GOÄ 3065: Operation am Perikard korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3065
Operation am Perikard, als selbstständige Leistung
Punktzahl 2000  
Einfachsatz 116,57 € 1,0x
Regelhöchstsatz 268,11 € 2,3x
Höchstsatz 408,00 € 3,5x
Ausschlüsse

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3065 (Operation am Perikard). Erfahren Sie alles über Indikationen, Fallbeispiele und typische Fallstricke.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3065

Operation am Perikard, als selbstständige Leistung

Die GOÄ-Ziffer 3065 beschreibt operative Eingriffe am Herzbeutel, sofern diese als eigenständige, medizinisch indizierte Maßnahme durchgeführt werden. Sie ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Rubrik XIII (Herzchirurgie) der Gebührenordnung für Ärzte verortet. Die Bewertung mit 2000 Punkten zeigt, dass es sich um einen anspruchsvollen chirurgischen Eingriff handelt.

Die entscheidende Voraussetzung für die Abrechnung dieser Ziffer ist die Definition als selbstständige Leistung. Das bedeutet, dass der Eingriff das primäre therapeutische oder diagnostische Ziel der Operation darstellen muss. Er darf nicht lediglich ein unselbstständiger Teilschritt eines größeren Eingriffs sein.

GOÄ 3065 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation

In der chirurgischen Praxis kommt die GOÄ-Ziffer 3065 bei verschiedenen spezifischen Indikationen zum Einsatz. Ein klassisches Anwendungsgebiet ist die Perikardfensterung, bei der ein dauerhafter Abfluss für Flüssigkeit geschaffen wird. Auch die operative Versorgung von traumatischen Verletzungen des Herzbeutels fällt unter diese Ziffer.

Ein weiteres wichtiges Feld ist die Perikardiolyse, also das Lösen von Verwachsungen des Herzbeutels. Hierbei muss jedoch genau differenziert werden, ob die Verwachsungen das Ausmaß eines eigenständigen Eingriffs erreichen. Dies ist meist nur nach schweren Entzündungen, Voroperationen oder Bestrahlungen der Fall.

Tipp: Dokumentieren Sie bei einer Perikardiolyse stets die genaue Ursache der Verwachsungen (z. B. Zustand nach Radiatio oder Voroperation), um den Charakter als selbstständige Leistung zweifelsfrei zu belegen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3065

Fallbeispiel 1: Entlastung eines Perikardergusses

Ein Patient stellt sich mit einem rezidivierenden, hämodynamisch wirksamen Perikarderguss vor. Zur dauerhaften Entlastung wird eine operative Fensterung des Herzbeutels durchgeführt. Da kein weiterer Eingriff am Herzen stattfindet, ist die Maßnahme vollkommen selbstständig. Die Abrechnung erfolgt korrekt nach GOÄ-Ziffer 3065.

Fallbeispiel 2: Naht einer traumatischen Herzbeutelverletzung

Nach einem stumpfen Thoraxtrauma zeigt sich intraoperativ ein Riss im Perikard, der operativ genäht werden muss. Der Eingriff dient ausschließlich der Versorgung dieser spezifischen Herzbeutelverletzung. Da es sich um eine eigenständige Reparatur handelt, ist die Abrechnung der GOÄ 3065 gerechtfertigt.

Fallbeispiel 3: Perikardiolyse bei Zustand nach Bestrahlung

Bei einem Patienten mit Zustand nach Bestrahlung im Mediastinalbereich liegen massivste Verwachsungen des Herzbeutels vor. Diese müssen in einem zeitaufwendigen Verfahren gelöst werden, um die Herzfunktion zu sichern. Aufgrund der Schwere und der eigenständigen Indikation ist die Ziffer 3065 hier ansetzbar.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3065: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3065 ist die Missachtung des Prinzips Weg zur Leistung. Wenn der Herzbeutel lediglich eröffnet wird, um an den Herzmuskel oder die Herzkranzgefäße zu gelangen, ist dies eine unselbstständige Hilfsleistung. In solchen Fällen ist die Ziffer 3065 nicht berechenbar, da sie mit der Hauptleistung abgegolten ist.

Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen ist das routinemäßige Lösen von leichten Verwachsungen auf dem Zugangsweg. Dies wird von Prüfstellen regelmäßig gestrichen, wenn keine schwerwiegende Vorerkrankung vorliegt. Zudem müssen die strikten Ausschlussziffern beachtet werden.

Achtung: Die Eröffnung des Herzbeutels im Rahmen einer Herz- oder Lungentransplantation oder eines Bypasses darf niemals zusätzlich mit der GOÄ 3065 liquidiert werden.

