Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3970 für den Komplementfaktor C4 wirft oft Fragen auf. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Fallstricke im Labor umgehen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3970
Untersuchungen von Einzelfaktoren des KomplementsystemsKomplementfaktor C4-Aktivität, Lysis
Die Gebührenordnungsziffer 3970 bewertet die funktionelle Analyse einzelner Faktoren des Komplementsystems. Im Fokus steht hierbei die Bestimmung der C4-Aktivität mittels eines lytischen Testverfahrens. Diese Methode misst die Fähigkeit des Proteins, im Verbund mit anderen Faktoren eine Zelllyse herbeizuführen.
Im Gegensatz zur rein quantitativen Bestimmung der Proteinkonzentration erfasst diese funktionelle Untersuchung die tatsächliche biologische Aktivität. Die Leistung ist dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) der GOÄ zugeordnet. Sie erfordert eine präzise laborpraktische Durchführung unter Einhaltung strenger Qualitätsrichtlinien.
GOÄ 3970 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen
Die Bestimmung der C4-Aktivität ist ein unverzichtbares Werkzeug bei der Abklärung von Autoimmunerkrankungen. Insbesondere bei der Diagnostik des Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) liefert der Parameter wertvolle Hinweise. Ein Abfall der Aktivität korreliert häufig mit einem akuten Krankheitschub.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Diagnostik des hereditären Angioödems (HAE). Bei dieser Erkrankung führt ein Mangel an C1-Inhibitor zu einer unkontrollierten Aktivierung des Komplementsystems, was sich in einem verringerten C4-Spiegel äußert. Auch chronische Immunkomplexerkrankungen rechtfertigen den Einsatz dieser Ziffer.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3970
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Systemischen Lupus Erythematodes
Eine Patientin stellt sich mit Gelenkschmerzen und einem Schmetterlingserythem vor. Zur Abklärung eines vermuteten Lupus erythematodes wird die C4-Aktivität im Serum bestimmt. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 3970 neben den erforderlichen Basislaborwerten.
Fallbeispiel 2: Ausschluss eines hereditären Angioödems
Ein Patient leidet unter rezidivierenden, unklaren Schwellungen der Haut und Schleimhäute. Zum Ausschluss eines hereditären Angioödems wird die funktionelle C4-Lysis-Aktivität angefordert. Die Liquidation der GOÄ 3970 ist in diesem differentialdiagnostischen Kontext vollumfänglich begründet.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei Immunkomplex-Glomerulonephritis
Bei einem Patienten mit bekannter Glomerulonephritis soll die Krankheitsaktivität überwacht werden. Die regelmäßige Bestimmung der C4-Aktivität dient als Indikator für den Verbrauch von Komplementfaktoren. Die Ziffer 3970 wird hierbei im Rahmen der Verlaufsdiagnostik angesetzt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3970: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der Verwechslung von quantitativen und funktionellen Tests. Die bloße Konzentrationsbestimmung von C4-Protein darf nicht über die GOÄ 3970 abgerechnet werden. Hierfür existieren eigene Ziffern im Bereich der immunologischen Untersuchungen.
Zudem beanstanden Prüfstellen oft eine unzulässige Doppelabrechnung von eng verwandten Komplementfaktoren aus derselben Blutprobe. Es ist darauf zu achten, dass die medizinische Notwendigkeit mehrerer paralleler Bestimmungen klar aus der Akte hervorgeht. Die Einhaltung der Speziallabor-Ausschlüsse ist zwingend erforderlich.
Achtung: Die quantitative Bestimmung von C4-Protein (z.B. nach GOÄ 3562) ist von der funktionellen C4-Aktivitätsmessung nach GOÄ 3970 abzugrenzen und darf nicht unbegründet nebeneinander für dieselbe Fragestellung liquidiert werden.
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Dokumentation der GOÄ 3970: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Mittel zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die spezifische klinische Fragestellung und die Indikation dokumentiert sein. Auch das verwendete Testverfahren (Lysis) sollte vermerkt werden.
Der Laborbefund muss die gemessenen Aktivitätswerte klar ausweisen und archiviert werden. Bei einer nachträglichen Prüfung durch die private Krankenversicherung dient diese Dokumentation als Nachweis der medizinischen Notwendigkeit. Eine präzise Indikationsstellung sichert den Honoraranspruch.
Dokumentation: Verdacht auf SLE bei Gelenkschmerzen und Schmetterlingserythem. Blutentnahme zur Bestimmung der Komplementfaktor C4-Aktivität mittels hämolytischer Lysis (GOÄ 3970). Befund: C4-Aktivität vermindert.
GOÄ 3970: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 3970 dem Abschnitt M angehört, ist der Rahmen für die Erhöhung des Steigerungssatzes eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz erfordert eine schriftliche Begründung, wie etwa eine schwierige Probenbeschaffenheit oder aufwendige Vorbereitungsschritte.
Typische Ziffernkombinationen
Häufige Ziffernkombinationen umfassen die Bestimmung weiterer Komplementfaktoren wie C3 (GOÄ 3971) oder der Gesamtaktivität CH50 (GOÄ 3972). Auch die Kombination mit der Blutentnahme nach GOÄ 250 ist im Praxisalltag üblich. Unzulässige Überschneidungen mit allgemeinen Laborpauschalen müssen dabei vermieden werden.
Tipp: Kombinieren Sie die GOÄ 3970 bei der primären Immundefekt-Diagnostik regelkonform mit der Bestimmung der Gesamtaktivität (CH50) nach GOÄ 3972, um ein vollständiges Bild des klassischen Aktivierungsweges zu erhalten.
Ziffer 3970 in der neuen GOÄ
Die Komplementfaktor-C4-Aktivitätsprüfung (hämolytischer Funktionstest) hat im Entwurf der neuen GOÄ keine Nachfolgeziffer. Dieser Leistungsbereich entfällt; für die C4-Konzentration gibt es eine eigene Ziffer. Heute bringt die 3970 beim 2,3-fachen Satz 16,76 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3970
Was hat nicht gestimmt?