Erfahren Sie, wie Sie die Fluoreszenzangiographie nach GOÄ 1249 rechtssicher abrechnen, Fallstricke vermeiden und Steigerungsfaktoren optimal nutzen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1249
Fluoreszenzangiographische Untersuchung der terminalen Strombahn am Augenhintergrund – einschließlich Aufnahmen und Applikation des Teststoffes –
Die GOÄ-Ziffer 1249 beschreibt eine hochspezialisierte ophthalmologische Kontrastmitteluntersuchung zur Darstellung der retinalen und choroidalen Gefäße. Diese Leistung umfasst sowohl die eigentliche Applikation des Fluoreszenzfarbstoffs als auch die anschließende fotografische Dokumentation mittels einer Funduskamera.
Die intravenöse Injektion des Teststoffes (meist Fluoreszein-Natrium oder Indocyaningrün) ist integraler Bestandteil dieser Ziffer. Eine gesonderte Berechnung der Injektion ist daher ausgeschlossen. Die Untersuchung dient der detaillierten Beurteilung der terminalen Strombahn am Augenhintergrund.
GOÄ 1249 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert
Die fluoreszenzangiographische Untersuchung stellt ein unverzichtbares Instrument in der retinalen Diagnostik dar. Sie wird primär eingesetzt, um vaskuläre Veränderungen der Netzhaut und der Aderhaut präzise zu lokalisieren und zu quantifizieren. Typische Indikationen umfassen die feuchte altersabhängige Makuladegeneration (AMD) sowie die diabetische Retinopathie.
Auch bei retinalen Venenverschlüssen oder entzündlichen Chorioretinitiden liefert die Untersuchung entscheidende Befunde. Durch die Darstellung von Leckagen, Ischämiezonen und Neovaskularisationen lässt sich die therapeutische Indikation, beispielsweise für eine intravitreale operative Medikamentenapplikation (IVOM), exakt stellen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1249
Fallbeispiel 1: Feuchte altersabhängige Makuladegeneration (AMD)
Ein Patient stellt sich mit einer akuten Sehverschlechterung und Metamorphopsien vor. Zur Abklärung einer choroidalen Neovaskularisation (CNV) erfolgt eine Fluoreszenzangiographie. Die Dokumentation zeigt eine klassische Leckage im Bereich der Makula. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 1249 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine erschwerenden Faktoren vorlagen.
Fallbeispiel 2: Proliferative diabetische Retinopathie
Bei einem langjährigen Diabetiker zeigt die Ophthalmoskopie den Verdacht auf retinale Neovaskularisationen. Die Durchführung der GOÄ 1249 bestätigt ausgedehnte ischämische Areale und beginnende Gefäßproliferationen. Die Untersuchung begründet die Einleitung einer panretinalen Laserkoagulation. Die Abrechnung erfolgt korrekt unter Ausschluss der GOÄ 253.
Fallbeispiel 3: Zentralvenenverschluss mit Makulaödem
Ein Patient klagt über eine schmerzfreie, einseitige Sehgeminderung. Die Angiographie sichert die Diagnose eines ischämischen Zentralvenenverschlusses. Aufgrund einer ausgeprägten Katarakt (Medientrübung) gestaltet sich die Fokussierung der Funduskamera extrem schwierig. Die GOÄ 1249 wird daher mit einem gesteigerten Faktor von 3,0 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 1249: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der ophthalmologischen Abrechnung ist die zusätzliche Liquidation der intravenösen Injektion. Da die Applikation des Teststoffes explizit im Leistungstext der GOÄ 1249 genannt ist, darf die GOÄ-Ziffer 253 (Injektion) nicht nebeneinander berechnet werden. Dies führt regelmäßig zu Kürzungen durch private Krankenversicherungen.
Ebenso ist der Ausschluss bezüglich der GOÄ-Ziffer 1248 (Fluoreszenzangiographie der Iris) strikt zu beachten. Beide Untersuchungen können nicht in derselben Sitzung nebeneinander abgerechnet werden, selbst wenn beide Strukturen untersucht wurden. In solchen Fällen ist die höher bewertete Ziffer 1249 zu wählen.
Achtung: Sachkosten für den verwendeten Farbstoff (z. B. Fluoreszein-Ampullen) sind nicht in der Gebühr enthalten. Diese können gemäß § 10 GOÄ als Auslagen gesondert in Rechnung gestellt werden. Die entsprechende Rechnung oder der Einkaufspreis sollte gut dokumentiert sein.
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Dokumentation der GOÄ 1249: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu vermeiden. Neben der medizinischen Indikation müssen der verwendete Farbstoff, die Dosierung sowie der Applikationsweg exakt festgehalten werden. Auch eventuelle Unverträglichkeitsreaktionen oder deren Ausbleiben gehören in die Patientenakte.
Die Bilddokumentation muss digital archiviert werden und eine eindeutige Zuordnung zum Patienten ermöglichen. Der schriftliche Befund sollte Angaben zur Füllungszeit der Gefäße, zum Vorliegen von Leckagen (Hyperfluoreszenz) oder Perfusionsausfällen (Hypofluoreszenz) enthalten.
Dokumentationsbeispiel:
Indikation: V. a. feuchte AMD bei Metamorphopsien re. Auge. i.v.-Applikation von 5 ml Fluoreszein 10% in die Ellenbeuge ohne Komplikationen. Angiographie-Serie (Funduskamera): Frühe arterielle Phase nach 12 Sek., deutliche Hyperfluoreszenz (Leakage) subretinal makulär rechts. Diagnose: Klassische CNV bei AMD.
GOÄ 1249: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungssatzes über den Schwellenwert von 2,3 bis zum Höchstsatz von 3,5 erfordert eine patientenbezogene Begründung. Typische Gründe für eine Faktorerhöhung bei der GOÄ 1249 sind eine mangelnde Compliance des Patienten (z. B. bei Tremor oder Demenz), die das Ruhighalten des Auges erschwert. Auch starke Medientrübungen wie eine fortgeschrittene Katarakt oder Glaskörperblutungen, die die Bildqualität beeinträchtigen, rechtfertigen eine Steigerung.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 1249 wird häufig im Rahmen einer umfassenden Netzhautdiagnostik erbracht. Zulässig ist die Kombination mit der ophthalmologischen Grunduntersuchung nach GOÄ 1200 oder der Ophthalmoskopie nach GOÄ 1210 bzw. 1211. Auch die optische Kohärenztomographie (OCT), die meist analog abgerechnet wird, kann am selben Tag sinnvoll kombiniert werden, da sie komplementäre Informationen liefert.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination mit einer OCT-Analogabrechnung darauf, dass die medizinische Notwendigkeit beider Verfahren getrennt begründet wird. Während die Angiographie die Dynamik der Gefäßperfusion zeigt, stellt das OCT die anatomischen Netzhautschichten dar.
Ziffer 1249 in der neuen GOÄ
Die fluoreszenzangiographische Untersuchung der terminalen Strombahn am Augenhintergrund einschließlich Aufnahmen geht zusammen mit der bisherigen 1248 in der neuen Nummer 4847 auf: „Fluoreszenzangiographische Untersuchung des Augenhintergrundes, einschließlich Applikation des Teststoffes" — Festpreis 60,24 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 64,88 €). Die Bewertung bleibt damit nahezu gleich.
Neu: Bei simultaner Durchführung von Fluoreszein-Angiographie und Indocyaningrün-Angiographie in derselben Sitzung ist 4847 zweimal berechnungsfähig.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1249
Was hat nicht gestimmt?