GOÄ 3138: Magenfistel & PEG korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3138
Anlage einer Magenfistel mit oder ohne Schrägkanalbildung
Punktzahl 1600  
Einfachsatz 93,26 € 1,0x
Regelhöchstsatz 214,50 € 2,3x
Höchstsatz 326,41 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3138 für die Anlage einer Magenfistel (PEG) wirft in der Praxis oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Tipps.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3138

Anlage einer Magenfistel mit oder ohne Schrägkanalbildung (z. B. nach Witzel) - 1600 Punkte

Die GOÄ-Ziffer 3138 beschreibt die operative oder interventionelle Anlage einer Magenfistel. Diese dient in der Regel der künstlichen enteralen Ernährung, wenn eine orale Nahrungsaufnahme dauerhaft oder vorübergehend unmöglich ist. Die Leistung umfasst sowohl die chirurgische Eröffnung als auch die Platzierung des Fistelkanals.

In der modernen Medizin wird dieser Eingriff meist minimal-invasiv durchgeführt. Die bekannteste Form ist die perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG). Auch die klassische chirurgische Fistelanlage nach Witzel fällt unter dieses Leistungsspektrum.

GOÄ 3138 in der Praxis: Indikation und klinischer Kontext

Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ 3138 ist meist bei Patienten mit schweren Schluckstörungen (Dysphagie) gegeben. Typische Ursachen sind neurologische Erkrankungen wie ALS, fortgeschrittene Demenz oder Schlaganfälle. Auch onkologische Erkrankungen im HNO-Bereich machen eine permanente Ernährungssonde erforderlich.

Die Ziffer deckt die vollständige operative Leistung ab. Hierzu gehört die Lokalanästhesie, der eigentliche Durchstich bzw. Schnitt sowie die Platzierung und Fixierung der Sonde. Die Abrechnung setzt voraus, dass der Eingriff medizinisch indiziert und vollständig dokumentiert ist.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3138

Fallbeispiel 1: Endoskopische PEG-Anlage bei Schlaganfallpatient

Ein Patient mit persistierender schwerer Dysphagie nach ischämischem Insult benötigt eine langfristige enterale Ernährung. Es erfolgt die endoskopische Anlage einer PEG-Sonde in Lokalanästhesie und Sedierung. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3138 für die Fistelanlage, kombiniert mit den Ziffern für die Endoskopie und die Sedierung.

Fallbeispiel 2: Chirurgische Witzel-Fistel bei Ösophagusstenose

Bei einem Patienten mit einem fortgeschrittenen, nicht passierbaren Ösophaguskarzinom ist eine endoskopische PEG nicht möglich. Der Chirurg legt im Rahmen einer offenen Laparotomie eine Magenfistel nach Witzel an. Neben der Laparotomie und dem Haupteingriff wird die GOÄ 3138 als eigenständige operative Leistung liquidiert.

Fallbeispiel 3: Sondenwechsel mit operativer Revision des Fistelkanals

Bei einer liegenden PEG kommt es zu einer schweren Entzündung und Dislokation, die eine operative Revision des Fistelkanals erfordert. Der Fistelkanal wird chirurgisch revidiert und eine neue Sonde platziert. Diese aufwendige operative Revision rechtfertigt die erneute Abrechnung der GOÄ 3138 unter Angabe der entsprechenden Begründung.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3138: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die fehlerhafte Kombination mit endoskopischen Diagnostikziffern. Die diagnostische Gastroskopie ist oft integraler Bestandteil der PEG-Anlage und darf nicht unbegründet nebeneinander abgerechnet werden. Private Krankenversicherungen kürzen hier regelmäßig, wenn keine eigenständige diagnostische Indikation vorlag.

Achtung: Die reine Kontroll-Endoskopie zur Platzierungskontrolle ist mit der GOÄ 3138 abgegolten. Nur eine separate, medizinisch notwendige diagnostische Ösophago-Gastro-Duodenoskopie rechtfertigt die zusätzliche Abrechnung der entsprechenden Endoskopieziffern.

Zudem ist darauf zu achten, dass Sachkosten für das PEG-Set gesondert nach § 10 GOÄ berechnet werden dürfen. Vergessen Praxen dies, verschenken sie erheblichen Umsatz. Die Materialien müssen präzise auf der Rechnung aufgeführt werden.

