Komplementanalyse C3-Aktivität (Lysis-Assay) zum Ausschluss eines Verbrauchs. Ergebnis: C3-Lysis-Aktivität vermindert (45 % der Norm).

GOÄ 3968: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Laborleistung des Abschnitts M III kann die GOÄ 3968 im Regelfall bis zum 1,15-fachen Satz ohne gesonderte Begründung abgerechnet werden. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur in begründeten Einzelfällen zulässig.

Mögliche Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind ein extrem hoher Aufwand bei der Probenvorbereitung oder störende Begleitfaktoren im Patientenserum, die eine wiederholte Messung erforderlich machen. Die Begründung muss individuell formuliert sein.

Typische Ziffernkombinationen

Die Bestimmung der C3-Aktivität erfolgt selten isoliert. Sinnvolle Kombinationen umfassen weitere Parameter der speziellen Immundiagnostik.

Häufig wird die Ziffer zusammen mit der Bestimmung der C4-Aktivität (ebenfalls nach Ziffern des Abschnitts M III) oder mit Autoantikörper-Suchtests wie ANA (Ziffer 3853) oder dsDNA-Antikörpern (Ziffer 3873) kombiniert. Eine zeitgleiche Abrechnung ist zulässig, sofern die Indikationsstellung die Kombination rechtfertigt.

Ziffer 3968 in der neuen GOÄ

Die Komplementfaktor-C3-Aktivitätsprüfung (hämolytischer Funktionstest) hat im Entwurf der neuen GOÄ keine Nachfolgeziffer. Diese Leistung entfällt; für die Konzentrationsmessung von C3 steht eine eigenständige Ziffer zur Verfügung. Heute bringt die 3968 beim 2,3-fachen Satz 16,76 €.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3968

Die GOÄ-Ziffer 3968 rechnet die funktionelle Aktivität (Lysis) des Komplementfaktors C3 ab. Im Gegensatz dazu bewertet die Ziffer 3530 lediglich die quantitative, immunologische Konzentration des Proteins. Für eine korrekte Abrechnung muss die tatsächlich angewandte Labormethode dokumentiert sein.
Die Untersuchung ist bei Verdacht auf autoimmune Systemerkrankungen wie Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) oder chronische Glomerulonephritis angezeigt. Auch bei der Abklärung rezidivierender bakterieller Infektionen zum Ausschluss eines angeborenen Immundefekts ist die Ziffer relevant. Sie dient sowohl der Erstdiagnostik als auch der Verlaufsbeurteilung.
Ja, eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3-fach ist bei Laborleistungen der Abschnitte M III und M IV möglich. Dies erfordert jedoch eine patientenspezifische, medizinische Begründung auf der Rechnung. Typische Gründe sind ein ungewöhnlich hoher Analyseaufwand oder schwierige Probenbeschaffenheiten.
Es bestehen keine direkten, strikten Ausschlussziffern im selben Behandlungsfall, solange die medizinische Notwendigkeit gegeben ist. Allerdings darf die funktionelle Analyse nicht mit der rein quantitativen Bestimmung verwechselt oder doppelt für dieselbe methodische Leistung berechnet werden. Zudem sind die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M zu beachten.
Der einfache Gebührensatz der GOÄ 3968 beträgt 14,57 € bei einer Bewertung von 250 Punkten. In der täglichen Praxis wird meist der Regelhöchstsatz von 1,15-fach angewendet, was einem Honorar von 16,76 € entspricht. Bei begründeter Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3-fach werden 18,94 € fällig.
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