Die Abrechnung der Operation bei Pericarditis constrictiva nach GOÄ 3066 wirft oft Fragen auf. Dieser Leitfaden zeigt Fallbeispiele, Steigerungen und Fallstricke.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3066
GOÄ 3066: Operation der Pericarditis constrictiva (3140 Punkte)
Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 3066 umfasst die operative Sanierung einer chronisch-konstriktiven Herzbeutelentzündung, auch bekannt als Panzerherz. Diese anspruchsvolle herzchirurgische Intervention beinhaltet im Wesentlichen die Perikardiolyse und die partielle oder vollständige Perikardektomie im adhäsiven Bereich. Ziel des Eingriffs ist es, die mechanische Einengung des Myokards durch das verdickte, oft kalzifizierte Perikard aufzuheben.
Die Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie), Unterabschnitt XIII (Herzchirurgie) der Gebührenordnung für Ärzte verortet. Aufgrund der Komplexität des Eingriffs sind alle vorbereitenden und unmittelbar dazugehörigen operativen Teilschritte mit der Gebühr abgegolten. Ein Verweis auf die Ziffer 3065 verdeutlicht, dass verwandte Eingriffe am Herzbeutel abzugrenzen sind.
GOÄ 3066 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag
Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3066 setzt eine gesicherte Diagnose der Pericarditis constrictiva voraus. Typische klinische Szenarien umfassen Patienten mit chronischer Rechtsherzinsuffizienz, gestauten Halsvenen und ausgeprägter Belastungsdyspnoe infolge einer perikardialen Einengung. Häufig liegt eine Vorgeschichte mit tuberkulöser, eitriger oder postoperativer Perikarditis vor.
Der operative Zugang erfolgt meist über eine mediane Sternotomie. Die chirurgische Herausforderung besteht darin, das meist stark verdickte und mit dem Myokard verwachsene Perikard vorsichtig abzupräparieren, ohne die Herzkranzgefäße oder das Myokard selbst zu verletzen. Da dieser Eingriff eine hohe Präzision erfordert, ist eine exakte Abgrenzung zu einfacheren Eingriffen wie der bloßen Fensterung des Herzbeutels (GOÄ 3065) essenziell.
Tipp: Sollte sich intraoperativ herausstellen, dass lediglich eine einfache Entlastung oder Fensterung ohne ausgedehnte Dekortikation stattfindet, ist die niedrigere Ziffer GOÄ 3065 heranzuziehen, um Honorarkürzungen zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3066
Fallbeispiel 1: Klassische Perikardektomie bei Panzerherz
Ein 62-jähriger Patient stellt sich mit fortgeschrittener Pericarditis constrictiva und massiven Verkalkungen des Herzbeutels vor. Es erfolgt eine mediane Sternotomie und die vollständige Dekortikation des rechten und linken Ventrikels. Die Präparation gestaltet sich aufgrund der massiven Adhäsionen äußerst zeitaufwendig.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3066. Aufgrund der extremen Verkalkung und des damit verbundenen erhöhten Risikos einer Myokardverletzung wird ein Steigerungsfaktor von 3,5 gewählt und im OP-Bericht ausführlich begründet.
Fallbeispiel 2: Postoperative konstriktive Perikarditis
Zwei Jahre nach einer aortokoronaren Bypass-Operation entwickelt eine Patientin eine konstriktive Perikarditis. Im Rahmen der Re-Thorakotomie wird eine ausgedehnte Perikardiolyse und Perikardektomie durchgeführt.
Neben der GOÄ-Ziffer 3066 kann der Zuschlag für eine Re-Operation oder ein erhöhter Steigerungsfaktor für den erhöhten Präparationsaufwand im Narbengewebe geltend gemacht werden.
Fallbeispiel 3: Perikardektomie bei infektiöser Genese
Bei einem Patienten mit rezidivierender, therapierefraktärer bakterieller Perikarditis wird eine operative Sanierung notwendig. Der Chirurg führt eine subtotale Perikardektomie im adhäsiven Bereich durch.
Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3066 zum Regelhöchstsatz von 2,3. Da keine außergewöhnlichen anatomischen Erschwernisse vorlagen, ist dieser Faktor angemessen und bedarf keiner zusätzlichen schriftlichen Begründung.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3066: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3066 ist die unzulässige Doppelabrechnung von Teilschritten. Die Perikardiolyse (das Lösen von Verwachsungen) ist explizit in der Leistungsbeschreibung der Ziffer 3066 enthalten. Eine zusätzliche Abrechnung von Ziffern für das Lösen von Adhäsionen am Herzen ist daher nicht statthaft und führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Zudem fordern Prüfstellen bei der Anwendung von Steigerungsfaktoren über dem Schwellenwert von 2,3 eine substantiierte medizinische Begründung. Pauschale Formulierungen wie "erhöhter Zeitaufwand" reichen nicht aus. Es müssen konkrete patientenbezogene Besonderheiten wie "massive, zementartige Verkalkungen des Perikards mit engem Bezug zum Ramus interventricularis anterior" dokumentiert werden.
Achtung: Die GOÄ 3066 darf nicht neben der GOÄ 3065 (Fensterung des Herzbeutels) für denselben operativen Zugang abgerechnet werden, da die Fensterung als chirurgisch weniger aufwendige Vorstufe oder Teilmaßnahme der Resektion gilt.
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Dokumentation der GOÄ 3066: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss den pathologischen Zustand des Perikards (z. B. Dicke, Verkalkungsgrad, Adhäsionsmuster) detailliert beschreiben. Auch die Darstellung der Präparationsgrenzen und die Schonung der epikardialen Gefäße sollten explizit erwähnt werden.
Zusätzlich sollten präoperative bildgebende Befunde wie CT- oder MRT-Aufnahmen, die das Ausmaß der Konstriktion belegen, in der Patientenakte hinterlegt sein. Dies stützt die Indikationsstellung bei nachträglichen Prüfungen durch den Medizinischen Dienst oder private Kostenträger.
Dokumentationsbeispiel:
Mediane Re-Sternotomie. Darstellung eines massiv verdickten (bis zu 8 mm), kalzifizierten Perikards, welches zementartig mit dem Epikard des rechten Ventrikels verwachsen ist. Durchführung einer schrittweisen, mühsamen Perikardiolyse unter Schonung der Koronararterien. Subtotale Perikardektomie im adhäsiven Bereich von phrenicus zu phrenicus. Deutliche Entlastung der ventrikulären Füllung intraoperativ sichtbar.
GOÄ 3066: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Aufgrund der anatomischen Variabilität und des unterschiedlichen Ausmaßes von Entzündungsfolgen bietet die GOÄ 3066 häufig Anlass zur Schwellenwertüberschreitung. Ein Steigerungsfaktor bis zum 3,5-fachen Satz kann gerechtfertigt sein, wenn extreme Verwachsungen nach Voroperationen (Re-Eingriff) vorliegen oder eine ausgeprägte Blutungsneigung die Präparation erheblich verzögert. Jede Steigerung muss individuell und nachvollziehbar begründet werden.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ 3066 in Kombination mit anästhesiologischen Leistungen, intensivmedizinischer Überwachung oder speziellen intraoperativen Monitoring-Verfahren abgerechnet. Zulässig ist beispielsweise die Nebeneinanderberechnung von Ziffern für den transösophagealen Ultraschall (TEE) zur intraoperativen Funktionskontrolle. Nicht zulässig ist hingegen die gesonderte Berechnung von Standard-Präparationstechniken, die zum typischen Ablauf einer Thorakotomie gehören.
Ziffer 3066 in der neuen GOÄ
Ziffer 3066 (Operation der Pericarditis constrictiva) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 420,95 €.
- bei partielle Perikardektomie/Perikardiolyse: 9550 „Offen chirurgische oder thorakoskopische partielle Perikardektomie, als selbständige Leistung (z.B. bei Panzerherz)" (740,78 €)
- bei subtotale oder totale Perikardektomie: 9551 „Offen chirurgische oder thorakoskopische Perikardektomie, subtotal oder total, als selbständige Leistung" (864,25 €)
Die Bandbreite reicht von 740,78 € bis 864,25 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3066
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