GOÄ 4077: VMA-Bestimmung abrechnen – Tipps & Fallbeispiele

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4077
Hormonbestimmung mittels Hochdruckflüssigkeitschromatographie, Gaschromatographie oder Säulenchromatographie und Photometrie -Vanillinmandelsäure (VMA)
Punktzahl 570  
Einfachsatz 33,22 € 1,0x
Regelhöchstsatz 38,21 € 1,1x
Höchstsatz 43,19 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4077

Hormonbestimmung mittels Hochdruckflüssigkeitschromatographie, Gaschromatographie oder Säulenchromatographie und Photometrie -Vanillinmandelsäure (VMA)

Die GOÄ-Ziffer 4077 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich des Speziallabors (Abschnitt M III). Diese Ziffer kommt zur Anwendung, wenn die Konzentration der Vanillinmandelsäure (VMA) im Probenmaterial bestimmt wird. Als wichtigster Endmetabolit der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin liefert dieser Parameter entscheidende diagnostische Hinweise. Die Analyse erfolgt über moderne chromatographische Trennverfahren wie die Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC) oder die Gaschromatographie.

GOÄ 4077 in der Praxis: Diagnostik von Katecholamin-sezernierenden Tumoren

Die Bestimmung der Vanillinmandelsäure ist ein etablierter Baustein in der endokrinologischen Diagnostik. Hauptindikation ist der begründete Verdacht auf ein Phäochromozytom oder ein Neuroblastom, insbesondere bei Kindern. Typische klinische Symptome, die diese Untersuchung rechtfertigen, sind anfallsartige Blutdruckkrisen, therapieresistente Hypertonie, Herzrasen und unerklärliche Schweißausbrüche. Die Probenentnahme erfolgt in der Regel über einen 24-Stunden-Sammelurin, da die Hormonausscheidung im Tagesverlauf stark schwanken kann.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4077

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Phäochromozytom bei therapierefraktärer Hypertonie

Ein Patient stellt sich mit krisenhaftem Bluthochdruck und Tachykardie vor, der auf eine dreifache antihypertensive Medikation nicht anspricht. Zum Ausschluss eines Phäochromozytoms veranlasst der Arzt die Bestimmung der Vanillinmandelsäure im Sammelurin. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4077 zum Regelhöchstsatz (1,15-fach), da keine erschwerenden Faktoren vorlagen.

Fallbeispiel 2: Pädiatrischer Verdacht auf ein Neuroblastom

Bei einem zweijährigen Kind wird bei der U-Untersuchung eine tastbare Raumforderung im Abdomen festgestellt. Zur labormedizinischen Abklärung wird die Ausscheidung von VMA und Homovanillinsäure (HVA) im Urin gemessen. Neben der GOÄ 4077 wird die komplementäre Bestimmung der HVA separat abgerechnet, da es sich um zwei unterschiedliche Parameter handelt.

Fallbeispiel 3: Postoperative Verlaufskontrolle

Sechs Monate nach der erfolgreichen operativen Entfernung eines Phäochromozytoms erfolgt eine routinemäßige Kontrolluntersuchung. Um ein Rezidiv frühzeitig auszuschließen, wird erneut die Vanillinmandelsäure bestimmt. Die medizinische Notwendigkeit der Verlaufskontrolle rechtfertigt die erneute Anforderung und Abrechnung der GOÄ 4077.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4077: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Abrechnungsfehler ist das Versäumnis, den konkreten Parameter auf der Liquidation anzugeben. Die Leistungsbeschreibung fordert explizit, dass die untersuchten Parameter in der Rechnung genannt werden müssen. Fehlt dieser Zusatz, kann die private Krankenversicherung oder Beihilfestelle die Erstattung verweigern. Zudem darf für diese Leistung nicht der normale ärztliche Gebührenrahmen bis zum 2,3-fachen Satz angewendet werden, da für das Speziallabor ein reduzierter Gebührenrahmen gilt.

Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 4077 setzt voraus, dass tatsächlich eines der in der Leistungsbeschreibung genannten chromatographischen Verfahren (z. B. HPLC) angewendet wurde. Einfache immunologische Schnelltests dürfen nicht unter dieser Ziffer liquidiert werden.

