Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4460
Quantitative Bestimmung von Antikörpern mittels Komplementbindungsreaktion -Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand
Die GOÄ-Ziffer 4460 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Abschnitt M III (Spezielle Laboruntersuchungen) der Gebührenordnung für Ärzte. Im Zentrum dieser Ziffer steht die Komplementbindungsreaktion (KBR), ein klassisches immunologisches Verfahren zum Nachweis von Antigen-Antikörper-Reaktionen. Die Methode nutzt die Eigenschaft des Komplementsystems, an Antigen-Antikörper-Komplexe zu binden und diese zu aktivieren. Durch die quantitative Auswertung lässt sich die Konzentration spezifischer Antikörper im Patientenserum präzise bestimmen.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Gebührenziffer ist die Gleichstellung von Untersuchungen mit einem ähnlichen methodischen Aufwand. Dies ermöglicht eine gewisse Flexibilität bei der Anwendung modernerer, aber methodisch vergleichbar komplexer Nachweisverfahren. Der offizielle Leistungstext enthält zudem die strikte Vorgabe, dass die untersuchten Parameter in der Rechnung einzeln aufzuführen sind.
GOÄ 4460 in der Praxis: Indikationen und methodischer Hintergrund
Die Anwendung der GOÄ-Ziffer 4460 ist in der modernen Medizin vor allem in der Infektionsdiagnostik verankert. Die quantitative Bestimmung von Antikörpern dient hierbei nicht nur dem qualitativen Nachweis einer stattgehabten Infektion, sondern erlaubt durch Titerbestimmungen auch Aussagen über das Infektionsstadium oder den Verlauf einer Erkrankung. Ein signifikanter Titeranstieg in zwei zeitlich versetzt entnommenen Serumproben sichert häufig die Diagnose einer akuten Infektion.
Typische klinische Einsatzgebiete umfassen den Nachweis von Antikörpern gegen virale Erreger wie Influenza, RSV oder Adenoviren sowie gegen bakterielle Erreger wie Mykoplasmen und Chlamydien. Auch in der Parasitologie und Mykologie kommt die KBR bei speziellen Fragestellungen weiterhin zum Einsatz. Die Abgrenzung zu einfacheren qualitativen Schnelltests oder vollautomatisierten Standard-ELISA-Verfahren, die unter anderen Ziffern abgerechnet werden, ist für eine korrekte Honorierung essenziell.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4460
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Mykoplasmen-Pneumonie
Ein Patient stellt sich mit trockenem Reizhusten, Fieber und dem Verdacht auf eine atypische Pneumonie vor. Zur Abklärung wird eine Blutprobe entnommen und eine quantitative Antikörperbestimmung gegen Mycoplasma pneumoniae mittels KBR durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4460 unter Angabe des spezifischen Parameters auf der Liquidation.
Fallbeispiel 2: Differenzierung bei respiratorischen Infekten
Im Rahmen einer epidemiologischen Welle wird bei einem Patienten mit schwerer respiratorischer Symptomatik eine serologische Differenzierung durchgeführt. Es erfolgt die quantitative Bestimmung von Antikörpern gegen Influenza-A- und Influenza-B-Viren mittels KBR. Da es sich um zwei getrennte Parameter handelt, kann die GOÄ-Ziffer 4460 zweimal angesetzt werden, sofern beide Parameter explizit auf der Rechnung ausgewiesen werden.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei Chlamydien-Infektion
Zur Überprüfung des Therapieerfolgs und des Infektionsverlaufs bei einer nachgewiesenen Infektion mit Chlamydia psittaci wird eine Titerbestimmung durchgeführt. Die quantitative Analyse mittels KBR liefert den exakten Antikörper-Titer. Die Leistung wird über die Ziffer 4460 abgerechnet, wobei der Titerverlauf in der Patientenakte dokumentiert wird.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4460: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Liquidation der GOÄ-Ziffer 4460 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Die Angabe des untersuchten Erregers beziehungsweise Antikörpers ist eine zwingende formale Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit. Rechnungen, die lediglich den Zifferntext ohne Zusatzangaben enthalten, werden von privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen regelmäßig beanstandet.
