Leitfaden zur Abrechnung der Glutamatdehydrogenase (GLDH) nach GOÄ-Ziffer 3593.H1: Indikationen, Höchstwerte und Tipps zur fehlerfreien Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3593.H1
3593.H1: Glutamatdehydrogenase (GLDH) - Punktzahl: 50
Die GOÄ-Ziffer 3593.H1 beschreibt die quantitative Bestimmung der Glutamatdehydrogenase (GLDH) im Labor. Dieses Enzym ist ein wichtiger Marker in der Leberdiagnostik. Die Analyse erfolgt in der Regel aus Serum oder Plasma.
Die Bestimmung wird mittels photometrischer Verfahren durchgeführt. Dabei wird die Abnahme von NADH gemessen, was Rückschlüsse auf die Enzymaktivität zulässt. Diese Leistung ist dem Abschnitt M II. 5. (Substrate, Metabolite, Enzyme) zugeordnet.
GOÄ 3593.H1 in der Praxis: Indikation und Stellenwert in der Leberdiagnostik
Die Bestimmung der GLDH dient primär dem Nachweis von schweren Leberzellnekrosen. Da GLDH ein rein mitochondriales Enzym ist, wird es erst bei tiefgreifender Schädigung der Hepatozyten freigesetzt. Dies unterscheidet sie von rein zytosolischen Enzymen.
Im klinischen Alltag spielt die Ziffer eine spezialisierte Rolle. Statistisch gesehen kommen auf eine GLDH-Bestimmung rund 140 Bestimmungen der Gamma-GT. Dennoch ist sie bei Verdacht auf toxische Leberschäden oder akuten Verschlussikterus unverzichtbar.
Achtung: Die Probe muss nach der Entnahme extrem rasch aufbereitet werden. Bei Raumtemperatur nimmt die Aktivität der GLDH bereits innerhalb von 24 Stunden um etwa 10 % ab, was das Testergebnis verfälschen kann.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3593.H1
Fallbeispiel 1: V.a. Paracetamol-Intoxikation
Ein Patient stellt sich mit dem Verdacht auf eine Überdosierung von Paracetamol vor. Zur Beurteilung einer schweren Mitochondrienschädigung wird die GLDH bestimmt. Neben den Transaminasen liefert die Ziffer 3593.H1 hier den entscheidenden Hinweis auf das Ausmaß der Leberzellnekrose.
Fallbeispiel 2: Akuter Verschlussikterus
Bei einer Patientin mit kolikartigen Oberbauchschmerzen und Gelbsucht besteht der Verdacht auf einen Gallengangsverschluss. Die Bestimmung der GLDH hilft, eine begleitende Leberzellschädigung abzugrenzen. Die Abrechnung erfolgt neben den cholestatischen Parametern über die Ziffer 3593.H1.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei hypoxischer Hepatitis
Nach einer erfolgreichen Reanimation zeigt ein Patient stark erhöhte Leberwerte. Zur Verlaufskontrolle der hypoxischen Hepatitis wird täglich die GLDH bestimmt. Die kontinuierliche Abnahme des Wertes dokumentiert die Erholung des Leberparenchyms.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3593.H1: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der Missachtung der H1-Höchstwertregelung. Die Ziffer 3593.H1 gehört zu den 23 Leistungen, die dieser strengen Begrenzung unterliegen. Überschreitungen des Höchstwerts werden von den privaten Krankenversicherungen konsequent gestrichen.
Zudem beanstanden Prüfer oft die fehlende medizinische Begründung bei wiederholter Durchführung am selben Tag. Auch die mangelnde Dokumentation der Probenstabilität kann bei Plausibilitätsprüfungen zum Problem werden. Eine zeitnahe Zentrifugation muss im Zweifel nachweisbar sein.
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Dokumentation der GOÄ 3593.H1: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist für die rechtssichere Abrechnung essenziell. Es sollte stets die spezifische Indikation für die GLDH-Bestimmung in der Akte vermerkt sein. Dies gilt besonders bei der Abgrenzung zu leichteren Leberschäden.
Dokumentation: Blutentnahme um 08:30 Uhr bei V.a. toxische Leberschädigung. Sofortige Zentrifugation und Serumtrennung zur Sicherung der Probenstabilität für GLDH-Bestimmung.
Zusätzlich empfiehlt es sich, die Uhrzeit der Probenaufbereitung im Laborbuch oder der Praxissoftware zu erfassen. Dies schützt vor Regressforderungen bezüglich der Präanalytik.
GOÄ 3593.H1: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Im Laborbereich ist die Steigerung über den Regelhöchstsatz von 1,15 hinaus streng reglementiert. Ein Schwellenwert von 1,3 darf nur bei außergewöhnlich hohem Aufwand überschritten werden. Dies muss auf der Rechnung mit einer patientenbezogenen Begründung versehen werden.
Typische Ziffernkombinationen
Die Ziffer 3593.H1 wird selten isoliert angefordert. Sinnvoll ist die Kombination mit den Basislaborwerten für Transaminasen (GOT nach 3581, GPT nach 3582) und Cholestaseparametern. Auch die Bestimmung der Gamma-GT (3583) gehört zum typischen Leberprofil.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination mehrerer Speziallaborwerte darauf, dass die Summe der Einzelgebühren den H1-Höchstwert nicht unzulässig überschreitet, um automatische Kürzungen zu vermeiden.
Ziffer 3593.H1 in der neuen GOÄ
Die bisherige Ziffer 3593.H1 ("Glutamatdehydrogenase (GLDH)") führt die neue GOÄ unter Nummer 12930 weiter — zum festen Satz von 2,08 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 3,35 €).
Der neue Leistungstext lautet: „Glutamatdehydrogenase (GLDH) Serum oder Plasma; Photometrie (Reaktionsprodukt); Auswertung: apparativ-quantitativ.". Abgerechnet wird 1x je Untersuchung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3593.H1
Was hat nicht gestimmt?