GOÄ 3223: Komplexe Analfisteln richtig abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3223
Operation einer extrasphinkterischen oder Rundbo-genfistel – auch jeweils ihres verzweigten Gangsystems –
Punktzahl 850  
Einfachsatz 49,54 € 1,0x
Regelhöchstsatz 113,94 € 2,3x
Höchstsatz 173,39 € 3,5x

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3223 für die Operation komplexer extrasphinkterischer oder Rundbogenfisteln. Tipps zu Steigerung und Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3223

Operation einer extrasphinkterischen oder Rundbogenfistel – auch jeweils ihres verzweigten Gangsystems –

Die GOÄ-Ziffer 3223 beschreibt eine hochspezialisierte chirurgische Leistung aus dem Bereich der Abdominalchirurgie. Sie umfasst die operative Sanierung von besonders komplexen Analfisteln, die entweder den Schließmuskel komplett umgehen oder sich hufeisenförmig um den Analkanal erstrecken. Die Ziffer ist mit 850 Punkten bewertet, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 49,54 Euro entspricht.

Im Leistungstext ist explizit verankert, dass die operative Versorgung des gesamten verzweigten Gangsystems mit dieser Gebühr abgegolten ist. Dies bedeutet, dass zusätzliche Fistelgänge, die von der Hauptfistel abzweigen, nicht separat berechnet werden dürfen. Die Ziffer stellt somit eine Pauschale für die vollständige Sanierung des komplexen Fistelsystems dar.

GOÄ 3223 in der Praxis: Komplexe Fistelsanierung und Indikationsstellung

In der proktologischen Praxis kommt die GOÄ 3223 bei schweren anatomischen Verläufen von Analfisteln zum Einsatz. Typische Indikationen sind extrasphinkterische Fisteln, die oberhalb des Musculus sphincter ani externus verlaufen, sowie sogenannte Rundbogenfisteln (Hufeisenfisteln). Diese Fistelformen erfordern ein äußerst präzises operatives Vorgehen, um eine postoperative Inkontinenz zu vermeiden.

Häufig treten diese komplexen Fistelsysteme im Rahmen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn auf. Die chirurgische Herausforderung besteht darin, das gesamte Gangsystem darzustellen, sanierend zu exzidieren oder zu spalten und gleichzeitig den Schließmuskelapparat maximal zu schonen. Die Abgrenzung zu einfacheren Fistelspaltungen nach den GOÄ-Ziffern 3220 bis 3222 ist hierbei essenziell.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3223

Fallbeispiel 1: Operative Sanierung einer extrasphinkterischen Analfistel

Ein Patient stellt sich mit einer nachgewiesenen, hoch sitzenden extrasphinkterischen Analfistel vor. Es erfolgt die vollständige Exzision des Fistelgangs unter Schonung des Sphinkterapparates sowie der plastische Verschluss des inneren Fistelostiums. Aufgrund des hohen operativen Aufwands bei der Präparation außerhalb des Schließmuskels ist die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3223 mit dem Regelsatz gerechtfertigt.

Fallbeispiel 2: Sanierung einer verzweigten Rundbogenfistel bei Morbus Crohn

Bei einer Patientin mit bekanntem Morbus Crohn zeigt sich eine komplexe, hufeisenförmige Rundbogenfistel mit mehreren verzweigten Seitengängen. Die operative Sanierung gestaltet sich aufgrund der entzündlichen Gewebeveränderungen und der multiplen Gänge als äußerst schwierig. Die Abrechnung erfolgt nach GOÄ 3223 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor von 3,5, da die anatomische Präparation hochgradig zeitaufwendig war.

Fallbeispiel 3: Ambulante Fisteloperation mit Zuschlag

Ein Patient wird ambulant an einer komplexen suprasphinkterischen Fistel operiert. Neben der operativen Leistung nach GOÄ 3223 wird der ambulante Operationszuschlag nach GOÄ-Ziffer 444 abgerechnet. Dies sichert dem Operateur die zusätzliche Vergütung für die Bereitstellung der ambulanten Infrastruktur.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3223: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Doppelberechnung von einfacheren Fistelziffern wie der GOÄ 3220 oder 3221 neben der GOÄ 3223. Da die Ziffer 3223 das verzweigte Gangsystem explizit einschließt, sind solche Kombinationen für dasselbe Operationsgebiet nicht statthaft. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen diese Rechnungen regelmäßig.

Zudem beanstanden Prüfer häufig eine mangelhafte Differenzierung der Fistelart. Wird eine einfache, oberflächliche Fistel fälschlicherweise als extrasphinkterische Fistel deklariert, liegt ein Verstoß gegen das Gebot der Leistungswahrheit vor. Eine genaue präoperative Diagnostik, beispielsweise mittels MRT oder Endosonographie, sollte daher immer dokumentiert sein.

