Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3222 für die Operation einer transsphinkterischen Mastdarmfistel wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Tipps.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3222
Operation einer transsphinkterischen Mastdarmfistel – auch ihres verzweigten Gangsystems –
Die GOÄ-Ziffer 3222 beschreibt eine anspruchsvolle chirurgische Leistung aus dem Bereich der Abdominalchirurgie. Sie umfasst die operative Sanierung einer Fistel, die den Schließmuskelapparat (Sphinkter) des Mastdarms durchquert.
Im Leistungsumfang sind alle operativen Schritte zur vollständigen Darstellung, Spaltung oder Exzision des Fistelgangs enthalten. Dies schließt ausdrücklich auch die Mitbehandlung aller verzweigten Gangsysteme ein, die von dieser Hauptfistel ausgehen.
GOÄ 3222 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation
Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ 3222 ist gegeben, wenn eine transsphinkterische Mastdarmfistel operativ saniert wird. Diese Fisteln verlaufen durch Teile des Musculus sphincter ani externus und erfordern ein präzises chirurgisches Vorgehen, um die Kontinenz des Patienten nicht zu gefährden.
Klinisch zeigt sich dieses Krankheitsbild häufig nach perianalen Abszessen oder im Rahmen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Die Abgrenzung zu oberflächlicheren Fisteln (GOÄ 3220) oder komplexeren extrasphinkterischen Fisteln (GOÄ 3221) ist für die korrekte Honorierung essenziell.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3222
Fallbeispiel 1: Unkomplizierte transsphinkterische Fistel
Ein Patient stellt sich mit einer nachgewiesenen transsphinkterischen Fistel ohne komplexe Verzweigungen vor. Es erfolgt die vollständige Exzision des Fistelschlauchs unter Schonung des Schließmuskels.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3222 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen. Zusätzlich kann der OP-Zuschlag 443 für das ambulante Operieren angesetzt werden.
Fallbeispiel 2: Transsphinkterische Fistel mit verzweigtem Gangsystem
Bei der Operation zeigt sich, dass die Fistel mehrere Seitengänge im Gewebe gebildet hat. Diese müssen mühsam präpariert und ebenfalls exzidiert werden.
Auch hier ist die GOÄ 3222 die zutreffende Ziffer, da sie das verzweigte Gangsystem explizit einschließt. Aufgrund des deutlich erhöhten Zeitaufwands und der anatomischen Schwierigkeit wird ein Steigerungsfaktor von 3,5 gewählt.
Fallbeispiel 3: Rezidivfistel bei Morbus Crohn
Ein Patient mit bekanntem Morbus Crohn leidet unter einer rezidivierenden transsphinkterischen Fistel mit starker Vernarbung des Gewebes. Die Präparation gestaltet sich extrem schwierig.
Abgerechnet wird die GOÄ 3222. Die starke Vernarbung und das erhöhte Risiko einer Kontinenzstörung rechtfertigen eine Faktorsteigerung auf 3,5 mit einer detaillierten Begründung in der Liquidation.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3222: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die separate Abrechnung von Eröffnungen einzelner Fistel-Seitenäste. Private Krankenversicherungen kürzen diese Rechnungen regelmäßig, da alle Verzweigungen einer Fistel mit der GOÄ 3222 abgegolten sind.
Achtung: Die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 3222 und der GOÄ 3220 für dasselbe Fistelsystem ist unzulässig. Nur wenn zwei völlig voneinander unabhängige Fistelsysteme vorliegen, dürfen beide Ziffern nebeneinander liquidiert werden.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig unzureichend begründete Schwellenwertüberschreitungen. Eine bloße Nennung von "erhöhtem Zeitaufwand" ohne Bezug zur anatomischen Besonderheit reicht meist nicht aus.
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Dokumentation der GOÄ 3222: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss den genauen Verlauf der Fistel in Relation zum Schließmuskelapparat präzise beschreiben.
Auch die Darstellung und Sanierung etwaiger Verzweigungen oder Seitengänge muss im Bericht detailliert dokumentiert werden. Dies sichert die Abrechnung der GOÄ 3222 gegenüber einfacheren Fistel-Ziffern ab.
Dokumentation: "...Sondierung des Fistelgangs, dieser verläuft transsphinkterisch durch den M. sphincter ani externus. Präparation des Hauptgangs sowie Darstellung zweier nach lateral abzweigender Gänge. Vollständige Exzision des gesamten Fistelsystems unter Schonung der Sphinkterfunktion..."
GOÄ 3222: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert von 2,3 kann bei der GOÄ 3222 überschritten werden, wenn besondere Erschwernisse vorliegen. Typische Begründungen für einen erhöhten Steigerungsfaktor sind starke Vernarbungen nach Voroperationen, adipöse Körperkonstitution des Patienten oder eine ausgeprägte Entzündungsreaktion im Operationsgebiet.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 3222 können Anästhesieleistungen, postoperative Überwachungen oder Wundversorgungen berechnet werden. Bei ambulanten Eingriffen ist der Zuschlag 443 (OP-Zuschlag) eine wichtige Kombinationsmöglichkeit.
Tipp: Achten Sie darauf, dass bei der Kombination mit anderen chirurgischen Eingriffen im Analbereich das Zielleistungsprinzip beachtet wird, um Überschneidungen zu vermeiden.
Ziffer 3222 in der neuen GOÄ
Operation einer transsphinkterischen Mastdarmfistel – auch ihres verzweigten Gangsystems – (Ziffer 3222) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10941 weitergeführt — „Exzision und/oder thermoablative Verfahren (Laser oder Radiofrequenz) zur Behandlung einer …". Der Festsatz beträgt 311,86 € (bisher 2,3-facher Satz: 93,84 €); abrechenbar je Fistel oder Gangsystem, max 2x je Sitzung.
Die Leistung nach Nummer 10941 ist je Sitzung bis zu zweimal berechnungsfähig.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3222
Was hat nicht gestimmt?