Leitfaden zur korrekten Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3287 bei Omphalozele und Gastroschisis: Indikationen, Steigerungsfaktoren und rechtssichere Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3287
Operation der Omphalozele (Nabelschnurhernie) oder der Gastroschisis beim Neugeborenen oder Kleinkind
Die GOÄ-Ziffer 3287 beschreibt eine hochkomplexe, neonatologische beziehungsweise kinderchirurgische Rekonstruktion der Bauchwand. Diese Leistung umfasst die operative Rückverlagerung der prolabierten Eingeweide und den anschließenden Verschluss des Bauchwanddefekts. Aufgrund der anatomischen Besonderheiten bei Neugeborenen erfordert dieser Eingriff höchste Präzision und Erfahrung.
GOÄ 3287 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Die Abrechnung dieser Ziffer ist primär in der Kinderchirurgie und der pädiatrischen Intensivmedizin angesiedelt. Typische Indikationen sind die angeborene Omphalozele sowie die Gastroschisis, bei der sich Bauchorgane außerhalb der Bauchhöhle entwickeln. Die Versorgung erfolgt meist unmittelbar postpartal als Notfall oder dringliche Operation.
Abzugrenzen ist diese Ziffer von einfachen Nabelhernienoperationen bei Säuglingen, die nach anderen Ziffern des Abschnitts XV bewertet werden. Die Ziffer 3287 darf nur bei den spezifischen, schweren Fehlbildungen der Bauchwand angewendet werden. Eine Verwechslung mit Standard-Herniotomien führt regelmäßig zu Abrechnungskonflikten mit den Kostenträgern.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3287
Fallbeispiel 1: Primärer Verschluss einer Gastroschisis
Ein Neugeborenes mit pränatal bekannter Gastroschisis wird unmittelbar nach der Geburt operiert. Die prolabierten Darmschlingen werden erfolgreich in die Bauchhöhle zurückverlagert und die Bauchwand primär verschlossen. Es handelt sich um die klassische Indikation der Ziffer 3287 bei einem Neugeborenen.
Fallbeispiel 2: Mehrzeitiger Verschluss einer großen Omphalozele
Ein Kleinkind mit einer riesigen Omphalozele benötigt zunächst die Anlage eines temporären Silosacks. Der schrittweise Verschluss erfolgt über mehrere Tage, wobei der finale Verschluss der Bauchdecke abgerechnet wird. Auch der mehrzeitige Verschluss fällt unter die Definition der operativen Versorgung dieser Fehlbildungen.
Fallbeispiel 3: Komplizierter Eingriff bei Frühgeborenen
Ein extrem unreifes Frühgeborenes wird wegen einer rupturierten Omphalozele notoperiert. Aufgrund der respiratorischen Instabilität und der extremen Gewebekonstitution gestaltet sich der Eingriff hochgradig schwierig. Die anatomischen Verhältnisse und die physiologische Instabilität rechtfertigen den Ansatz der Ziffer 3287 mit erhöhtem Steigerungsfaktor.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3287: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von einfachen Hernienziffern. Die Ziffer 3287 schließt die Abrechnung von Ziffern wie der 3280 oder 3282 am selben Operationsgebiet aus. Private Krankenversicherungen prüfen hier sehr genau, ob eine unzulässige Doppelabrechnung vorliegt.
Achtung: Die Ziffer 3287 darf nicht neben anderen Bauchwandrekonstruktionen am selben Defekt abgerechnet werden. Der Verschluss ist integraler Bestandteil der Hauptleistung.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig das Fehlen einer detaillierten Begründung, wenn der Schwellenwert von 2,3 überschritten wird. Da es sich um eine hochkomplexe Fehlbildung handelt, müssen die individuellen Erschwernisgründe des Neugeborenen exakt dokumentiert sein.
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Dokumentation der GOÄ 3287: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die genaue Größe des Defekts, den Zustand der prolabierten Organe und die Art der Rekonstruktion detailliert beschreiben. Auch die Angabe des Alters und des Gewichts des Neugeborenen ist für die Rechtssicherheit essenziell.
Dokumentationsbeispiel: Operative Versorgung einer Omphalozele bei Neugeborenem (3. Lebenstag, 2.800g). Defektgröße 6 cm. Vorsichtige Reposition von Leber- und Darmschlingen unter kontinuierlichem Monitoring. Primärer, schichtweiser Verschluss der Bauchdecke mittels resorbierbarem Nahtmaterial. Keine Komplikationen während der Reposition.
Tipp: Dokumentieren Sie jede intraoperative Besonderheit wie Verwachsungen oder Durchblutungsstörungen der Organe sofort im OP-Bericht, um spätere Steigerungen rechtssicher zu begründen.
GOÄ 3287: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Steigerung über den Regelhöchstsatz von 2,3 bis zum Höchstsatz von 3,5 ist bei der Ziffer 3287 aufgrund der Komplexität der Fälle häufig medizinisch begründbar. Typische Begründungen sind extreme Frühgeburtlichkeit, ausgeprägte Adhäsionen der prolabierten Organe oder ein instabiler kardiopulmonaler Zustand des Kindes während der Reposition.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Ziffer 3287 können Anästhesieleistungen sowie intensivmedizinische Überwachungsleistungen gesondert berechnet werden. Auch postoperative Überwachungen oder spezielle Verbände sind unter Beachtung der Kombinationsregeln ansetzbar. Eine gleichzeitige Abrechnung von Ziffer 3287 und allgemeinen Wundverschlüssen im selben Operationsgebiet ist jedoch ausgeschlossen.
Ziffer 3287 in der neuen GOÄ
Die Operation der Omphalozele oder Gastroschisis (bisher Ziffer 3287, 2,3-facher Satz: 335,16 €) findet sich in der neuen GOÄ unter Nummer 10521 „Operation einer Omphalozele oder einer Gastroschisis, einschließlich Rückverlagerung von Darm in die Bauchhöhle und schichtweisem Bauchdeckenverschluss" zum festen Satz von 389,49 €. Ein ausdrücklicher Altersbezug auf Neugeborene oder Kleinkinder entfällt im neuen Leistungstext — die Ziffer gilt allgemein. Der Kinderzuschlag (neue Ziffer 5504) kann für Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr zusätzlich anfallen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3287
Was hat nicht gestimmt?