GOÄ 3768: IgM-Isolierung korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3768
Isolierung von Immunglobulin M mit chromatographischen Untersuchungsverfahren
Punktzahl 360  
Einfachsatz 20,98 € 1,0x
Regelhöchstsatz 24,13 € 1,1x
Höchstsatz 27,27 € 1,3x
Ausschlüsse

Die GOÄ-Ziffer 3768 regelt die chromatographische Isolierung von IgM. Erfahren Sie alles über Fallstricke, Ausschlüsse und die analoge Anwendung.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3768

Isolierung von Immunglobulin M mit chromatographischen Untersuchungsverfahren

Die GOÄ-Ziffer 3768 beschreibt eine vorbereitende, präparative Laborleistung. Ziel dieser Methode ist es, in einer Untersuchungsprobe wie Serum das Immunglobulin M (IgM) von anderen Immunglobulinklassen wie IgG oder IgA zu trennen. Durch diese saubere Separation wird sichergestellt, dass nachfolgende Nachweisverfahren ausschließlich Antikörper der Klasse IgM erfassen.

Für diese Trennung kommen verschiedene chromatographische Untersuchungsverfahren zum Einsatz. In der Praxis werden hierfür meist handliche Sepharose-Trennsäulen genutzt, die eine schnelle und zuverlässige Isolierung ermöglichen.

GOÄ 3768 in der Praxis: Indikation und klinischer Stellenwert

Die Isolierung von IgM ist klinisch dann indiziert, wenn im Anschluss erregerspezifische IgM-Antikörper nachgewiesen werden sollen. Diese Antikörper sind ein wichtiger Indikator für die Frühphase einer Infektion. Die Ziffer stammt jedoch aus einer Zeit, in der direkte Nachweisverfahren noch nicht flächendeckend etabliert waren.

Heutzutage ist die Ziffer im Laboralltag weitgehend in den Hintergrund getreten. Moderne, konfektionierte Testkits erlauben meist den direkten Nachweis aus dem Serum, ohne dass eine separate Chromatographie erforderlich ist. Dennoch behält die Ziffer Relevanz bei speziellen Fragestellungen oder der Etablierung von In-house-Verfahren.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3768

Fallbeispiel 1: Manuelle Trennung bei unklarem Infektionsstatus

Bei einem Patienten besteht der Verdacht auf eine seltene, akute Virusinfektion. Da kein konfektioniertes Testkit zur Verfügung steht, führt das Labor eine manuelle Trennung mittels Sepharose-Säule durch. Anschließend erfolgt der spezifische Antikörpernachweis. Abgerechnet wird die GOÄ 3768 für die präparative Isolierung neben der entsprechenden Nachweisziffer.

Fallbeispiel 2: Analoge Anwendung zur IgG-Isolierung

Für eine hochspezialisierte wissenschaftliche Fragestellung muss im Labor eine Isolierung von IgG-Antikörpern durchgeführt werden. Da in der GOÄ keine eigene Ziffer für die IgG-Isolierung existiert, erfolgt die Abrechnung der GOÄ 3768 analog. Dies ist für andere Immunglobulinklassen als IgM fachlich vollkommen korrekt und zulässig.

Fallbeispiel 3: Ausschluss der Abrechnung bei fertigen Testkits

Ein Patient stellt sich mit Verdacht auf eine Infektion vor, und das Labor nutzt ein modernes ELISA-Testkit zum direkten Nachweis von IgM-Antikörpern. Da das Testkit die Aufreinigung bereits integriert hat, darf die GOÄ 3768 nicht zusätzlich berechnet werden. Es erfolgt lediglich die Abrechnung des erregerspezifischen Antikörpernachweises.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3768: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung dieser Ziffer ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung mit modernen Testkits. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen sehr genau, ob ein konfektioniertes Testkit zum Einsatz kam. Ist dies der Fall, wird die GOÄ 3768 regelmäßig gestrichen.

