Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3241 für die hohe intraanale Exzision von Hämorrhoidalknoten wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Tipps.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3241
Hohe intraanale Exzision von Hämorrhoidalknoten (z. B. nach Milligan/Morgan) – auch mit Analplastik –
Die GOÄ-Ziffer 3241 beschreibt die operative Entfernung von Hämorrhoidalknoten, die sich hoch im Analkanal befinden. Diese Leistung umfasst den gesamten operativen Prozess inklusive der Präparation, der Abbindung des Gefäßstiels und der eigentlichen Exzision. Der Zusatz auch mit Analplastik stellt klar, dass plastische Rekonstruktionen des Anoderms bereits mit dieser Gebühr abgegolten sind.
Diese Ziffer kommt primär bei fortgeschrittenen Befunden zum Einsatz, bei denen eine einfache, flache Exzision nicht mehr ausreicht. Die anatomische Lage und die Tiefe des Eingriffs erfordern eine präzise chirurgische Technik, um den Schließmuskel zu schonen. Die Vorbemerkungen zum Abschnitt L der GOÄ sind hierbei stets zu beachten.
GOÄ 3241 in der Praxis: Indikationen und operative Verfahren
Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3241 setzt eine entsprechende medizinische Indikation voraus. Typischerweise liegt diese bei Hämorrhoiden dritten und vierten Grades vor, die konservativ oder durch minimalinvasive Verfahren wie die Gummibandligatur nicht mehr erfolgreich therapiert werden können. Auch rezidivierende Blutungen oder starke Schmerzen rechtfertigen den chirurgischen Eingriff.
In der chirurgischen Praxis kommen etablierte Verfahren wie die Methode nach Milligan-Morgan oder die submuköse Hämorrhoidurektomie nach Parks zur Anwendung. Während das Verfahren nach Milligan-Morgan als offene Methode durchgeführt wird, erfordert die Parks-Methode eine plastische Rekonstruktion des Anoderms. Beide Operationsformen fallen unter das Leistungsspektrum der Ziffer 3241.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3241
Fallbeispiel 1: Klassische Hämorrhoidurektomie nach Milligan-Morgan
Ein Patient stellt sich mit segmentalen, prolabierten Hämorrhoiden des Grades III vor. Es erfolgt die operative Sanierung in Steinschnittlage mittels offener Hämorrhoidurektomie nach Milligan-Morgan. Drei Knoten werden isoliert, ligiert und exzidiert. Die Wundränder verbleiben zur sekundären Wundheilung offen. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3241 zum Regelsatz von 2,3.
Fallbeispiel 2: Submuköse Hämorrhoidurektomie nach Parks mit erhöhtem Aufwand
Bei einem Patienten mit zirkulärem Hämorrhoidalprolaps wird eine submuköse Exzision nach Parks durchgeführt. Die Präparation gestaltet sich aufgrund von ausgeprägten Vernarbungen nach vorausgegangenen Verödungen als äußerst schwierig und zeitaufwendig. Das Anoderm wird anschließend rekonstruiert. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 3241, wobei aufgrund der schwierigen Präparation ein erhöhter Steigerungsfaktor von 3,5 gewählt wird.
Fallbeispiel 3: Zweizeitiges Vorgehen bei ausgeprägtem Befund
Aufgrund eines extrem ausgeprägten, entzündlich veränderten Befundes muss die operative Sanierung in zwei getrennte Sitzungen aufgeteilt werden. In der ersten Sitzung erfolgt die Exzision der am stärksten betroffenen Knoten. Nach Abklingen der Entzündung wird vier Wochen später der verbleibende Befund saniert. In beiden Sitzungen ist die GOÄ-Ziffer 3241 jeweils als selbstständige Leistung voll berechnungsfähig.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3241: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3241 ist die zusätzliche Liquidation von plastischen Rekonstruktionen des Anoderms. Da der Leistungstext den Zusatz "auch mit Analplastik" enthält, sind Verfahren wie die Bildung von Anodermläppchen oder U-Lappen-Plastiken bereits abgegolten. Eine separate Abrechnung dieser plastischen Maßnahmen führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Zudem ist der Ausschluss der Ziffer 3240 (Flache Exzision) zwingend zu beachten. Beide Ziffern dürfen für dieselbe Sitzung nicht nebeneinander abgerechnet werden. Bei ambulanten Operationen wird hingegen häufig vergessen, den berechtigten Zuschlag 444 für ambulantes Operieren anzusetzen, was zu Honorarverlusten führt.
