Die Bestimmung von Kreatin nach GOÄ 3780 gilt heute als weitgehend obsolet. Erfahren Sie, welche Alternativen existieren und wie Sie korrekt abrechnen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3780
Kreatin - Punktzahl: 120 - 1fach: 6,99 € - 1,15fach: 8,04 € - 1,3fach: 9,09 €
Die GOÄ-Ziffer 3780 beschreibt die quantitative Bestimmung von Kreatin im Labor. Diese Leistung ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 7 (Substrate, Metabolite, Enzyme) angesiedelt. Sie umfasst alle labortechnischen Schritte von der Probenvorbereitung bis zur finalen Messung.
In der modernen Medizin gilt diese Untersuchung jedoch als weitgehend obsolet. Historisch diente sie der Erfassung von Muskelzerfall oder renalen Ausscheidungsstörungen. Heute haben präzisere Parameter diese Ziffer in den Hintergrund gedrängt.
GOÄ 3780 in der Praxis: Relevanz und moderne Alternativen
In der täglichen Praxis niedergelassener Ärzte spielt die GOÄ 3780 kaum noch eine Rolle. Bei Verdacht auf eine Skelettmuskelschädigung greifen Mediziner primär auf die Bestimmung der Kreatinkinase (CK) zurück. Diese wird über die GOÄ-Nr. 3590.H1 abgerechnet und bietet eine deutlich höhere diagnostische Sensitivität.
Einzig bei sehr seltenen, angeborenen Kreatin-Synthesestörungen kann die Bestimmung von freiem Kreatin im Urin oder Plasma noch indiziert sein. In solchen Spezialfällen liefert der Wert wichtige differenzialdiagnostische Hinweise. Für die routinemäßige Nieren- oder Muskeldiagnostik ist die Ziffer jedoch ungeeignet.
Achtung: Da die Bestimmung von Kreatin medizinisch weitgehend als obsolet gilt, fordern private Krankenversicherungen bei Abrechnung der GOÄ 3780 häufig eine detaillierte medizinische Begründung ein.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3780
Fallbeispiel 1: Abklärung eines seltenen metabolischen Defekts
Ein pädiatrischer Patient stellt sich mit unklarem Entwicklungsrückstand und Verdacht auf einen Kreatin-Transporterdefekt vor. Zur spezifischen metabolischen Diagnostik veranlasst der Arzt die Bestimmung von freiem Kreatin im Urin. Die Abrechnung erfolgt nach GOÄ 3780 zum 1,15-fachen Satz, da eine seltene Stoffwechselstörung abgeklärt wird.
Fallbeispiel 2: Historische Verlaufsbeobachtung bei Myopathie
Bei einem Patienten mit einer chronischen Myopathie liegen historische Laborwerte vor, die auch die Kreatinkonzentration umfassen. Um eine direkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahren zu gewährleisten, wird der Parameter erneut bestimmt. Die Begründung in der Rechnung verweist auf die Verlaufskontrolle bei bekannter chronischer Erkrankung.
Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik bei unklarem Muskelzerfall
Ein Patient zeigt stark erhöhte CK-Werte nach einem Trauma. Zur erweiterten wissenschaftlichen Abklärung des gesamten Kreatinpools wird zusätzlich freies Kreatin bestimmt. Neben der GOÄ 3590.H1 für die CK wird die GOÄ 3780 als Zusatzparameter abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3780: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3780 ist die Verwechslung mit der Bestimmung von Kreatinin (GOÄ 3585). Kreatinin ist das tägliche Abbauprodukt und der Standardmarker für die Nierenfunktion. Eine fälschliche Abrechnung der Ziffer 3780 anstelle der 3585 führt bei Prüfungen unweigerlich zur Beanstandung.
Zudem schließen die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M eine mehrfache Abrechnung desselben Parameters am selben Tag aus. Wird Kreatin aus verschiedenen Proben desselben Tages bestimmt, darf die Ziffer dennoch nur einmal berechnet werden. Private Kassen fordern bei dieser Ziffer zudem oft den Nachweis der medizinischen Notwendigkeit.
Tipp: Prüfen Sie vor der Anforderung genau, ob nicht die Bestimmung von Kreatinin (GOÄ 3585) oder der Kreatinkinase (GOÄ 3590.H1) medizinisch zielführender und abrechnungstechnisch sicherer ist.
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Dokumentation der GOÄ 3780: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist bei obsoleten Ziffern wie der GOÄ 3780 essenziell, um Honorarkürzungen zu vermeiden. In der Patientenakte muss die spezifische Indikation für diese seltene Untersuchung klar hervorgehen. Die bloße Erwähnung von "Muskelschmerzen" reicht für die Erstattung meist nicht aus.
Es sollte explizit dokumentiert werden, warum modernere Verfahren wie die CK-Bestimmung im vorliegenden Fall nicht ausreichen. Auch der Bezug zu seltenen Stoffwechselerkrankungen oder historischen Vergleichswerten muss schriftlich festgehalten werden.
Dokumentation: Verdacht auf angeborenen Kreatin-Synthesedefekt bei unklarem Entwicklungsrückstand. Blutentnahme zur Bestimmung von Kreatin im Serum (GOÄ 3780) sowie Aminosäurenprofil zur differenzialdiagnostischen Abklärung.
GOÄ 3780: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ 3780 um eine Laborleistung des Abschnitts M handelt, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz (8,04 €). Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 (9,09 €) ist nur bei besonderem Aufwand, wie etwa schwierigen Probenverhältnissen, zulässig.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 3780 wird häufig im Rahmen eines größeren metabolischen Profils angefordert. Sinnvolle Kombinationen bestehen mit der Bestimmung von Aminosäuren oder anderen Substraten des Energiestoffwechsels. Eine gleichzeitige Abrechnung mit der Kreatinkinase (GOÄ 3590.H1) ist zulässig, sofern beide Werte medizinisch begründet sind.
Ziffer 3780 in der neuen GOÄ
Die Ziffer 3780 (Kreatin) hat im Entwurf der neuen GOÄ keinen direkten Nachfolger (bisher beim 2,3-fachen Satz: 8,04 €). Die Leistung ist im neuen Katalog nicht als eigenständige Gebührenziffer abgebildet.
Die Bestimmung ist im Altkatalog ausdrücklich obsolet; die im Kommentar genannte CK ist eine andere Messgröße und daher kein Nachfolger der Kreatinbestimmung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3780
Was hat nicht gestimmt?