Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4236
Quantitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Borrelia burgdorferi
Die GOÄ-Ziffer 4236 beschreibt eine spezifische laboratoriumsmedizinische Untersuchung zum Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger der Lyme-Borreliose. Diese Leistung ist dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) der Gebührenordnung für Ärzte zugeordnet. Die Anwendung erfordert den Einsatz von Agglutinations- oder Fällungsreaktionen, um eine quantitative Aussage über den Antikörpertiter treffen zu können.
Ein wesentlicher formaler Aspekt dieser Ziffer ist die Verpflichtung, die untersuchten Parameter auf der Liquidation explizit anzugeben. Ohne diese Angabe ist die Rechnung nicht prüffähig und kann von Kostenträgern zurückgewiesen werden. Die Leistung umfasst die Probenvorbereitung, die Durchführung der Reaktion sowie die anschließende quantitative Auswertung.
GOÄ 4236 in der Praxis: Diagnostik der Lyme-Borreliose
Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Bei klinischem Verdacht auf eine Borrelien-Infektion, wie beispielsweise bei Gelenkschmerzen oder neurologischen Symptomen, ist eine serologische Abklärung indiziert. Die GOÄ-Ziffer 4236 kommt hierbei zum Einsatz, wenn ein quantitativer Antikörpernachweis mittels Agglutinationstechniken durchgeführt wird.
In der modernen Labordiagnostik wird häufig ein zweistufiges Verfahren angewendet. Obwohl vermehrt ELISA- und Immunoblot-Verfahren genutzt werden, bleibt die Agglutinationsreaktion eine etablierte Methode für spezifische Fragestellungen. Die Indikation für diese Ziffer ist somit immer dann gegeben, wenn die methodischen Voraussetzungen der Agglutination oder Fällung für Borrelia burgdorferi erfüllt sind.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4236
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Lyme-Arthritis
Ein Patient stellt sich mit rezidivierenden Gelenkschwellungen im Kniegelenk nach einem bekannten Zeckenbiss vor. Zur diagnostischen Abklärung veranlasst die Praxis eine quantitative Bestimmung der Borrelien-Antikörper. Das Labor führt eine Latex-Agglutination durch und rechnet hierfür die GOÄ-Ziffer 4236 ab. Die Dokumentation enthält den konkreten Verdacht und das quantitative Testergebnis.
Fallbeispiel 2: Abklärung neurologischer Symptome
Bei einer Patientin treten unklare neurologische Ausfälle auf, die auf eine Neuroborreliose hinweisen könnten. Neben der klinischen Untersuchung erfolgt die Blutentnahme für den quantitativen Antikörpernachweis. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer 4236 zum Regelhöchstsatz von 1,15, da keine erschwerenden Faktoren vorlagen. Der untersuchte Parameter wird auf der Rechnung transparent ausgewiesen.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei chronischem Verlauf
Bei einem Patienten mit bekannter, therapierter Borreliose soll der Titerverlauf quantitativ kontrolliert werden. Die Praxis nutzt hierfür erneut die Agglutinationsreaktion nach GOÄ 4236. Da die Bestimmung einen erhöhten Aufwand durch störende Serumfaktoren aufweist, wird der Steigerungssatz auf 1,3 angehoben. Eine entsprechende Begründung wird auf der Liquidation vermerkt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4236: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4236 ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Die Gebührenordnung schreibt zwingend vor, dass der untersuchte Parameter genannt werden muss. Fehlt dieser Eintrag, führt dies regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen und Beihilfestellen.
Zudem darf die Ziffer nicht mit anderen methodisch identischen Untersuchungen aus derselben Probe ohne medizinische Notwendigkeit vervielfacht werden. Die Nebeneinanderberechnung von qualitativen Schnelltests und der quantitativen Bestimmung nach 4236 für denselben Erreger ist in der Regel nicht zulässig, sofern sie nicht als Stufendiagnostik begründet wird.
Achtung: Die Abrechnung des Laborsatzes mit dem Regelsatz für ärztliche Leistungen (2,3-fach) statt des korrekten Labor-Regelhöchstsatzes (1,15-fach) ist unzulässig und führt zur sofortigen Kürzung der Rechnung.
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Dokumentation der GOÄ 4236: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Regressen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das Datum der Probenentnahme sowie die angewandte Methode exakt festgehalten werden. Auch das quantitative Testergebnis, beispielsweise der Titerwert, gehört zwingend in die Dokumentation.
Sollte eine Steigerung des Gebührensatzes über den Schwellenwert von 1,15 hinaus notwendig sein, muss die medizinische Begründung detailliert dokumentiert werden. Dies umfasst beispielsweise Hinweise auf schwierige Probenbeschaffenheiten oder zeitintensive Sonderverfahren im Labor.
Dokumentation: Verdacht auf Lyme-Borreliose nach Zeckenexposition. Blutentnahme erfolgt. Quantitativer Antikörpernachweis (Borrelia burgdorferi) mittels Latex-Agglutination durchgeführt. Ergebnis: Titer 1:64. Parameter auf Rechnung ausgewiesen.
Tipp: Die Verwendung von standardisierten Textbausteinen in der Praxissoftware erleichtert die rechtssichere Dokumentation der Laborparameter erheblich.
GOÄ 4236: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 4236 gehört zum Abschnitt M und unterliegt damit dem reduzierten Gebührenrahmen für Laborleistungen. Der Regelhöchstsatz beträgt 1,15, während der maximale Steigerungssatz bei 1,3 liegt. Eine Steigerung über den 1,15-fachen Satz hinaus erfordert eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung, wie etwa das Vorliegen von Autoantikörpern, die die Agglutinationsreaktion erheblich erschweren.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ 4236 zusammen mit der Blutentnahme nach GOÄ-Ziffer 250 berechnet. Auch die Kombination mit anderen labordiagnostischen Basisparametern aus dem Abschnitt M I oder M II ist üblich. Es ist jedoch darauf zu achten, dass keine unzulässigen Doppelberechnungen für dieselbe methodische Leistung stattfinden.
Ziffer 4236 in der neuen GOÄ
Für die Ziffer 4236 sieht der Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung vor. Der bisherige 2,3-fache Satz liegt bei 15,42 €; im Einzelfall ist zu prüfen, welche neue Ziffer den Untersuchungsinhalt am besten abbildet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4236
Was hat nicht gestimmt?