Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 1235: So rechnen Sie die Untersuchung des Dämmerungssehens unter Blendung rechtssicher ab. Mit Beispielen und Ausschlusskriterien.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1235
Untersuchung des Dämmerungssehens während der Blendung
Die GOÄ-Ziffer 1235 beschreibt eine spezialisierte ophthalmologische Funktionsprüfung zur Erfassung des Sehvermögens unter mesopischen Bedingungen. Diese Untersuchung des Dämmerungssehens simuliert die visuelle Wahrnehmung bei schlechten Lichtverhältnissen, wie sie typischerweise in der Dämmerung oder nachts auftreten. Durch das zusätzliche Einschalten einer standardisierten Lichtquelle wird zudem die Blendempfindlichkeit des Patienten objektiviert.
Die Leistung umfasst die gesamte Durchführung des Tests an einem geeigneten Prüfgerät, beispielsweise einem Nyktometer oder Mesoptometer. Wichtig für die Abrechnungspraxis ist, dass die sogenannte Fotostimulation bereits inbegriffen ist. Dies basiert auf einem historischen Grundsatzurteil des Bundessozialgerichts, welches die untrennbare Einheit dieser diagnostischen Schritte festlegte.
GOÄ 1235 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert
Die Durchführung dieser Untersuchung ist in verschiedenen klinischen und gutachterlichen Szenarien von hoher Relevanz. Ein primäres Einsatzgebiet ist die verkehrsmedizinische Begutachtung gemäß der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV). Hierbei muss insbesondere bei Berufskraftfahrern der Klassen C und D das ausreichende Sehvermögen bei Nacht und Blendung nachgewiesen werden.
Darüber hinaus ist die Messung bei der Abklärung von Trübungen der brechenden Medien, wie dem Grauen Star (Katarakt), indiziert. Patienten klagen in diesen Fällen häufig über eine massive Blendung im Gegenverkehr. Auch nach refraktiven Eingriffen wie einer LASIK-Operation dient die Ziffer zur Dokumentation des postoperativen Heilerfolgs und zum Ausschluss störender optischer Phänomene.Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1235
Fallbeispiel 1: Fahrtauglichkeitsuntersuchung (FeV)
Ein 52-jähriger Lkw-Fahrer stellt sich zur turnusmäßigen Verlängerung seines Führerscheins der Klasse CE vor. Neben der allgemeinen ophthalmologischen Untersuchung erfolgt die Prüfung des Dämmerungssehens mit dem Nyktometer. Die Messung zeigt normale Werte unter Blendung, weshalb das Gutachten positiv ausgestellt wird. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 1235 zum Regelsatz (2,3-fach) neben den weiteren erforderlichen Gutachten-Ziffern.
Fallbeispiel 2: Präoperative Katarakt-Diagnostik
Eine 74-jährige Patientin berichtet über zunehmende Unsicherheit beim Autofahren in der Dunkelheit aufgrund starker Blendung durch entgegenkommende Fahrzeuge. Die Spaltlampenuntersuchung zeigt eine fortgeschrittene Kernsklerose der Linse. Zur Objektivierung der Beschwerden wird eine Blendungsprüfung durchgeführt, die eine signifikante Herabsetzung des Visus unter Blendlicht zeigt. Die Indikation zur Katarakt-Operation ist damit untermauert, und die GOÄ 1235 wird zur Dokumentation des präoperativen Status abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Kontrolle nach refraktiver Chirurgie
Drei Monate nach einer beidseitigen LASIK-Behandlung klagt ein Patient über störende Halos und Blendeffekte bei Nacht. Zur Verlaufskontrolle und Qualitätssicherung erfolgt die Untersuchung des Dämmerungssehens während der Blendung. Die Ergebnisse werden detailliert dokumentiert, um den Heilungsverlauf zu überwachen. Die Leistung wird als selbstständige ophthalmologische Spezialleistung über die Ziffer 1235 liquidiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ 1235: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Ziffern mit ähnlichem Leistungsinhalt. Die GOÄ-Ziffer 1235 darf explizit nicht neben der GOÄ-Ziffer 1233 (Untersuchung des Dämmerungssehens und/oder der Dunkeladaptation) aufgeführt werden. Da die Ziffer 1233 die Prüfung ohne Blendung beschreibt, ist sie bei einer kombinierten Untersuchung durch die speziellere Ziffer 1235 abgegolten.
Achtung: Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen die Kombination von 1233 und 1235 sehr genau. Eine gemeinsame Abrechnung am selben Behandlungstag führt unweigerlich zur Kürzung der Liquidation.
Zudem versuchen Praxen gelegentlich, die Fotostimulation als separate Leistung analog anzusetzen. Dies ist aufgrund der klaren Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) unzulässig. Die Stimulation ist integraler Bestandteil der Ziffer 1235 und kann nicht aufgespalten werden.
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Dokumentation der GOÄ 1235: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wirksamste Mittel gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte muss das verwendete Untersuchungsgerät (z. B. Mesoptometer) namentlich genannt werden. Auch die eingestellten Prüfparameter wie die Kontraststufen und die Intensität des Blendlichts gehören in den Befundbericht.
Tipp: Nutzen Sie standardisierte Software-Schnittstellen Ihrer ophthalmologischen Geräte, um die Messergebnisse direkt und fälschungssicher in die elektronische Patientenakte zu übertragen.
Der dokumentierte Befund sollte die ermittelten Visusstufen mit und ohne Blendung klar gegenüberstellen. Ein kurzes ärztliches Fazit zur Fahrtauglichkeit oder zum therapeutischen Konsequenz rundet die Dokumentation ab.
Dokumentationsbeispiel:
Nyktometrie mit Gerät XY durchgeführt. Dämmerungssehen ohne Blendung: Visus 0,7 (ausreichend). Dämmerungssehen mit Blendung (Kontrast 1:2,3): Visus 0,5. Befund vereinbar mit beginnender Katarakt, Fahrtauglichkeit für PKW aktuell noch gegeben.
GOÄ 1235: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz bis zum 3,5-fachen Höchstsatz erfordert eine patientenindividuelle Begründung. Ein erhöhter Zeitaufwand kann beispielsweise durch eine stark verzögerte Adaptationsfähigkeit des Patienten begründet werden. Auch ausgeprägte Verständigungsschwierigkeiten oder motorische Unruhe, die eine wiederholte Durchführung des Tests notwendig machen, rechtfertigen eine Steigerung.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 1235 wird selten isoliert erbracht. Sie ist hervorragend kombinierbar mit der GOÄ-Ziffer 1200 (Spiegelung des Augenhintergrundes) oder der GOÄ-Ziffer 1210 (Spaltlampenuntersuchung). Auch die Kombination mit der Ziffer 1240 (Perimetrie) ist im Rahmen von Fahrtauglichkeitsgutachten der Regelfall und wird von den Kostenträgern anstandslos erstattet.
Ziffer 1235 in der neuen GOÄ
Die Untersuchung des Dämmerungssehens während der Blendung geht zusammen mit 1234 und 1236 in der neuen Nummer 4822 auf: „Untersuchung des Dämmerungssehens vor und/oder während und/oder nach der Blendung" — Festpreis 30,75 € je Sitzung, unabhängig von der Anzahl der durchgeführten Prüfphasen.
Heute liegt der 2,3-fache Satz der 1235 bei 12,19 €. Die Konsequenz: Die drei alten Ziffern (1234, 1235, 1236) verschmelzen zu einem einzigen Ansatz mit 30,75 €, egal ob eine, zwei oder alle drei Prüfphasen erbracht wurden.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1235
Was hat nicht gestimmt?