GOÄ 1840: Nierenbeckenplastik korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 1840
Nierenbeckenplastik
Punktzahl 2770  
Einfachsatz 161,46 € 1,0x
Regelhöchstsatz 371,36 € 2,3x
Höchstsatz 565,11 € 3,5x

Die Abrechnung der Nierenbeckenplastik nach GOÄ 1840 wirft oft Fragen auf. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Fallstricke vermeiden und Honorar sichern.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1840

GOÄ-Ziffer 1840: Nierenbeckenplastik (2770 Punkte)

Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 1840 umfasst die Nierenbeckenplastik als eigenständige operative Leistung. Diese Ziffer deckt sowohl offene als auch endoskopische operative Eingriffe ab, die zur Behebung von pathologischen Veränderungen im Bereich des Nierenbeckens dienen. Insbesondere die Rekonstruktion am Übergang zwischen Nierenbecken und Harnleiter ist hierbei eingeschlossen.

Im urologischen Bereich stellt diese Ziffer eine hochwertige chirurgische Rekonstruktion dar. Die Ziffer ist unabhängig von der gewählten chirurgischen Methode (z. B. offen-chirurgisch, laparoskopisch oder roboterassistiert) anwendbar, sofern das Ziel die plastische Rekonstruktion des Nierenbeckens ist.

GOÄ 1840 in der Praxis: Indikationen und klinische Anwendung

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 1840 setzt eine klare medizinische Indikation voraus. Typischerweise liegt eine subpelvine Stenose (Harnleiterabgangsenge) vor, die zu einer klinisch relevanten Obstruktion führt. Ohne operative Intervention drohen dem Patienten chronische Schmerzen, rezidivierende Harnwegsinfekte oder ein fortschreitender Funktionsverlust der Niere.

Weitere wichtige Indikationen für eine Nierenbeckenplastik sind die ausgeprägte Pyeloektase sowie die fortgeschrittene, aber noch operierbare Hydronephrose. Auch angeborene Entleerungsstörungen oder narbige Veränderungen nach schweren Entzündungen rechtfertigen diesen rekonstruktiven Eingriff.

Tipp: Die Wahl der Operationsmethode – ob nach Anderson-Hynes, Culp-de Weerd oder Schwyzer – hat keinen Einfluss auf die Wahl der Ziffer, kann jedoch als Begründung für eine Schwellenwertüberschreitung herangezogen werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1840

Fallbeispiel 1: Offene Nierenbeckenplastik bei subpelviner Stenose

Ein Patient stellt sich mit rezidivierenden Flankenschmerzen und nachgewiesener Harnleiterabgangsenge vor. Es erfolgt eine offene Nierenbeckenplastik nach Anderson-Hynes zur Beseitigung der Obstruktion. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 1840 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Komplikationen auftraten.

Fallbeispiel 2: Laparoskopische Pyeloplastik bei Hydronephrose

Bei einer Patientin mit fortgeschrittener Hydronephrose Grad III wird eine minimal-invasive, laparoskopische Nierenbeckenplastik durchgeführt. Aufgrund des erhöhten präparatorischen Aufwands bei der laparoskopischen Nahttechnik wird ein Steigerungsfaktor von 2,8 gewählt. Die Begründung in der Rechnung verweist auf die erschwerte intraoperative Darstellung und Rekonstruktion.

Fallbeispiel 3: Roboterassistierte Nierenbeckenplastik bei rezidivierender Enge

Ein Patient mit einer Rezidivstenose nach vorangegangener Operation erhält eine roboterassistierte (daVinci) Nierenbeckenplastik. Wegen der massiven Vernarbungen im Operationsgebiet und des extrem hohen Zeitaufwands wird die GOÄ-Ziffer 1840 mit dem Höchstsatz von 3,5 abgerechnet. Die Begründung dokumentiert die aufwendige Adhäsiolyse im Detail.

Häufige Fehler bei der GOÄ 1840: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 1840 ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von urologischen Standardleistungen. So ist die Harnleiterdarstellung oder -mobilisation in der Regel mit der Hauptleistung abgegolten und darf nicht separat berechnet werden. Private Krankenversicherungen prüfen diese Kombinationen besonders intensiv.

Zudem versuchen Prüfstellen oft, die laparoskopische Durchführung als "Zielleistung" abzuwerten oder zusätzliche Zuschläge zu streichen. Es ist wichtig zu betonen, dass der laparoskopische Zugangsweg die Abrechnung der GOÄ 1840 nicht ausschließt, sondern im Gegenteil den chirurgischen Aufwand erhöhen kann.

