GOÄ 3060: Intraoperative Funktionsmessungen am Herzen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3060
Intraoperative Funktionsmessungen am und/oder im ­Herzen
Punktzahl 554  
Einfachsatz 32,29 € 1,0x
Regelhöchstsatz 74,27 € 2,3x
Höchstsatz 113,02 € 3,5x
Ausschlüsse

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3060 für intraoperative Funktionsmessungen am Herzen birgt Fallstricke. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen und Fallbeispielen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3060

Intraoperative Funktionsmessungen am und/oder im Herzen

Die Gebührenordnungsziffer 3060 beschreibt intraoperative Funktionsmessungen, die direkt am oder im Herzen durchgeführt werden. Diese Leistung besitzt einen ausgeprägten Zusatzcharakter zu komplexen Herz- und Lungenoperationen. Sie dient dazu, die physiologischen Parameter des Patienten während des Eingriffs lückenlos zu überwachen.

Im Leistungsumfang sind verschiedene diagnostische Einzelmaßnahmen enthalten. Dazu gehören insbesondere Druckmessungen wie die Bestimmung des endodiastolischen Drucks sowie präzise Flow-Messungen. Auch Kontraktilitätsmessungen und die kontinuierliche EKG-Überwachung am Operationstisch fallen unter diese Ziffer. Da es sich um eine Globalabgeltung handelt, sind alle diese Messungen mit der Ziffer 3060 abgegolten.

GOÄ 3060 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation

Die Anwendung der GOÄ 3060 ist streng an die Durchführung von operativen Eingriffen am Herzen gebunden. Typische Indikationen finden sich in der offenen Herzchirurgie, beispielsweise bei Klappenrekonstruktionen oder Bypass-Operationen. Ohne eine solche Hauptoperation darf die Ziffer nicht herangezogen werden.

Während des Eingriffs liefert die Funktionsmessung dem Chirurgen essenzielle Daten über die hämodynamische Stabilität des Patienten. Die Messungen helfen dabei, den Erfolg der chirurgischen Rekonstruktion noch vor dem Verschluss des Brustkorbs zu überprüfen. Eine isolierte Durchführung ohne chirurgischen Kontext ist somit ausgeschlossen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3060

Fallbeispiel 1: Aortokoronarer Bypass (ACB)

Bei einem Patienten wird eine aortokoronare Bypass-Operation durchgeführt. Während des Eingriffs nimmt der Operateur mehrfach intraoperative Flow-Messungen an den angelegten Bypässen vor, um deren Durchgängigkeit zu prüfen. Diese Messungen werden korrekt über die GOÄ-Ziffer 3060 neben der Hauptleistung abgerechnet.

Fallbeispiel 2: Rekonstruktion der Mitralklappe

Im Rahmen einer komplexen Mitralklappenrekonstruktion erfolgt die kontinuierliche Messung des endodiastolischen Drucks zur Überprüfung der Klappenfunktion. Da diese Messungen der Qualitätskontrolle des chirurgischen Eingriffs dienen, ist der Ansatz der Ziffer 3060 vollumfänglich gerechtfertigt.

Fallbeispiel 3: Schrittmacherimplantation (Negativbeispiel)

Bei einer geplanten Schrittmacherimplantation führt der Arzt Messungen der Reizschwelle und der Sondenimpedanz durch. Der Ansatz der GOÄ 3060 ist hier nicht zulässig, da diese Messungen obligatorischer Bestandteil der Schrittmacherziffern sind. Die Abrechnung erfolgt ausschließlich über die Ziffern 3095 bis 3097.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3060: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung mit den Ziffern für die Schrittmacherimplantation (3095–3097). Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen diese Rechnungen regelmäßig unter Verweis auf den Paragrafen 4 Absatz 2a der GOÄ. Die Messungen zur Sondenlage sind dort bereits Leistungsbestandteil.

