GOÄ 3222: Mastdarmfistel-OP korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3222
Operation einer transsphinkterischen Mastdarmfistel – auch ihres verzweigten Gangsystems –
Punktzahl 700  
Einfachsatz 40,80 € 1,0x
Regelhöchstsatz 93,84 € 2,3x
Höchstsatz 142,80 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3222 für die Operation einer transsphinkterischen Mastdarmfistel wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Tipps.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3222

Operation einer transsphinkterischen Mastdarmfistel – auch ihres verzweigten Gangsystems –

Die GOÄ-Ziffer 3222 beschreibt eine anspruchsvolle chirurgische Leistung aus dem Bereich der Abdominalchirurgie. Sie umfasst die operative Sanierung einer Fistel, die den Schließmuskelapparat (Sphinkter) des Mastdarms durchquert.

Im Leistungsumfang sind alle operativen Schritte zur vollständigen Darstellung, Spaltung oder Exzision des Fistelgangs enthalten. Dies schließt ausdrücklich auch die Mitbehandlung aller verzweigten Gangsysteme ein, die von dieser Hauptfistel ausgehen.

GOÄ 3222 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation

Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ 3222 ist gegeben, wenn eine transsphinkterische Mastdarmfistel operativ saniert wird. Diese Fisteln verlaufen durch Teile des Musculus sphincter ani externus und erfordern ein präzises chirurgisches Vorgehen, um die Kontinenz des Patienten nicht zu gefährden.

Klinisch zeigt sich dieses Krankheitsbild häufig nach perianalen Abszessen oder im Rahmen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Die Abgrenzung zu oberflächlicheren Fisteln (GOÄ 3220) oder komplexeren extrasphinkterischen Fisteln (GOÄ 3221) ist für die korrekte Honorierung essenziell.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3222

Fallbeispiel 1: Unkomplizierte transsphinkterische Fistel

Ein Patient stellt sich mit einer nachgewiesenen transsphinkterischen Fistel ohne komplexe Verzweigungen vor. Es erfolgt die vollständige Exzision des Fistelschlauchs unter Schonung des Schließmuskels.

Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3222 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen. Zusätzlich kann der OP-Zuschlag 443 für das ambulante Operieren angesetzt werden.

Fallbeispiel 2: Transsphinkterische Fistel mit verzweigtem Gangsystem

Bei der Operation zeigt sich, dass die Fistel mehrere Seitengänge im Gewebe gebildet hat. Diese müssen mühsam präpariert und ebenfalls exzidiert werden.

Auch hier ist die GOÄ 3222 die zutreffende Ziffer, da sie das verzweigte Gangsystem explizit einschließt. Aufgrund des deutlich erhöhten Zeitaufwands und der anatomischen Schwierigkeit wird ein Steigerungsfaktor von 3,5 gewählt.

Fallbeispiel 3: Rezidivfistel bei Morbus Crohn

Ein Patient mit bekanntem Morbus Crohn leidet unter einer rezidivierenden transsphinkterischen Fistel mit starker Vernarbung des Gewebes. Die Präparation gestaltet sich extrem schwierig.

Abgerechnet wird die GOÄ 3222. Die starke Vernarbung und das erhöhte Risiko einer Kontinenzstörung rechtfertigen eine Faktorsteigerung auf 3,5 mit einer detaillierten Begründung in der Liquidation.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3222: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die separate Abrechnung von Eröffnungen einzelner Fistel-Seitenäste. Private Krankenversicherungen kürzen diese Rechnungen regelmäßig, da alle Verzweigungen einer Fistel mit der GOÄ 3222 abgegolten sind.

Achtung: Die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 3222 und der GOÄ 3220 für dasselbe Fistelsystem ist unzulässig. Nur wenn zwei völlig voneinander unabhängige Fistelsysteme vorliegen, dürfen beide Ziffern nebeneinander liquidiert werden.

Zudem beanstanden Prüfstellen häufig unzureichend begründete Schwellenwertüberschreitungen. Eine bloße Nennung von "erhöhtem Zeitaufwand" ohne Bezug zur anatomischen Besonderheit reicht meist nicht aus.

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Dokumentation der GOÄ 3222: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss den genauen Verlauf der Fistel in Relation zum Schließmuskelapparat präzise beschreiben.

Auch die Darstellung und Sanierung etwaiger Verzweigungen oder Seitengänge muss im Bericht detailliert dokumentiert werden. Dies sichert die Abrechnung der GOÄ 3222 gegenüber einfacheren Fistel-Ziffern ab.

Dokumentation: "...Sondierung des Fistelgangs, dieser verläuft transsphinkterisch durch den M. sphincter ani externus. Präparation des Hauptgangs sowie Darstellung zweier nach lateral abzweigender Gänge. Vollständige Exzision des gesamten Fistelsystems unter Schonung der Sphinkterfunktion..."

GOÄ 3222: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Schwellenwert von 2,3 kann bei der GOÄ 3222 überschritten werden, wenn besondere Erschwernisse vorliegen. Typische Begründungen für einen erhöhten Steigerungsfaktor sind starke Vernarbungen nach Voroperationen, adipöse Körperkonstitution des Patienten oder eine ausgeprägte Entzündungsreaktion im Operationsgebiet.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 3222 können Anästhesieleistungen, postoperative Überwachungen oder Wundversorgungen berechnet werden. Bei ambulanten Eingriffen ist der Zuschlag 443 (OP-Zuschlag) eine wichtige Kombinationsmöglichkeit.

Tipp: Achten Sie darauf, dass bei der Kombination mit anderen chirurgischen Eingriffen im Analbereich das Zielleistungsprinzip beachtet wird, um Überschneidungen zu vermeiden.

Ziffer 3222 in der neuen GOÄ

Operation einer transsphinkterischen Mastdarmfistel – auch ihres verzweigten Gangsystems – (Ziffer 3222) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10941 weitergeführt — „Exzision und/oder thermoablative Verfahren (Laser oder Radiofrequenz) zur Behandlung einer …". Der Festsatz beträgt 311,86 € (bisher 2,3-facher Satz: 93,84 €); abrechenbar je Fistel oder Gangsystem, max 2x je Sitzung.

Die Leistung nach Nummer 10941 ist je Sitzung bis zu zweimal berechnungsfähig.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3222

Die GOÄ-Ziffer 3222 rechnet die Operation einer transsphinkterischen Mastdarmfistel inklusive ihres verzweigten Gangsystems ab. Im Gegensatz dazu bezieht sich die GOÄ 3220 auf die einfachere Operation einer submukösen oder intersphinkterischen Fistel. Letztere betrifft somit nicht den tieferen Schließmuskelapparat.
Nein, die Eröffnung oder Exzision von verzweigten Gangsystemen ist mit der Gebühr für die GOÄ 3222 bereits abgegolten. Die Ziffer bezieht sich explizit auf eine einzelne Fistel mitsamt all ihren Verzweigungen. Eine separate Abrechnung von Seitenästen wird von Prüfstellen regelmäßig gestrichen.
Für ambulante Operationen nach der GOÄ-Ziffer 3222 kann der Zuschlag nach Ziffer 443 berechnet werden. Dieser Zuschlag beträgt 100 Prozent des Einfachsatzes der operativen Leistung, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Er ist nur am Tag der Operation ansetzbar.
Ein Schwellenwertüberschreitung über den 2,3-fachen Satz ist bei besonders komplexen anatomischen Verhältnissen oder stark vernarbtem Gewebe gerechtfertigt. Auch eine außergewöhnlich lange Operationsdauer kann als Begründung dienen. Die Erschwernisse müssen im Operationsbericht detailliert dokumentiert sein.
In der Regel ist die Fistelspaltung oder -exzision bei einer größeren, denselben Bereich betreffenden Resektion als Zielleistung inkludiert und nicht separat berechenbar. Ausnahmen bedürfen einer präzisen Dokumentation getrennter operativer Zugänge oder Indikationen. Im Zweifel gilt das Zielleistungsprinzip der GOÄ.
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