Achtung: Die zusätzliche Berechnung von plastischen Rekonstruktionen des Anoderms neben der Ziffer 3241 ist unzulässig, da diese bereits durch den Leistungstext abgegolten sind.
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Dokumentation der GOÄ 3241: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die genaue Lokalisation der exzidierten Knoten, die angewandte Operationsmethode sowie die Durchführung der Ligatur des Gefäßstiels präzise beschreiben. Auch die Rekonstruktion des Anoderms sollte dokumentiert werden, um den Gesamtaufwand darzustellen.
Besonders bei der Verwendung eines erhöhten Steigerungsfaktors muss die Begründung direkt aus dem Operationsbericht hervorgehen. Angaben zu anatomischen Besonderheiten, starken Blutungen oder ausgeprägten Vernarbungen sichern den Anspruch auf ein höheres Honorar. Ein standardisierter Dokumentationsbaustein erleichtert diesen Prozess im Praxisalltag.
Dokumentation: Hohe intraanale Exzision von drei Hämorrhoidalknoten in Steinschnittlage nach Milligan-Morgan. Präparation des Gefäßstiels, Ligatur und Exzision. Versorgung der Wundränder, Blutstillung. Keine Komplikationen.
GOÄ 3241: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 3241 kann bei überdurchschnittlichem operativem Aufwand über den Regelsatz von 2,3 hinaus gesteigert werden. Typische Begründungen für einen Steigerungsfaktor bis 3,5 sind eine stark erhöhte Blutungsneigung, ausgeprägte Verwachsungen oder die Anwendung der zeitaufwendigeren Parks-Methode. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar in der Rechnung formuliert sein.
Tipp: Nutzen Sie bei der Parks-Methode konsequent einen erhöhten Steigerungsfaktor (z. B. 2,8-fach bis 3,5-fach), um den im Vergleich zu Milligan-Morgan deutlich herrschenden Zeitaufwand adäquat abzubilden.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Leistung nach Ziffer 3241 können begleitende Maßnahmen abgerechnet werden. Hierzu gehören die Anästhesie (z. B. nach den Ziffern 451 oder 452) sowie postoperative Überwachungsleistungen. Bei ambulanter Durchführung ist der Zuschlag 444 obligat. Nicht kombiniert werden darf die Ziffer 3241 mit der Ziffer 3240 in derselben Sitzung.
Ziffer 3241 in der neuen GOÄ
Die neue GOÄ löst die bisherige Sammelziffer 3241 (Hohe intraanale Exzision von Hämorrhoidalknoten (z. B. nach Milligan/Morgan) – auch mit Analplastik –) in 2 eigenständige Leistungen auf. Die Dokumentation entscheidet, welche Ziffer ansetzbar ist (bisher 2,3-facher Satz: 123,88 €):
- 10944 „Plastische Rekonstruktion des Analkanals mittels Verschiebelappenplastiken, z.B. Mucosa …" (336,10 €) — bei plastische Rekonstruktion des Analkanals mittels Verschiebelappenplastik
- 10913 „Hohe intraanale Exzision(en) und/oder thermoablative Verfahren (Laser oder Radiofrequenz) …" (211,87 €) — sonst / als Auffangziffer
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3241
Was hat nicht gestimmt?