Die Abrechnung der Granulozyten-Elastase nach GOÄ-Ziffer 3792 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Methoden und Ausschlussziffern.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3792
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschreibt die Leistung unter der Ziffer 3792 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) wie folgt:
Granulozyten-Elastase, Immundiffusion oder ähnliche Untersuchungsmethoden – Punktzahl: 180
Diese Ziffer dient der quantitativen oder qualitativen Bestimmung der Granulozyten-Elastase im Patientenplasma oder anderen Körperflüssigkeiten. Die im Leistungstext genannte Immundiffusion dient in der GOÄ als historischer Oberbegriff für eine Reihe immunologischer Nachweisverfahren.
In der modernen Laborpraxis hat die radiale Immundiffusion mittels Agaroseplatten jedoch keine praktische Bedeutung mehr. Stattdessen kommen hochentwickelte, automatisierte Verfahren wie die Immunnephelometrie oder die Immunturbidimetrie zum Einsatz, die unter den Begriff der ähnlichen Untersuchungsmethoden fallen.
GOÄ 3792 in der Praxis: Indikationen und methodischer Hintergrund
Die Bestimmung der Granulozyten-Elastase ist ein wertvoller diagnostischer Parameter zur Erfassung und Überwachung von entzündlichen Prozessen. Da dieses Enzym primär aus den azurophilen Granula neutrophiler Granulozyten freigesetzt wird, korreliert seine Konzentration direkt mit dem Aktivierungsgrad des Immunsystems. Typische Indikationen umfassen den Verdacht auf schwere bakterielle Infektionen, Sepsis oder chronisch-entzündliche Erkrankungen.
Das methodische Prinzip der modernen Bestimmung basiert auf einer klassischen Antigen-Antikörper-Reaktion in flüssigkeitsgefüllten Küvetten. Nach Zugabe spezifischer Antikörper bilden sich Immunkomplexe, die das einfallende Licht absorbieren oder streuen. Ein hochpräziser Photodetektor misst diese Veränderung, wobei die Signalstärke proportional zur Konzentration der Granulozyten-Elastase ist.
Tipp: Da für diese spezifische Leistung derzeit keine moderneren, eigenständigen Ziffern in der GOÄ existieren, bleibt die Ziffer 3792 die einzig korrekte Abrechnungsbasis für nephelometrische und turbidimetrische Elastase-Bestimmungen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3792
Die korrekte Anwendung der Ziffer lässt sich am besten anhand konkreter klinischer Szenarien veranschaulichen.
Fallbeispiel 1: Verdacht auf systemische Entzündungsreaktion
Ein Patient stellt sich mit unklarem Fieber und verschlechtertem Allgemeinzustand in der Praxis vor. Zum Ausschluss einer beginnenden Sepsis oder einer schweren bakteriellen Infektion wird die Bestimmung der Granulozyten-Elastase veranlasst. Die Analyse erfolgt mittels Immunturbidimetrie im Labor. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3792 mit dem Regelsatz von 1,15 (12,06 €).
Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung
Bei einer Patientin mit bekannter Colitis ulcerosa soll die aktuelle Entzündungsaktivität im Darm beurteilt werden. Neben anderen Parametern wird die Granulozyten-Elastase im Stuhl oder Plasma bestimmt, um den Therapieerfolg zu überwachen. Die Abrechnung erfolgt regelkonform über die Ziffer 3792, da das angewandte nephelometrische Verfahren eine adäquate Methode darstellt.
Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik bei Gelenkbeschwerden
Zur Abklärung einer akuten Arthritis wird Synovialflüssigkeit punktiert. Um den Verdacht auf eine eitrige, bakterielle Gelenkentzündung zu erhärten, wird die Konzentration der Granulozyten-Elastase im Punktat bestimmt. Die aufwendige Aufbereitung des zähen Punktats rechtfertigt hierbei die Anwendung der Ziffer 3792 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3792: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3792 ist die unzulässige Doppelabrechnung von vorbereitenden Schritten. Sämtliche physikalischen oder chemischen Vorbehandlungen der Probe sind mit der Gebühr für die Hauptleistung abgegolten und dürfen nicht separat berechnet werden. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen diese Schnittstellenbeziehungen im Laborbereich sehr genau.
Zudem führt die Verwechslung mit anderen Elastase-Ziffern oft zu Beanstandungen. Die Bestimmung der pankreatischen Elastase im Stuhl zur Exokrinen Pankreasinsuffizienz-Diagnostik fällt beispielsweise nicht unter die Ziffer 3792, sondern muss über die dafür spezifisch vorgesehenen Ziffern abgerechnet werden. Eine fehlerhafte Zuordnung führt unweigerlich zur Rechnungskürzung durch die Prüfstellen.
Achtung: Achten Sie darauf, dass bei der Bestimmung aus schwierigen Matrices wie Stuhl oder Synovialflüssigkeit keine unzulässigen Zuschläge für die Probenvorbereitung angesetzt werden, da diese in den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M ausgeschlossen sind.
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Dokumentation der GOÄ 3792: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Regressforderungen. In der Patientenakte muss die medizinische Indikation für die Bestimmung der Granulozyten-Elastase klar ersichtlich sein. Dazu gehören die Dokumentation der klinischen Symptomatik sowie die konkrete Fragestellung.
Darüber hinaus sollten das angewandte Messverfahren (z. B. Immunnephelometrie) und das exakte Messergebnis inklusive der laborspezifischen Referenzwerte dokumentiert werden. Bei Abweichungen oder Besonderheiten in der Probenbeschaffenheit ist eine detaillierte Notiz unerlässlich, um spätere Rückfragen der Kostenträger schnell beantworten zu können.
Dokumentationsbeispiel: Verdacht auf akute bakterielle Infektion bei unklarem Fieber. Entnahme von EDTA-Blut zur Bestimmung der Granulozyten-Elastase mittels Immunturbidimetrie (GOÄ 3792). Befund: Elastase-Konzentration signifikant erhöht bei 120 µg/l (Referenzbereich < 45 µg/l).
GOÄ 3792: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Laborleistungen des Abschnitts M dürfen standardmäßig nur bis zum 1,15-fachen Satz (Regelhöchstsatz) ohne Begründung abgerechnet werden. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist möglich, erfordert jedoch eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung auf der Rechnung. Typische Gründe für eine Faktorerhöhung sind eine extreme Viskosität der Probe (z. B. bei Synovialflüssigkeit) oder technische Schwierigkeiten bei der optischen Messung durch starke Lipämie oder Hämolyse der Probe.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 3792 wird häufig im Rahmen eines umfassenden Entzündungsprofils angefordert. Sinnvolle und zulässige Kombinationen am selben Behandlungstag umfassen die Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP) oder das Blutbild zur Erfassung der Leukozytenzahl. Es ist jedoch darauf zu achten, dass keine unzulässigen Doppelbewertungen von methodisch identischen Leistungen aus derselben Probe erfolgen.
Ziffer 3792 in der neuen GOÄ
Die Ziffer 3792 (Granulozyten-Elastase, Immundiffusion oder ähnliche Untersuchungsmethoden) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 12931: Granulozyten-Elastase (PMN-Elastase) z.B. Abklärung chronisch entzündliche Darmerkrankung, Abklärung männliche Infertilität bei unauffälligem Hormonstatus. Der Festpreis liegt bei 22,88 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 12,06 €). Abrechnungshinweis: Die Leistung nach Nummer 12931 ist neben den Leistungen nach den Nummern 11742, 11743 oder 11746 nicht berechnungsfähig.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3792
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