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Dokumentation der GOÄ 3065: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht muss die medizinische Notwendigkeit des Eingriffs am Perikard detailliert dargelegt werden. Insbesondere bei der Perikardiolyse müssen die Schwere der Verwachsungen und deren Ursache genau beschrieben werden.

Beschreiben Sie die anatomischen Verhältnisse und die konkreten chirurgischen Einzelschritte plastisch. Dies erleichtert es dem medizinischen Dienst der Kassen, die Eigenständigkeit der Leistung nachzuvollziehen.

Dokumentationsbeispiel: "Zustand nach mediastinaler Radiatio. Intraoperativ zeigen sich massivste, derbe Verwachsungen des Perikards mit dem umgebenden Gewebe. Präparation und schrittweise, zeitaufwendige Perikardiolyse zur Entlastung. Keine weiteren intrakardialen Eingriffe."

GOÄ 3065: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen oder stark vernarbtem Gewebe kann der Schwellenwert von 2,3 überschritten werden. Ein erhöhter Zeitaufwand oder ein außergewöhnlicher Schwierigkeitsgrad rechtfertigen eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz. Dies muss in der Rechnung patientenbezogen und nachvollziehbar begründet werden.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 3065 kann mit Anästhesieleistungen oder postoperativen Überwachungsziffern kombiniert werden. Nicht zulässig ist jedoch die Kombination mit den Ziffern 2974 und 3066 am selben Operationstag. Achten Sie darauf, dass alle kombinierten Leistungen die Kriterien der Eigenständigkeit erfüllen.

Ziffer 3065 in der neuen GOÄ

Ziffer 3065 (Operation am Perikard, als selbstständige Leistung) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 268,11 €.

  • bei ausgeprägter Perikarderguss oder Perikardtamponade mit Drainage: 9549 „Offen chirurgische Pericarddrainage, als selbständige Leistung, z.B. bei ausgeprägtem Perikarderguss oder Perikardtamponade" (283,41 €)
  • bei partielle Perikardektomie: 9550 „Offen chirurgische oder thorakoskopische partielle Perikardektomie, als selbständige Leistung (z.B. bei Panzerherz)" (740,78 €)
  • bei subtotale oder totale Perikardektomie: 9551 „Offen chirurgische oder thorakoskopische Perikardektomie, subtotal oder total, als selbständige Leistung" (864,25 €)

Für weitere Konstellationen dieser Leistung ist im Entwurf kein eigenständiger Nachfolger vorgesehen.

Die Bandbreite reicht von 283,41 € bis 864,25 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3065

Die GOÄ-Ziffer 3065 ist für selbstständige chirurgische Eingriffe am Herzbeutel berechenbar. Dazu gehören beispielsweise die Perikardfensterung, die Naht einer Herzbeutelverletzung oder die Entfernung von Tumoren. Wichtig ist, dass der Eingriff nicht als bloßer Zugangsweg für andere Operationen dient.
Nein, die Abrechnung der GOÄ 3065 ist neben einer Bypass-Operation nicht zulässig. In diesem Fall gilt die Eröffnung des Herzbeutels als unselbstständige Hilfsleistung zur Durchführung des Haupteingriffs. Solche vorbereitenden Schritte sind mit der Hauptleistung abgegolten.
Eine Perikardiolyse ist nur dann über die Ziffer 3065 berechenbar, wenn es sich um einen eigenständig indizierten Eingriff handelt. Dies ist der Fall, wenn erhebliche Verwachsungen, beispielsweise nach einer Bestrahlung, einem Trauma oder einer Voroperation, gelöst werden müssen. Das routinemäßige Lösen von Verwachsungen auf dem Zugangsweg reicht dafür nicht aus.
Neben der GOÄ-Ziffer 3065 dürfen die Ziffern 2974 und 3066 nicht abgerechnet werden. Zudem sind alle unselbstständigen operativen Teilschritte am Perikard im Rahmen größerer Thoraxeingriffe ausgeschlossen. Eine sorgfältige Beachtung dieser Ausschlüsse schützt vor Honorarkürzungen.
Eine Steigerung über den 2,3-fachen Satz kann mit einem außergewöhnlich hohen Schwierigkeitsgrad oder erhöhtem Zeitaufwand begründet werden. Typische Gründe sind massive, derbe Verwachsungen nach Voroperationen oder anatomische Besonderheiten, die das Risiko für Komplikationen stark erhöhen. Diese Besonderheiten müssen detailliert im Operationsbericht dokumentiert sein.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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