Ein weiterer Fallstrick betrifft die Häufigkeit der Abrechnung. Die Leistung ist pro Untersuchungsmaterial streng auf eine einmalige Berechnung limitiert. Selbst wenn aus der isolierten Fraktion danach Tests auf fünf verschiedene Erreger durchgeführt werden, darf die Ziffer 3768 nur ein einziges Mal auf der Rechnung erscheinen.

Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 3768 neben Laborziffern der Abschnitte M III.19 bis M III.22, die bereits laut Legende den Nachweis des erregerspezifischen IgM-Antikörpers beinhalten, ist ausgeschlossen.

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Dokumentation der GOÄ 3768: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Laborakte muss eindeutig hervorgehen, welches chromatographische Verfahren angewendet wurde. Auch die medizinische Notwendigkeit der separaten Isolierung sollte kurz begründet werden.

Besonders bei der analogen Anwendung für IgG oder IgA ist eine präzise Dokumentation unerlässlich. Hier sollte der Zusatz "analog" sowie die konkret isolierte Immunglobulinklasse vermerkt werden, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.

Dokumentation: Präparative Isolierung von IgM mittels Sepharose-Trennsäule aus Serum zur Vorbereitung des nachfolgenden erregerspezifischen Antikörpernachweises.

GOÄ 3768: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) unterliegt die GOÄ 3768 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-Fache der Gebühr. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur bei außergewöhnlich hohem Aufwand, wie beispielsweise einer extrem zähflüssigen Probenmatrix, zulässig und muss auf der Rechnung begründet werden.

Typische Ziffernkombinationen

Die Ziffer wird typischerweise mit den nachfolgenden pathogenspezifischen Antikörpernachweisen kombiniert. Wichtig ist hierbei, dass diese nachfolgenden Ziffern nicht bereits den IgM-Nachweis als festen Bestandteil ihrer Leistungsbeschreibung definieren. Eine sorgfältige Prüfung der Kombinationspartner schützt vor Honorarverlusten.

Tipp: Nutzen Sie die analoge Anwendung der GOÄ 3768 konsequent für aufwendige In-house-Verfahren zur Isolierung von IgG- oder IgA-Fraktionen, da diese Leistungen sonst nicht adäquat abgebildet werden können.

Ziffer 3768 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3768 (Isolierung von Immunglobulin M mit chromatographischen Untersuchungsverfahren) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 11795: Isolierung von Zellen, Organellen oder Proteinen, je Isolierung z.B. Dichtegradientenzentrifugation, Magnetpartikelverfahren, Chromatografie.. Der Festpreis liegt bei 22,23 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 24,13 €). Die Leistung ist je Isolierung, maximal 1x je Untersuchungsmaterial berechnungsfähig.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3768

Die GOÄ 3768 ist berechnungsfähig für die präparative Isolierung von Immunglobulin M (IgM) mittels chromatographischer Verfahren. Dies dient der Vorbereitung einer Probe für den anschließenden Nachweis von erregerspezifischen Antikörpern der Frühphase.
Nein, bei der Verwendung von konfektionierten Testkits, die den IgM-Nachweis direkt aus dem Serum ermöglichen, ist die GOÄ 3768 nicht berechnungsfähig. Dies gilt auch, wenn der erregerspezifische IgM-Nachweis bereits in der Leistungsbeschreibung der nachfolgenden Laborziffer enthalten ist.
Die Leistung ist pro Untersuchungsmaterial nur einmal berechnungsfähig. Dies gilt auch dann, wenn aus der isolierten Fraktion anschließend Tests auf mehrere verschiedene erregerspezifische IgM-Antikörper durchgeführt werden.
Ja, die GOÄ 3768 kann analog herangezogen werden, wenn im Einzelfall eine andere Immunglobulinklasse wie IgG oder IgA isoliert werden muss. Dies betrifft meist hochspezialisierte In-house-Methoden der Labordiagnostik.
Da es sich um eine Leistung des Abschnitts M (Labor) handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15 (24,13 €). Ein Steigern bis zum Höchstsatz von 1,3 (27,27 €) ist nur mit einer medizinischen oder technischen Begründung zulässig.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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