Achtung: Die GOÄ-Ziffer 4460 darf nicht nebeneinander mit der Ziffer 437 abgerechnet werden. Die Ziffer 437 regelt den Zuschlag für die Durchführung von Laboruntersuchungen außerhalb der Sprechstunde, was in Kombination mit Speziallaborleistungen der Abschnitte M III und M IV generell ausgeschlossen ist.
Zudem führt die Verwechslung mit einfacheren, nicht-quantitativen Testverfahren oft zu Konflikten bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen. Wird lediglich ein qualitativer Schnelltest durchgeführt, ist der Ansatz der Ziffer 4460 nicht gerechtfertigt. Hier müssen die entsprechenden Ziffern für qualitative Untersuchungen gewählt werden.
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Dokumentation der GOÄ 4460: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und vollständige Dokumentation ist das beste Mittel, um Honorarkürzungen oder Rückfragen von Kostenträgern zu vermeiden. In der Patientenakte müssen die medizinische Indikation für die quantitative Bestimmung, das genaue Untersuchungsverfahren (KBR oder gleichwertige Methode) sowie das exakte quantitative Testergebnis festgehalten werden. Auch das Datum der Probenentnahme und des Laboreingangs sollte dokumentiert sein.
Dokumentation: Quantitative Bestimmung von Mycoplasma pneumoniae-Antikörpern mittels KBR. Indikation: V.a. atypische Pneumonie bei anhaltendem Reizhusten. Ergebnis: Titer 1:160 (positiv).
Bei Verlaufskontrollen ist es ratsam, die Vorwerte im Dokumentationssystem direkt gegenüberzustellen. Dies erleichtert nicht nur die medizinische Beurteilung, sondern dient auch als Nachweis der medizinischen Notwendigkeit für wiederholte Titerbestimmungen. Die Angabe der konkreten Titerstufe im Laborbefund ist obligat.
GOÄ 4460: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Abschnitts M III unterliegt die GOÄ-Ziffer 4460 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Schwellenwert (Regelhöchstsatz) liegt beim 1,15-fachen Satz, während der maximale Steigerungssatz auf das 1,3-fache des Einfachsatzes begrenzt ist. Eine Überschreitung des Schwellenwerts bis zum Höchstsatz von 18,94 € ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig. Typische Begründungen sind ein ungewöhnlich hoher zeitlicher oder technischer Aufwand, beispielsweise durch stark lipämische oder hämolytische Serumproben, die eine aufwendige Vorbereitung erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ-Ziffer 4460 wird im Praxisalltag häufig in Kombination mit anderen diagnostischen Leistungen abgerechnet. Dazu gehören die Blutentnahme nach Ziffer 250 sowie grundlegende Laboruntersuchungen aus den Abschnitten M I und M II. Bei komplexen differentialdiagnostischen Fragestellungen kann die Ziffer 4460 auch mehrfach für unterschiedliche Erregerparameter nebeneinander aufgeführt werden.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination von mehreren Speziallaborleistungen darauf, dass keine unzulässigen Überschneidungen vorliegen. Die zeitgleiche Abrechnung von unterschiedlichen methodischen Verfahren für denselben Erreger (z. B. KBR und ELISA parallel) muss medizinisch besonders begründet sein.
Ziffer 4460 in der neuen GOÄ
Die Sammelziffer 4460 für KBR-Antikörperbestimmungen bei weiteren Erregern hat in der neuen GOÄ keinen direkten Nachfolger. Die KBR als Verfahren wird im Entwurf nicht mehr abgebildet; für die früher analog abgerechneten Erreger (z. B. Brucella, Campylobacter, Coxiella burnetii) existieren in der neuen GOÄ eigene analytspezifische Codes in anderen Methoden-Abschnitten.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4460
Was hat nicht gestimmt?