Die Bestimmung von Kryoglobulinen nach GOÄ 3751 erfordert präzise Laborarbeit über sieben Tage. Erfahren Sie, wie Sie die Ziffer rechtssicher abrechnen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3751
Kryoglobuline, qualitativ, visuell - Punktzahl: 40
Die Leistung nach GOÄ-Ziffer 3751 beschreibt den qualitativen, visuellen Nachweis von Kryoglobulinen im Serum. Kryoglobuline sind spezielle Immunglobuline, die bei niedrigen Temperaturen präzipitieren und sich bei Erwärmung wieder auflösen. Diese physikalische Eigenschaft erfordert ein hochpräzises laborpraktisches Vorgehen.
Der gesamte Prozess von der Blutentnahme bis zur finalen Beurteilung erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Tagen. Alle Teilschritte inklusive der täglichen visuellen Kontrolle sind mit der Gebühr abgegolten. Eine separate Berechnung einzelner Arbeitsschritte ist nicht zulässig.
GOÄ 3751 in der Praxis: Indikationen und klinischer Ablauf
Die Bestimmung von Kryoglobulinen ist bei einer Vielzahl von klinischen Symptomen indiziert, die durch Kälteexposition getriggert werden. Typische Anzeichen sind kleinfleckige Kapillarblutungen, auch bekannt als Purpura, die häufig in Kombination mit Gelenkschmerzen auftreten. Auch unklare neurologische Beschwerden oder ein ausgeprägtes Raynaud-Phänomen rechtfertigen die Untersuchung.
Hinter diesen Symptomen verbirgt sich oft eine schwerwiegende Grunderkrankung. Dazu gehören Autoimmunerkrankungen wie der systemische Lupus erythematodes oder chronische Infektionen wie die Hepatitis C. Auch lymphoproliferative Erkrankungen können ursächlich für das Auftreten von Kryoglobulinen sein.
Tipp: Um falsch-negative Ergebnisse zu vermeiden, muss das entnommene Vollblut sofort bei exakt 37 °C im Wasserbad gerinnen. Auch die anschließende Zentrifugation muss zwingend bei dieser Temperatur erfolgen.
Nach der Zentrifugation wird das Serum mit einer vorgewärmten Pipette in ein spezielles Kryoröhrchen überführt. Dieses verbleibt für sieben Tage bei 4 °C im Kühlschrank und wird täglich auf sichtbare Ausfällungen kontrolliert. Erst wenn nach einer Woche kein Präzipitat sichtbar ist, gilt der Befund als negativ und die Leistung als abgeschlossen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3751
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Hepatitis-C-assoziierte Vaskulitis
Ein Patient stellt sich mit tastbarer Purpura an den Unterschenkeln und ausgeprägter Müdigkeit vor. Aufgrund einer bekannten chronischen Hepatitis-C-Infektion besteht der Verdacht auf eine kryoglobulinämische Vaskulitis. Das Labor führt den qualitativen Nachweis nach GOÄ 3751 durch. Neben der Blutentnahme wird die Ziffer 3751 mit dem Regelsatz von 1,15fach abgerechnet.
Fallbeispiel 2: Abklärung eines schweren Raynaud-Syndroms
Eine Patientin leidet unter schmerzhaften, kälteinduzierten Farbveränderungen der Finger. Zur differenzialdiagnostischen Abklärung einer zugrundeliegenden Kollagenose wird die Kryoglobulin-Bestimmung veranlasst. Da die Probenvorbereitung durch extrem viskoses Serum erschwert ist, wird die Ziffer 3751 mit dem Höchstsatz von 1,3fach liquidiert.
Fallbeispiel 3: Parallele Bestimmung von Kryofibrinogen
Bei einem Patienten mit kutanen Ischämien und Ulzerationen soll neben Kryoglobulinen auch Kryofibrinogen bestimmt werden. Hierzu erfolgt eine zweite Blutentnahme mittels EDTA-Röhrchen zur Plasmagewinnung. Die Bestimmung des Kryofibrinogens wird analog der GOÄ-Ziffer 3751a (analog) zusätzlich in Rechnung gestellt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3751: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3751 ist die verfrühte Rechnungsstellung. Da die visuelle Überwachung im Kühlschrank standardmäßig sieben Tage in Anspruch nimmt, darf die Ziffer erst nach Abschluss dieses Beobachtungszeitraums abgerechnet werden. Eine vorzeitige Liquidation bei vorläufigem negativem Befund ist unzulässig.
Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen betrifft die Temperaturkette. Wird in den Laboraufzeichnungen nicht deutlich, dass die Präanalytik bei 37 °C stattfand, kann die medizinische Notwendigkeit und Korrektheit der Durchführung angezweifelt werden. Dies führt im schlimmsten Fall zur Honorarkürzung.
Achtung: Die analoge Abrechnung von Kryofibrinogen wird von Kostenträgern häufig hinterfragt. Es muss klar dokumentiert sein, dass für diesen Nachweis Plasma (EDTA-Blut) und nicht Serum verwendet wurde, um die Eigenständigkeit der Leistung zu belegen.
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Dokumentation der GOÄ 3751: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Abrechnung und schützt vor Regressen. In der Patientenakte müssen der exakte Zeitpunkt der Blutentnahme sowie die Einhaltung der Warmkette lückenlos dokumentiert werden. Auch die tägliche visuelle Kontrolle über den gesamten Zeitraum ist zu protokollieren.
Besonders bei der analogen Abrechnung von Kryofibrinogen muss die medizinische Indikation präzise dargelegt werden. Hierzu gehören Angaben über das Vorliegen von kutanen Ischämien, Nekrosen oder Ulzerationen, die diese Zusatzuntersuchung rechtfertigen.
Dokumentationsbeispiel:
Venöse BE um 09:00 Uhr. Sofortige Verbringung ins Wasserbad bei 37 °C für 30 Min. Zentrifugation bei 37 °C. Serumtransfer in Kryoröhrchen mittels erwärmter Pipette. Lagerung bei 4 °C. Tägliche visuelle Inspektion von Tag 1 bis Tag 7. Befund am Tag 7: negativ. Indikation: Ausschluss Kryoglobulinämie bei V. a. Sjögren-Syndrom.
GOÄ 3751: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ 3751 um eine Leistung des Abschnitts M II (Speziallabor) handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15fach. Ein Überschreiten dieses Satzes bis zum Höchstsatz von 1,3fach ist nur unter Angabe von besonderen, patientenbezogenen Erschwernissen zulässig. Typische Begründungen sind eine extrem schwierige Venenpunktion bei ausgeprägter Vasokonstriktion oder ein ungewöhnlich hoher Lipidgehalt des Serums, der die visuelle Beurteilung massiv erschwert.
Typische Ziffernkombinationen
Regelmäßig wird die GOÄ 3751 zusammen mit der Ziffer 250 für die venöse Blutentnahme abgerechnet. Erfolgt parallel die analoge Bestimmung von Kryofibrinogen, kann die Ziffer 3751 ein zweites Mal analog (gekennzeichnet als 3751a) angesetzt werden. Hierbei ist zu beachten, dass für das Kryofibrinogen eine separate Blutentnahme mittels EDTA-Röhrchen notwendig ist, was die Abrechnung beider Ziffern rechtfertigt.
Ziffer 3751 in der neuen GOÄ
Die qualitative visuelle Bestimmung von Kryoglobulinen wird zur neuen Nummer 12760 „Kryoglobulin" mit einem Festpreis von 18,79 € — erheblich mehr als der heutige 2,3-fache Satz von 2,68 €. Die neue Leistung ist strukturierter: Blut mit spezieller Probenaufbereitung bei 37 °C, Kälteexposition für 72 Stunden bei 4 °C, Ablesung des Kryokrits in Prozent. Bei Differenzierung zwischen Kryoglobulin und Kryofibrinogen ist 12760 zweimal berechnungsfähig. Wird das Kryoglobulin zusätzlich mittels Proteinbestimmung quantifiziert, ist neben 12760 gesondert Nummer 11064 berechnungsfähig.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3751
Was hat nicht gestimmt?