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Dokumentation der GOÄ 4077: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen und Rückfragen der Kostenträger. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das genaue Probenmaterial und das Sammelvolumen des Urins dokumentiert sein. Auch der schriftliche Laborbefund mit dem quantitativen Messergebnis und dem angewandten Messverfahren muss archiviert werden.

Dokumentation: V. a. Phäochromozytom bei paroxysmaler Hypertonie. 24-Stunden-Sammelurin (Volumen: 1850 ml) an Speziallabor übergeben. Bestimmung der Vanillinmandelsäure mittels HPLC (GOÄ 4077).

GOÄ 4077: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Eine Überschreitung des Regelhöchstsatzes von 1,15 bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in begründeten Einzelfällen zulässig. Relevante Gründe für eine Steigerung sind beispielsweise ein erhöhter Analyseaufwand durch störende Begleitsubstanzen im Urin oder eine extrem dringliche Notfallanalyse. Die Begründung muss für den Laien verständlich auf der Rechnung formuliert werden.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 4077 wird häufig mit anderen Ziffern aus dem Abschnitt M kombiniert. Sinnvoll ist oft die gleichzeitige Bestimmung von Homovanillinsäure (GOÄ 4078) oder freien Katecholaminen. Eine Doppelabrechnung derselben Ziffer für denselben Parameter am selben Untersuchungstag ist jedoch unzulässig.

Tipp: Vor der Urinsammlung sollten Patienten instruiert werden, bestimmte Nahrungsmittel wie Bananen, Vanille oder Kaffee zu meiden. Diätfehler können zu falsch-positiven Ergebnissen führen, was eine aufwendige Wiederholungsanalyse und somit eine Begründung für den erhöhten Steigerungssatz rechtfertigen kann.

Ziffer 4077 in der neuen GOÄ

Die Vanillinmandelsäure-Bestimmung (VMA) im Urin mittels Chromatographie ist in der neuen GOÄ methodenabhängig:

  • 12052 VMA und/oder HVA — HPLC aus Urin, ggf. einschließlich Probenaufbereitung (27,52 €) — je bestimmtem Parameter
  • 12076 Hormonspektrum II — GC-MS (63,32 €) — VMA ist in der Rechnung anzugeben

Heute liegt der 2,3-fache Satz bei 38,20 €. Für reine GC-, Säulenchromatographie- oder Photometriemethoden ohne HPLC bzw. GC-MS sieht der Entwurf keinen VMA-Nachfolger vor. Die Methode muss dokumentiert sein, um die zutreffende neue Ziffer zu bestimmen.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4077

Der Regelhöchstsatz für die GOÄ-Ziffer 4077 beträgt 38,21 € bei einem Steigerungsfaktor von 1,15. Da es sich um eine Leistung des Speziallabors (Abschnitt M III) handelt, liegt der Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Eine Überschreitung des Regelhöchstsatzes erfordert eine medizinische Begründung.
Die Abrechnung ist bei begründetem Verdacht auf catecholaminproduzierende Tumoren wie das Phäochromozytom oder das Neuroblastom indiziert. Auch die postoperative Verlaufskontrolle dieser Tumoren rechtfertigt die Bestimmung der Vanillinmandelsäure. Typische klinische Symptome sind krisenhafte Hypertonie, Tachykardie und unklare Gewichtsabnahme.
Ja, die Angabe des untersuchten Parameters ist bei der GOÄ 4077 zwingend auf der Rechnung erforderlich. Ohne die explizite Nennung von "Vanillinmandelsäure" oder "VMA" ist die Rechnung formal fehlerhaft. Dies ist eine direkte Vorgabe aus dem Leistungsbeschrieb der Gebührenordnung.
Ja, die parallele Abrechnung ist zulässig, sofern beide Parameter medizinisch notwendig sind. Metanephrine und Vanillinmandelsäure liefern unterschiedliche diagnostische Aussagen bei der Tumorsuche. Die jeweilige Indikation muss jedoch klar aus der Patientendokumentation hervorgehen.
Für Leistungen des Speziallabors nach Abschnitt M III gilt ein reduzierter Gebührenrahmen, bei dem der Regelhöchstsatz bei 1,15 liegt. Der maximale Höchstsatz beträgt das 1,3-fache des Einfachsatzes. Höhere Faktoren wie der sonst übliche 2,3-fache Satz sind für diese Laborziffern ausgeschlossen.
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