Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3280 für die Operation einer Diaphragmahernie birgt Fallstricke. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Honorarverluste vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3280
Operation einer Diaphragmahernie - Punktzahl: 2770 - Einfachsatz: 161,46 € - Regelhöchstsatz (2,3-fach): 371,36 € - Höchstsatz (3,5-fach): 565,11 €
Die GOÄ-Ziffer 3280 beschreibt die operative Sanierung einer Zwerchfellhernie. Diese Leistung umfasst sämtliche chirurgischen Schritte, die zur Reposition der verlagerten Organe und zur Rekonstruktion des Zwerchfells notwendig sind. Unabhängig von der anatomischen Variante der Hernie ist diese Ziffer der zentrale Abrechnungsbaustein für diesen Eingriff.
In der medizinischen Praxis fallen unter diese Ziffer sowohl die Versorgung von Hiatusgleithernien als auch von paraösophagealen Hernien. Die Ziffer deckt den typischen intraabdominalen Zugangsweg ab, der heutzutage standardmäßig laparoskopisch durchgeführt wird. Die operative Rekonstruktion erfolgt meist mittels Fundoplicatio nach Nissen oder einer Hemifundoplikatio nach Toupet.
GOÄ 3280 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation
Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ 3280 ist gegeben, wenn eine symptomatische Diaphragmahernie operativ versorgt wird. Dies betrifft Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD), bei denen eine konservative Therapie versagt hat. Auch volumina-bedingte Beschwerden bei großen paraösophagealen Hernien rechtfertigen den Eingriff.
Der chirurgische Standard umfasst die Mobilisation des distalen Ösophagus, die Hiatoplastik (Einengung der Zwerchfellschenkel) und die Manschettenbildung. Da diese Schritte integraler Bestandteil der Antirefluxoperation sind, dürfen sie nicht als selbstständige Leistungen neben der Ziffer 3280 berechnet werden. Die Ziffer bildet die gesamte operative Einheit des intraabdominalen Vorgehens ab.
Tipp: Bei der Verwendung von Netzen zur Hiatoplastik (Mesh-Graft) kann der zusätzliche Sachkostenaufwand gesondert in Rechnung gestellt werden. Achten Sie darauf, die Materialkosten transparent auf der Liquidation auszuweisen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3280
Fallbeispiel 1: Laparoskopische Fundoplicatio bei Hiatushernie
Eine Patientin stellt sich mit therapierefraktärem Sodbrennen und einer nachgewiesenen axialen Hiatusgleithernie vor. Es erfolgt eine laparoskopische Fundoplicatio nach Nissen mit hinterer Hiatoplastik. Der Eingriff verläuft ohne Komplikationen.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3280 zum Regelsatz (2,3-fach). Da der Eingriff laparoskopisch durchgeführt wurde, wird zusätzlich der entsprechende Zuschlag für minimal-invasive Chirurgie angesetzt. Die Hiatoplastik ist mit der Ziffer 3280 abgegolten.
Fallbeispiel 2: Komplexe paraösophageale Hernie (Upside-Down-Stomach)
Ein älterer Patient leidet unter Dysphagie und rezidivierenden Mikroaspirationen bei einem fast vollständig in den Thorax verlagerten Magen. Es erfolgt die laparoskopische Reposition, die Exzision des Bruchsacks sowie eine Toupet-Hemifundoplikatio unter erschwerten Bedingungen durch Verwachsungen.
Aufgrund des erheblichen Mehraufwands durch die Adhäsiolyse und die Größe des Bruchsacks wird die Ziffer 3280 mit dem Faktor 3,5 abgerechnet. Die Begründung in der Rechnung verweist explizit auf die zeitaufwendige Präparation des Bruchsacks und die ausgeprägten Verwachsungen.
Fallbeispiel 3: Rezidiv-Eingriff nach vorangegangener Hiatoplastik
Bei einem Patienten kommt es zu einem Rezidiv der Zwerchfellhernie mit Verlagerung der Fundoplicatio-Manschette in das Mediastinum. Es erfolgt die laparoskopische Revision, die Auflösung der alten Manschette und eine erneute Hiatoplastik mit Netzverstärkung.