Achtung: Die bloße Verwendung von roboterassistierten Systemen (z. B. daVinci) rechtfertigt keine eigene Gebührenziffer, sondern muss über eine entsprechende Erhöhung des Steigerungsfaktors der GOÄ 1840 abgebildet werden.

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Dokumentation der GOÄ 1840: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise OP-Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die anatomischen Verhältnisse, der Grad der Stenose sowie die genaue Rekonstruktionstechnik detailliert beschrieben werden. Auch die Operationsdauer und eventuelle anatomische Besonderheiten gehören in den Bericht.

Besonders bei der Anwendung von Steigerungsfaktoren über dem Schwellenwert von 2,3 ist eine patientenbezogene Begründung zwingend erforderlich. Allgemeine Floskeln wie "erhöhter Zeitaufwand" reichen nicht aus; es müssen konkrete Erschwernisse wie Verwachsungen oder Blutungen dokumentiert sein.

Dokumentationsbeispiel:
"...Präparation des stark vernarbten retroperitonealen Raumes bei Zustand nach Voroperation. Darstellung des dilatierten Nierenbeckens und des subpelvinen Harnleiters. Resektion des stenosierten Segments und Durchführung einer spannungsfreien Anastomose nach Anderson-Hynes mittels fortlaufender PDS-Naht. Intraoperative Blutstillung bei diffuser parenchymatöser Blutung..."

GOÄ 1840: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die GOÄ-Ziffer 1840 kann bei überdurchschnittlich schwierigen Eingriffen bis zum Höchstsatz von 3,5 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind ausgeprägte Adhäsionen, anatomische Varianten wie ein Ureterpolgefäß oder ein hohes Patientenalter mit entsprechenden Begleiterkrankungen. Auch die laparoskopische oder roboterassistierte Durchführung bietet oft legitime Ansätze für eine Faktorerhöhung.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die Nierenbeckenplastik in Kombination mit Anästhesieleistungen (z. B. GOÄ 3000ff.) oder postoperativer Überwachung abgerechnet. Auch die Einlage einer Harnleiterschiene (DJ-Katheter) kann unter Beachtung der Kombinationsregeln separat berechnet werden, sofern dies eine eigenständige, medizinisch indizierte Leistung darstellt. Eine zeitgleiche Nephrektomie am selben Organ ist logischerweise ausgeschlossen.

Ziffer 1840 in der neuen GOÄ

Die Nierenbeckenplastik wird zur neuen Nummer 10181 — Festpreis 912,44 €. Das sind 146 % mehr als der heutige 2,3-fache Satz von 371,36 €. Die neue Ziffer nimmt zusätzliche obligatorische Bestandteile auf (Harnleiterschienung und Anlage einer Nierenfistel).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1840

Eine Nierenbeckenplastik nach GOÄ-Ziffer 1840 kostet im Einfachsatz 161,46 € und im Regelhöchstsatz (2,3-fach) 371,36 €. Bei besonders schwierigen Verhältnissen kann der Höchstsatz (3,5-fach) mit 565,11 € berechnet werden. Voraussetzung hierfür ist eine detaillierte Begründung in der Liquidation.
Die GOÄ 1840 darf gesteigert werden, wenn der Eingriff durch besondere Umstände wie starke Vernarbungen, Voroperationen oder anatomische Anomalien erschwert war. Auch eine laparoskopische oder roboterassistierte Durchführung kann eine Schwellenwertüberschreitung begründen. Die Erschwernisse müssen im OP-Bericht patientenbezogen dokumentiert sein.
Ja, die Einlage einer Harnleiterschiene (z. B. DJ-Katheter) ist in der Regel neben der GOÄ 1840 separat berechenbar, sofern es sich um eine eigenständige Leistung handelt. Hierfür kommen je nach Zugangsweg entsprechende urologische Ziffern in Betracht. Achten Sie darauf, dass die Dokumentation die medizinische Notwendigkeit klar belegt.
Die Abrechnung der GOÄ 1840 erfordert die Diagnose einer behandlungsbedürftigen Veränderung des Nierenbeckens, meist einer subpelvinen Stenose. Auch eine ausgeprägte Hydronephrose oder angeborene Entleerungsstörungen sind anerkannte Indikationen. Die Diagnose muss die Rekonstruktion medizinisch notwendig machen.
Ja, die GOÄ-Ziffer 1840 ist sowohl für offene als auch für laparoskopische und roboterassistierte Nierenbeckenplastiken anwendbar. Da die GOÄ keine eigene Ziffer für die laparoskopische Pyeloplastik bereithält, wird diese über die 1840 abgebildet. Der erhöhte Aufwand der minimal-invasiven Technik kann über den Steigerungsfaktor geltend gemacht werden.
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