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Dokumentation der GOÄ 3138: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im OP-Bericht oder dem endoskopischen Interventionsprotokoll müssen alle Teilschritte detailliert beschrieben werden. Insbesondere die Desinfektion, die Lokalanästhesie, der Fadenzug und die endgültige Fixierung der Halteplatte sind zu dokumentieren.

Dokumentation: Lokalanästhesie mit Xylocain 1%. Diaphanoskopie erfolgreich. Punktion des Magens unter endoskopischer Sicht. Einführen des Haltefadens, Durchzug der PEG-Sonde (Ch. 15). Inneres Rückhalteglied liegt der Magenwand gut an. Äußere Halteplatte spannungsfrei fixiert. Funktionstest mit Kochsalzlösung regelrecht.

Auch eventuelle anatomische Besonderheiten oder Erschwerungsgründe müssen explizit erwähnt werden. Dies liefert die notwendige Argumentationsbasis für eine eventuelle Schwellenwertüberschreitung.

GOÄ 3138: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Bei schwierigen anatomischen Verhältnissen kann der Faktor über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus bis zum 3,5-fachen Höchstsatz gesteigert werden. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar in der Rechnung formuliert sein.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die GOÄ 3138 zusammen mit Anästhesieleistungen abgerechnet. Auch die Ultraschalldiagnostik des Abdomens im Vorfeld ist eine typische Kombinationsleistung. Sachkosten für das Einmalsystem sind gemäß § 10 GOÄ voll erstattungsfähig.

Tipp: Achten Sie bei der Abrechnung von Kombinationsleistungen darauf, dass die Uhrzeiten der erbrachten Leistungen exakt dokumentiert sind, um Überschneidungsvorwürfe der Kostenträger von vornherein zu entkräften.

Ziffer 3138 in der neuen GOÄ

Je nach klinischer Konstellation ordnet die neue GOÄ die alte Ziffer 3138 (Anlage einer Magenfistel mit oder ohne Schrägkanalbildung) verschiedenen Nachfolgepositionen zu (bisher 2,3-facher Satz: 214,50 €):

  • 3208 „Anlage oder Wechsel einer perkutan-endoskopischen Gastrostomie (PEG), ggf. einschließlich …" (220,49 €) — bei perkutan-endoskopische Gastrostomie (PEG)
  • 10660 „Operative Gastrotomie und/oder Anlage einer Magen- und/oder Dünndarmfistel, ggf. …" (945,68 €) — bei offen-chirurgische Gastrotomie oder Witzel-Fistel (nicht endoskopisch)

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3138

Ja, die GOÄ-Ziffer 3138 ist die korrekte Gebührenziffer für die endoskopische Anlage einer PEG-Sonde. Obwohl der Text historisch von einer operativen Magenfistel spricht, wird die minimal-invasive PEG-Anlage standardmäßig hierüber liquidiert.
Die Kosten für das sterile PEG-Sondenset sowie verbrauchtes Naht- und Verbandmaterial können gemäß § 10 GOÄ als Sachkosten gesondert in Rechnung gestellt werden. Diese Auslagen müssen auf der Liquidation einzeln aufgeführt und nachgewiesen werden.
Eine zusätzliche Abrechnung der diagnostischen Gastroskopie ist nur dann zulässig, wenn eine eigenständige medizinische Indikation vorliegt, die über die bloße Platzierungskontrolle der Sonde hinausgeht. Die reine Kontroll-Endoskopie ist mit der Ziffer 3138 abgegolten.
Eine Erhöhung des Steigerungssatzes lässt sich durch erschwerte Bedingungen wie ausgeprägte Adipositas, starke Verwachsungen im Oberbauch nach Voroperationen oder erhebliche Blutungsneigung begründen. Die Begründung muss konkret auf den Einzelfall bezogen sein.
Nein, der einfache, unkomplizierte Wechsel einer PEG-Sonde durch einen bestehenden Fistelkanal wird nicht nach GOÄ 3138 berechnet. Hierfür existieren spezifischere Ziffern wie die GOÄ 2009 oder analoge Bewertungen, es sei denn, es ist eine operative Revision des Kanals notwendig.
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