Ebenso führt die fälschliche Abrechnung der Ziffern 627 oder 628 anstelle der 3060 für rein intraoperative Messungen zu Beanstandungen. Der Zentrale Konsultationsausschuss der Bundesärztekammer hat klargestellt, dass Katheterisierungen während der Operation nicht separat berechnet werden dürfen. Solche Leistungen sind durch die Globalabgeltung der 3060 abgedeckt.

Achtung: Die Ziffern 627 und 628 dürfen niemals für Messungen herangezogen werden, die während des laufenden chirurgischen Eingriffs am offenen Herzen stattfinden. Hier greift ausschließlich die GOÄ 3060.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 3060: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die konkret durchgeführten Messungen, wie etwa die Flussrate in Millilitern pro Minute, explizit aufgeführt werden. Auch die medizinische Notwendigkeit der wiederholten Messungen sollte kurz begründet werden.

Es empfiehlt sich, die gemessenen Werte direkt in das Narkoseprotokoll oder den OP-Bericht zu integrieren. Dies belegt den tatsächlichen Aufwand und die Relevanz für den Operationsverlauf. Eine pauschale Erwähnung ohne konkrete Messwerte reicht bei Prüfungen oft nicht aus.

Dokumentation: Nach Fertigstellung des Bypasses erfolgte die intraoperative Flussmessung mittels Transitzeit-Flussmessung (TTFM). Gemessener Flow: 45 ml/min bei stabilem Mitteldruck. Kontinuierliche EKG-Überwachung ohne Rhythmusstörungen.

GOÄ 3060: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen oder einer instabilen Hämodynamik des Patienten kann der Schwellenwert von 2,3 überschritten werden. Ein erhöhter Zeitaufwand durch wiederholte Messungen bei unklaren Flussverhältnissen rechtfertigt eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz. Dies muss in der Rechnung patientenbezogen und nachvollziehbar begründet werden.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 3060 wird typischerweise mit den großen herzchirurgischen Ziffern kombiniert. Eine wichtige Ausnahme betrifft Messungen beim Abschluss der Operation: Wird ein Linksherzkatheter zur Abschlusskontrolle eingebracht, kann hierfür die Ziffer 627 berechnet werden. In diesem Fall empfiehlt die Ärztekammer jedoch einen geminderten Gebührensatz von 1,8-fach.

Tipp: Achten Sie bei der Kombination mit der Ziffer 627 am Operationsende darauf, den geminderten Aufwand direkt durch einen niedrigeren Steigerungssatz auszuweisen, um Rückfragen der Kassen zu vermeiden.

Ziffer 3060 in der neuen GOÄ

Ziffer 3060 (Intraoperative Funktionsmessungen am und/oder im Herzen) hat im Entwurf der neuen GOÄ keine eigenständige Nachfolgeziffer erhalten. Heute liegt der 2,3-fache Satz bei 74,27 €.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3060

Die GOÄ 3060 darf ausschließlich im Rahmen von operativen Eingriffen am Herzen berechnet werden. Sie deckt alle intraoperativen Druck-, Fluss- und Kontraktilitätsmessungen ab.
Nein, eine Abrechnung neben den Ziffern 3095 bis 3097 ist nicht zulässig. Die Funktionsprüfungen bei einer Schrittmacherimplantation sind bereits in den Hauptleistungen enthalten.
Nein, die Ziffern 627 und 628 dürfen für rein intraoperative Messungen nicht anstelle oder neben der 3060 berechnet werden. Dies ist durch Beschlüsse der Bundesärztekammer explizit ausgeschlossen.
Wird am Ende der Operation ein Linksherzkatheter zur Druckmessung eingebracht, kann hierfür die Ziffer 627 berechnet werden. Wegen des geminderten Aufwands empfiehlt die Ärztekammer hierbei einen reduzierten Satz von 1,8-fach.
Die Ziffer 3060 wirkt als Globalabgeltung für alle intraoperativen Messungen am Operationstisch. Dazu gehören unter anderem Flow-Messungen, die Bestimmung des endodiastolischen Drucks und das laufende EKG.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich