GOÄ 3220: Operation submuköser Mastdarmfisteln abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3220
Operation submuköser Mastdarmfisteln
Punktzahl 300  
Einfachsatz 17,49 € 1,0x
Regelhöchstsatz 40,23 € 2,3x
Höchstsatz 61,21 € 3,5x
Ausschlüsse

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3220 für die Operation submuköser Mastdarmfisteln erfordert Präzision. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen und Steigerungsfaktoren.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3220

Operation submuköser Mastdarmfisteln (300 Punkte)

Die GOÄ-Ziffer 3220 beschreibt die operative Sanierung von submukösen Mastdarmfisteln. Diese Leistung umfasst den vollständigen operativen Zugang, das Aufsuchen des Fistelganges sowie die anschließende Spaltung oder vollständige Exzision des Fistelkanals. Auch die primäre Wundversorgung und die Stillung kleinerer Blutungen sind mit dieser Gebührenposition abgegolten.

Ein wichtiger Aspekt dieser Ziffer ist die Formulierung im Plural. Da der Leistungstext explizit von "Mastdarmfisteln" spricht, ist die Ziffer auch dann nur einmal berechenbar, wenn im Rahmen einer Sitzung mehrere submuköse Fisteln operiert werden. Dies muss bei der Rechnungsstellung zwingend beachtet werden.

GOÄ 3220 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag

Im klinischen Alltag wird die GOÄ-Ziffer 3220 angewendet, wenn sich Fistelgänge direkt unter der Schleimhaut des Analkanals oder des unteren Rektums befinden. Diese submukösen Fisteln betreffen im Gegensatz zu komplexeren Fistelformen nicht den Schließmuskelapparat. Daher ist der operative Eingriff in der Regel weniger invasiv, erfordert aber dennoch chirurgische Präzision.

Typische Indikationen für diesen Eingriff sind chronisch rezidivierende Entzündungen oder schmerzhafte Sekretionen aus dem Fistelgang. Die chirurgische Intervention zielt darauf ab, den Entzündungsherd dauerhaft zu beseitigen und eine vollständige Ausheilung der Schleimhaut zu ermöglichen. Die Abgrenzung zu tiefer liegenden Fisteln ist für die korrekte Ziffernauswahl essenziell.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3220

Fallbeispiel 1: Einfache submuköse Fistel

Ein Patient stellt sich mit einer schmerzhaften, sezernierenden Schwellung im Analkanal vor. Nach einer proktoskopischen Untersuchung wird eine solitäre, rein submuköse Fistel diagnostiziert. Der Operateur führt in Lokalanästhesie die Spaltung und Kürettage des Fistelgangs durch. Abgerechnet werden die GOÄ 321 für die Proktoskopie, die GOÄ 3220 für die Fistelspaltung sowie der ambulante Zuschlag nach GOÄ 442.

Fallbeispiel 2: Multiple submuköse Fisteln

Bei einer Patientin werden im Rahmen der Untersuchung zwei voneinander unabhängige submuköse Fistelgänge festgestellt. Beide Fisteln werden in einer Sitzung operativ exzidiert. Da der Plural im Leistungstext der GOÄ 3220 eine mehrfache Abrechnung ausschließt, wird die Ziffer 3220 nur einmal angesetzt. Zum Ausgleich des erhöhten Aufwands wird jedoch ein erhöhter Steigerungsfaktor von 3,5 gewählt und entsprechend begründet.

Fallbeispiel 3: Submuköse Fistel mit akutem Abszess

Ein Patient leidet unter einer submukösen Fistel, die zu einer akuten, lokalisierten Abszedierung geführt hat. Der Operateur spaltet den Abszess und saniert gleichzeitig den submukösen Fistelgang. Da die Abszessspaltung integraler Bestandteil der Fistelsanierung in diesem Bereich ist, wird die Leistung über die GOÄ 3220 abgerechnet. Ein erhöhter Schwierigkeitsgrad durch die akute Entzündung rechtfertigt auch hier die Anhebung des Steigerungssatzes.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3220: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3220 ist die unzulässige Doppelabrechnung bei mehreren Fisteln. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen Rechnungen konsequent, wenn die Ziffer 3220 mehrfach in einer Sitzung aufgeführt wird. Der Verweis auf den Pluralcharakter der Leistungsbeschreibung ist hierbei die Standardbegründung der Prüfer.

Ein weiterer Fehler betrifft die fehlerhafte Kombination mit den Ziffern 3221 bis 3223. Diese Ziffern schließen sich gegenseitig aus, da sie unterschiedliche Schweregrade und Lokalisationen von Fisteloperationen beschreiben. Eine zeitgleiche Abrechnung an derselben anatomischen Struktur ist strikt ausgeschlossen.

Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 3220 neben komplexeren Fisteloperationen wie der GOÄ 3221 führt regelmäßig zu Beanstandungen. Prüfen Sie vorab genau, ob es sich um eine rein submuköse oder eine den Schließmuskel einbeziehende Fistel handelt.

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Dokumentation der GOÄ 3220: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht muss die genaue anatomische Lage der Fistel dokumentiert werden. Insbesondere der Nachweis, dass es sich um einen rein submukösen Verlauf ohne Beteiligung des Sphinkterapparates handelt, ist für die Rechtfertigung der GOÄ 3220 entscheidend.

Zudem sollten alle operativen Einzelschritte wie das Sondieren des Ganges, die Art der Exzision oder Spaltung sowie die Blutstillung detailliert festgehalten werden. Bei der operativen Versorgung mehrerer Fisteln muss die Anzahl und Lage jeder einzelnen Fistel im Bericht exakt beschrieben werden, um eine spätere Faktorsteigerung zu begründen.

Dokumentationsbeispiel: Nach proktoskopischer Darstellung zeigt sich eine submuköse Fistel bei 6 Uhr in Steinschnittlage ohne Sphinkterbeteiligung. Sondierung des Fistelkanals, anschließende vollständige Exzision des submukösen Ganges. Sorgfältige Blutstillung mittels Elektrokoagulation, Wundversorgung.

GOÄ 3220: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus ist bei der GOÄ 3220 gut begründbar, wenn besondere klinische Erschwernisse vorliegen. Typische Begründungen für eine Faktorsteigerung bis zum 3,5-fachen Satz sind das Vorliegen multipler Fistelgänge, starke vernarbte Gewebeverhältnisse nach Voroperationen oder eine ausgeprägte akute Entzündung im Operationsgebiet. Auch anatomische Besonderheiten, die den Zugang erschweren, rechtfertigen eine Erhöhung.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die GOÄ 3220 mit diagnostischen Leistungen kombiniert. Die proktoskopische Untersuchung nach GOÄ 321 ist neben der Operation voll berechenbar. Wird der Eingriff ambulant in der Praxis durchgeführt, kann der Zuschlag GOÄ 442 für ambulantes Operieren hinzugerechnet werden. Lokalanästhesien, die nicht im unmittelbaren Operationsgebiet liegen, oder postoperative Wundbehandlungen an Folgetagen runden das Abrechnungsspektrum ab.

Tipp: Nutzen Sie bei der operativen Entfernung von mehr als einer submukösen Fistel konsequent die Faktorsteigerung. Da die Ziffer nicht mehrfach berechnet werden darf, ist die Anhebung des Multiplikators der einzige Weg, den Mehraufwand adäquat abzubilden.

Ziffer 3220 in der neuen GOÄ

Operation submuköser Mastdarmfisteln (Ziffer 3220) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10940 weitergeführt — „Exzision einer subkutanen, submukösen und/oder intersphinktären Analfistel, einschließlich …". Der Festsatz beträgt 163,67 € (bisher 2,3-facher Satz: 40,23 €); abrechenbar je Fistel, max 3x je Sitzung.

Die Leistung nach Nummer 10940 ist je Sitzung bis zu dreimal berechnungsfähig.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3220

Die GOÄ-Ziffer 3220 ist mit 300 Punkten bewertet. Dies entspricht einem Einfachsatz von 17,49 Euro und einem Regelhöchstsatz von 40,23 Euro bei einem Faktor von 2,3.
Nein, eine mehrfache Abrechnung der GOÄ 3220 in derselben Sitzung ist nicht zulässig, da der Leistungstext den Plural 'Mastdarmfisteln' verwendet. Ein erhöhter Aufwand durch multiple Fisteln kann jedoch über einen höheren Steigerungsfaktor geltend gemacht werden.
Die GOÄ-Ziffer 3220 schließt die gleichzeitige Abrechnung der Ziffern 3221, 3222 und 3223 für denselben operativen Eingriff aus. Diese Ziffern beschreiben komplexere Fisteloperationen und sind nicht nebeneinander berechenbar.
Ja, bei einer ambulanten Durchführung der Operation kann der Zuschlag nach der GOÄ-Ziffer 442 hinzugerechnet werden. Dieser Zuschlag beträgt 17,49 Euro beim einfachen Satz und ist nicht steigerbar.
Ja, die proktoskopische Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 321 ist neben der GOÄ 3220 berechenbar. Sie dient der diagnostischen Abklärung und Vorbereitung des operativen Eingriffs.
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