Achtung: Die gleichzeitige Abrechnung der GOÄ-Ziffern 3220 bis 3222 für dasselbe Fistelsystem ist ausgeschlossen. Achten Sie darauf, dass die Dokumentation die anatomische Komplexität der Fistel zweifelsfrei belegt.

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Dokumentation der GOÄ 3223: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist das wichtigste Werkzeug zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operationsbericht muss die genaue anatomische Lage der Fistel im Verhältnis zum Schließmuskel exakt beschrieben werden. Auch der Nachweis der Verzweigungen und die Darstellung des inneren sowie äußeren Fistelostiums sind unverzichtbar.

Zusätzlich sollten die angewandten chirurgischen Techniken, wie die Verwendung von Sonden, die Exzision des Fistelschlauchs oder plastische Rekonstruktionsmaßnahmen, detailliert aufgeführt werden. Dies liefert die notwendige Begründung für die Wahl der Ziffer 3223 gegenüber einfacheren Gebührennummern.

Dokumentation: Präparation der extrasphinkterischen Fistel ausgehend vom äußeren Ostium bei 6 Uhr in Steinschnittlage. Darstellung des verzweigten Gangsystems mittels Farbstoffinjektion. Vollständige Exzision des Fistelschlauchs unter Schonung des M. sphincter ani externus. Plastische Deckung des inneren Ostiums.

Tipp: Fügen Sie dem OP-Bericht bei komplexen Befunden eine schematische Skizze oder intraoperative Fotodokumentation hinzu. Dies erhöht die Akzeptanz bei medizinischen Gutachtern der Versicherungen erheblich.

GOÄ 3223: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den Regelhöchstsatz von 2,3 hinaus bis zum Höchstsatz von 3,5 ist bei der GOÄ 3223 gut begründbar. Typische Kriterien für eine Steigerung sind ein extrem verzweigtes Gangsystem, starke Vernarbungen durch Voroperationen oder eine ausgeprägte akute Entzündung im Operationsgebiet. Auch eine anatomisch besonders schwierige Zugänglichkeit rechtfertigt eine Faktorsteigerung.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 3223 können weitere proktologische und chirurgische Leistungen anfallen. Häufig wird die Ziffer mit Anästhesieleistungen oder postoperativen Überwachungsziffern kombiniert. Bei ambulanter Durchführung ist der Zuschlag 444 (Zuschlag bei ambulanter Durchführung operativer Leistungen) obligat anzusetzen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Eine Kombination mit histopathologischen Untersuchungen der exzidierten Fistelgänge ist ebenfalls die Regel.

Ziffer 3223 in der neuen GOÄ

Operation einer extrasphinkterischen oder Rundbo-genfistel – auch jeweils ihres verzweigten Gangsystems – (Ziffer 3223) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10942 weitergeführt — „Exzision einer extrasphinkterischen Analfistel, auch ihres verzweigten Gangsystems, einschließlich …". Der Festsatz beträgt 395,98 € (bisher 2,3-facher Satz: 113,94 €); abrechenbar je Fistel oder Gangsystem, max 2x je Sitzung.

Die Leistung nach Nummer 10942 ist je Sitzung bis zu zweimal berechnungsfähig.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3223

Die GOÄ-Ziffer 3223 bewertet die operative Sanierung einer extrasphinkterischen oder Rundbogenfistel inklusive ihres verzweigten Gangsystems. Diese Leistung ist mit 850 Punkten hinterlegt und deckt die gesamte operative Versorgung des komplexen Fistelsystems ab.
Ein erhöhter Steigerungsfaktor bis zum 3,5-fachen Satz ist gerechtfertigt, wenn die Operation durch starke Vernarbungen, extreme Verzweigungen oder schwere Entzündungen erschwert war. Auch ein hohes Risiko für den Schließmuskelapparat kann als Begründung dienen.
Nein, eine Nebeneinanderberechnung mit den GOÄ-Ziffern 3220 bis 3222 für dasselbe Operationsgebiet ist nicht zulässig. Die Ziffer 3223 umfasst bereits das gesamte verzweigte Gangsystem der Fistel.
Bei einer ambulanten Durchführung der Operation kann der Zuschlag nach der GOÄ-Ziffer 444 berechnet werden. Dieser Zuschlag beträgt im einfachen Satz 14,57 Euro und ist nicht steigerbar.
Der OP-Bericht must die genaue anatomische Lage der Fistel im Verhältnis zum Schließmuskel sowie den Verlauf aller Verzweigungen detailliert beschreiben. Auch die angewandten chirurgischen Techniken zur Schonung des Sphinkters müssen lückenlos dokumentiert sein.
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