Auch hier ist die GOÄ 3280 die führende Ziffer. Der extreme Mehraufwand durch die Narbenverhältnisse und die Rekonstruktion rechtfertigt eine Schwellenwertüberschreitung bis zum Höchstsatz (3,5-fach) unter detaillierter Angabe der anatomischen Schwierigkeiten.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3280: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der unzulässigen Nebeneinanderberechnung von Teilschritten. Die Mobilisation des Magens oder des Ösophagus sowie die Einengung der Zwerchfellpforte (Hiatoplastik) sind Zielleistungen der Ziffer 3280. Private Krankenversicherungen kürzen Rechnungen konsequent, wenn diese Schritte als separate Ziffern (z. B. Adhäsiolyse) deklariert werden.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Abgrenzung zum thorakalen Zugang. Wird der Eingriff transthorakal durchgeführt, beispielsweise bei einer fixierten Ösophagusschrumpfung, ist die Ziffer 3280 nicht korrekt. In diesem Fall muss die GOÄ-Ziffer 3126 (Transthorakale Fundoplicatio) herangezogen werden, welche eine andere Bewertung aufweist.
Achtung: Die bloße laparoskopische Durchführung rechtfertigt keine eigenständige Ziffer für eine diagnostische Laparoskopie. Nutzen Sie stattdessen die vorgesehenen Zuschläge oder begründen Sie eine Erhöhung des Steigerungsfaktors der Ziffer 3280.
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Dokumentation der GOÄ 3280: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Operationsdokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die genaue anatomische Situation, die Größe der Hernienpforte und die Beschaffenheit des Bruchsacks detailliert beschreiben. Auch die Darstellung des Nervus vagus sollte dokumentiert werden.
Besonders bei der Anwendung von erhöhten Steigerungsfaktoren müssen die erschwerenden Faktoren im Bericht plastisch dargestellt werden. Allgemeine Floskeln wie "erhöhter Zeitaufwand" reichen nicht aus. Es müssen konkrete anatomische oder operationstechnische Hindernisse benannt werden.
Dokumentation: "...Nach Darstellung des Hiatus zeigt sich eine ausgeprägte paraösophageale Hernie mit Verlagerung von ca. 50% des Magens. Mühsame, scharfe Präparation des Bruchsacks unter Schonung der vagalen Strukturen. Deutliche Verwachsungen im hinteren Mediastinum erforderten eine zeitintensive Adhäsiolyse von insgesamt 45 Minuten. Anschließend spannungsfreie Hiatoplastik und Fundoplicatio nach Nissen..."
GOÄ 3280: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungssatzes über den Schwellenwert von 2,3 hinaus ist bei der Ziffer 3280 häufig medizinisch begründbar. Typische Erhöhungsgründe sind extreme Adipositas des Patienten, ausgeprägte Verwachsungen nach Voroperationen im Oberbauch oder eine chronische Entzündung im Bereich des Hiatus. Auch eine atypische Anatomie oder ein extrem großer Bruchsack (Upside-Down-Stomach) rechtfertigen Faktoren bis zum 3,5-fachen Satz.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 3280 können Anästhesieleistungen, postoperative Überwachungen und gegebenenfalls Zuschläge für das ambulante Operieren abgerechnet werden. Wird der Eingriff mit einer Vagotomie und Drainageoperation (z. B. Pyloroplastik) kombiniert, greift eine Sonderregelung. Hierbei werden die Ziffern 3130 und 3155 kombiniert, wobei die Ziffer 3135 in Abzug zu bringen ist. Diese Kombination ersetzt dann die alleinige Abrechnung der Ziffer 3280.
Ziffer 3280 in der neuen GOÄ
Je nach klinischer Konstellation ordnet die neue GOÄ die alte Ziffer 3280 (Operation einer Diaphragmahernie) verschiedenen Nachfolgepositionen zu (bisher 2,3-facher Satz: 371,36 €):
- 10526 „Operation einer Zwerchfellhernie, offen chirurgisch, ohne antirefluxive Maßnahme an der …" (799,52 €) — bei offen-chirurgisch
- 10527 „Operation einer Zwerchfellhernie, laparoskopisch, ohne antirefluxive Maßnahme an der …" (854,79 €) — bei laparoskopisch
- 10635 „Antirefluxive Plastik bei gastroösophagealer Refluxkrankheit, ggf. einschließlich …" (986,74 €) — bei antirefluxive Maßnahme an der Speiseröhre
Die Spanne reicht von 799,52 € bis 986,74 € — der genaue Ansatz ergibt sich aus dem Operationsbericht.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3280
Was hat nicht gestimmt?