GOÄ 3785: Isoenzyme abrechnen – Indikation & Tipps

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3785
Isoenzyme (z. B. Alkalische Phosphatase, Alpha-Amylase, Creatinkinase, LDH), Elektrophorese oder Immunpräzipitation , je Ansatz
Punktzahl 300  
Einfachsatz 17,49 € 1,0x
Regelhöchstsatz 20,11 € 1,1x
Höchstsatz 22,74 € 1,3x

Wie wird die Isoenzym-Elektrophorese nach GOÄ 3785 korrekt abgerechnet? Erfahren Sie alles über Indikationen, Abgrenzungen und typische Fehler.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3785

Isoenzyme (z. B. Alkalische Phosphatase, Alpha-Amylase, Creatinkinase, LDH), Elektrophorese oder Immunpräzipitation, je Ansatz - 300 Punkte

Die GOÄ-Ziffer 3785 beschreibt die spezialisierte Laboruntersuchung von Isoenzymen mittels Elektrophorese oder Immunpräzipitation. Diese Methoden dienen dazu, verschiedene molekulare Formen eines Enzyms, die dieselbe chemische Reaktion katalysieren, physikalisch oder immunologisch voneinander zu trennen. Die Ziffer ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 7 (Substrate, Metabolite, Enzyme) angesiedelt.

Im Vergleich zur einfacheren Bestimmung nach GOÄ 3784 ist diese Leistung deutlich höher bewertet. Dies liegt am erheblichen technischen und manuellen Aufwand der elektrophoretischen Auftrennung im elektrischen Feld sowie den hohen Kosten für spezifische Antikörper bei der Immunpräzipitation. Die Abrechnung erfolgt "je Ansatz", was die Durchführung der Trennung und die semiquantitative Auswertung des Elektropherogramms umfasst.

GOÄ 3785 in der Praxis: Indikationen und moderner Stellenwert

In der modernen Labordiagnostik hat die klassische Elektrophorese von Isoenzymen an Bedeutung verloren. Sie wurde in vielen Bereichen durch hochspezifische, quantitative Ligandenassays oder photometrische Testverfahren abgelöst. Dennoch gibt es weiterhin gezielte klinische Fragestellungen, bei denen der Einsatz der GOÄ 3785 medizinisch vollkommen gerechtfertigt und indiziert ist.

Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist die Differenzierung einer unklaren Erhöhung der alkalischen Phosphatase (AP). Mittels Lektin-Affinitätselektrophorese lässt sich verlässlich zwischen der leberspezifischen und der knochenspezifischen AP unterscheiden. Auch bei unklaren Erhöhungen der Laktatdehydrogenase (LDH) liefert die elektrophoretische Auftrennung der fünf LDH-Isoenzyme wertvolle Hinweise auf das betroffene Organsystem.

Tipp: Die Bestimmung von Makroenzymen (z. B. Makro-Amylase oder Makro-AST) stellt ein weiteres wichtiges, analoges Anwendungsgebiet für die GOÄ 3785 dar, um scheinbar pathologische Laborwerte abzuklären.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3785

Fallbeispiel 1: Differenzierung der Alkalischen Phosphatase (AP)

Bei einem Patienten zeigt sich eine isolierte Erhöhung der alkalischen Phosphatase im Serum ohne eindeutige klinische Symptome. Zur Abklärung, ob eine hepatische oder osteologische Erkrankung vorliegt, wird eine Lektin-Affinitätselektrophorese durchgeführt. Abgerechnet wird die GOÄ 3785 für den elektrophoretischen Ansatz der AP-Isoenzyme. Die Bestimmung der Gesamt-AP-Aktivität erfolgt zusätzlich über die entsprechende Basisziffer.

Fallbeispiel 2: Organzuordnung bei unklarer LDH-Erhöhung

Ein Patient präsentiert sich mit einer chronisch erhöhten Laktatdehydrogenase (LDH) unklarer Genese. Um festzustellen, ob eine Herzmuskelschädigung (LDH-1 und LDH-2) oder eine Lebererkrankung (LDH-4 und LDH-5) vorliegt, erfolgt die elektrophoretische Auftrennung der LDH-Isoenzyme. Der Arzt rechnet hierfür die GOÄ 3785 ab, um die prozentuale Verteilung der fünf Isoenzyme semiquantitativ zu bestimmen.

Fallbeispiel 3: Nachweis von Makroenzymen

Bei persistierend erhöhten Enzymwerten ohne organpathologischen Befund besteht der Verdacht auf das Vorliegen von Makroenzymen. Durch eine Immunpräzipitation oder Elektrophorese (analog GOÄ 3785) wird die makromolekulare Struktur nachgewiesen. Dies schützt den Patienten vor unnötiger weiterer invasiver Diagnostik und wird analog nach Ziffer 3785 liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3785: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler betrifft die Abrechnung veralteter oder mittlerweile obsoleter Methoden. So ist die elektrophoretische Bestimmung der Alpha-Amylase-Isoenzyme oder der Creatinkinase-Isoenzyme (CK) heute medizinisch nicht mehr indiziert. Für die Diagnostik der herzspezifischen CK-MB existieren moderne, spezifischere photometrische Testformate, die zwingend nach GOÄ 3591.H1 abzurechnen sind.

Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen ist die Abgrenzung zur einfacheren Ziffer GOÄ 3784. Die Ziffer 3785 darf nur dann herangezogen werden, wenn tatsächlich eine physikalische Trennung (Elektrophorese) oder eine Immunpräzipitation stattgefunden hat. Einfache chemische oder thermische Inaktivierungsmethoden rechtfertigen den Ansatz der höher bewerteten Ziffer 3785 nicht.

Achtung: Die parallele Abrechnung der Gesamt-Enzymaktivität und der Isoenzym-Elektrophorese ist zulässig, da die Aktivitätsmessung nicht obligater Bestandteil der GOÄ 3785 ist. Achten Sie darauf, beide Leistungen getrennt und transparent aufzuführen.

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Dokumentation der GOÄ 3785: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Rückfragen von Kostenträgern erfolgreich abzuwehren. In der Patientenakte muss die spezifische medizinische Indikation für die aufwändige Isoenzym-Auftrennung klar hervorgehen. Dies gilt insbesondere bei der Abklärung unklarer Enzymkonzentrationen oder dem Verdacht auf Makroenzyme.

Zusätzlich sollten das angewandte Verfahren (z. B. Lektin-Affinitätselektrophorese) und das konkrete Ergebnis dokumentiert werden. Das semiquantitative Auswertungsprotokoll des Elektropherogramms gehört als Befundbericht zwingend zur Dokumentation und muss archiviert werden.

Dokumentationsbeispiel: Verdacht auf Knochenmetastasen bei unklarer AP-Erhöhung (Gesamt-AP: 210 U/l). Durchführung einer Lektin-Affinitätselektrophorese zur Differenzierung von Knochen- und Leber-AP gemäß GOÄ 3785. Befund: Knochen-AP-Anteil signifikant erhöht (72%).

GOÄ 3785: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Regelhöchstsatz der GOÄ 3785 liegt beim 1,15-fachen Satz (20,11 €). Ein Überschreiten dieses Schwellenwertes bis zum 1,3-fachen Satz (22,74 €) erfordert eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung. Typische Begründungen sind ein außergewöhnlich hoher manueller Aufwand bei der Probenvorbereitung (z. B. bei stark lipämischen oder hämolytischen Seren) oder schwierige Auswertungsbedingungen des Elektropherogramms.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die GOÄ 3785 zusammen mit der Bestimmung der Gesamtaktivität des jeweiligen Enzyms abgerechnet. Beispielsweise kombiniert man die elektrophoretische LDH-Differenzierung (GOÄ 3785) mit der photometrischen Bestimmung der Gesamt-LDH nach GOÄ 3597.H1. Auch die Kombination mit anderen laborchemischen Basisparametern zur Leber- oder Knochendiagnostik ist im klinischen Alltag die Regel.

Ziffer 3785 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3785 (Isoenzyme (z. B. Alkalische Phosphatase, Alpha-Amylase, Creatinkinase, LDH), Elektrophorese oder Immunpräzipitation, je Ansatz) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 12933: Isoenzyme, Makroenzyme, je Enzym Serum, ggf. einschließlich Fällung. Der Festpreis liegt bei 26,35 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 20,11 €). Die Leistung ist je Enzym berechnungsfähig. Abrechnungshinweis: Die untersuchten Isoenzyme sind in der Rechnung anzugeben.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3785

Die GOÄ 3785 wird für die elektrophoretische Auftrennung oder Immunpräzipitation von Isoenzymen (z. B. alkalische Phosphatase oder LDH) je Ansatz berechnet. Sie kommt vor allem bei der Differenzierung unklarer Enzymerhöhungen zum Einsatz.
Die GOÄ 3784 betrifft einfachere, meist chemische oder thermische Differenzierungsmethoden von Isoenzymen. Die GOÄ 3785 hingegen honoriert die deutlich aufwändigere elektrophoretische Trennung oder die kostenintensive Immunpräzipitation.
Ja, die Bestimmung der Gesamt-Enzymaktivität ist nicht obligater Bestandteil der GOÄ 3785 und darf daher separat abgerechnet werden. Dies ist in der Regel auch medizinisch notwendig, um das Elektropherogramm abschließend beurteilen zu können.
Nein, die elektrophoretische Bestimmung der CK-MB gilt heute als obsolet. Für moderne, photometrische CK-MB-Tests ist stattdessen die spezifische Ziffer GOÄ 3591.H1 heranzuziehen.
Der einfache Gebührensatz beträgt 17,49 €, während der Regelhöchstsatz (1,15-fach) bei 20,11 € liegt. Der maximale Höchstsatz (1,3-fach) beträgt 22,74 € und erfordert eine schriftliche Begründung auf der Rechnung.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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