GOÄ 3791: Granulozyten-Elastase richtig abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3791
Granulozyten-Elastase , Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Be­zugs­­kurve –
Punktzahl 290  
Einfachsatz 16,90 € 1,0x
Regelhöchstsatz 19,43 € 1,1x
Höchstsatz 21,97 € 1,3x

Die Abrechnung der Granulozyten-Elastase nach GOÄ 3791 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Fallstricken und der korrekten Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3791

GOÄ-Ziffer 3791: Granulozyten-Elastase, Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve – (Punktzahl: 290)

Die Ziffer 3791 beschreibt die quantitative Bestimmung der Granulozyten-Elastase (auch PMN-Elastase oder Elastase 2 genannt) mittels eines Ligandenassays. Diese Methode umfasst obligat die Durchführung einer Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve. Die Abrechnung erfolgt im Rahmen von Laboruntersuchungen des Abschnitts M VII der GOÄ.

Als Serinprotease ist die PMN-Elastase in den lysosomalen Granula der neutrophilen Granulozyten lokalisiert. Bei Entzündungsreaktionen und der Phagozytose von Bakterien kommt es zur Freisetzung dieses Enzyms. Daher dient die Bestimmung als hochspezifischer Marker für den Granulozytenverbrauch und die Aktivierung der unspezifischen zellulären Immunabwehr.

GOÄ 3791 in der Praxis: Indikationen und Materialwahl

Die Bestimmung der PMN-Elastase kann aus verschiedenen Probenmaterialien wie Blutplasma, Ejakulat oder Stuhl erfolgen. Die Wahl des Materials hängt eng mit der klinischen Fragestellung zusammen. In der modernen Labordiagnostik hat sich der Stellenwert der einzelnen Materialien jedoch stark verschoben.

Eine wichtige Indikation stellt die Untersuchung des Ejakulats bei unerfülltem Kinderwunsch dar. Hier dient der Marker zum Ausschluss klinisch stummer Entzündungen der ableitenden Samenwege, die die Spermienqualität beeinträchtigen können. Im Stuhl wird die Elastase zur Abklärung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) eingesetzt, wobei sie heute oft durch sensitivere Marker ergänzt oder ersetzt wird.

Achtung: Die Bestimmung im Plasma zur Sepsis- oder Pankreatitisdiagnostik gilt heute als weitgehend obsolet. Etablierte Parameter wie das CRP (GOÄ 3524/3741) oder Procalcitonin bieten eine vergleichbare oder bessere diagnostische Aussagekraft ohne zusätzlichen Begründungsaufwand.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3791

Fallbeispiel 1: Abklärung einer männlichen Infertilität

Ein Patient stellt sich wegen unerfüllten Kinderwunsches in der urologischen Praxis vor. Zum Ausschluss einer asymptomatischen Adnexitis wird eine Ejakulatanalyse durchgeführt. Die Bestimmung der PMN-Elastase im Ejakulat dient dem Nachweis einer subklinischen Entzündung. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3791 mit dem Regelsatz (1,15-fach) für Laborleistungen im eigenen Labor oder über die Laborgemeinschaft.

Fallbeispiel 2: Verdacht auf chronisch-entzündliche Darmerkrankung

Eine Patientin klagt über rezidivierende Diarrhöen und abdominelle Schmerzen. Zur Differenzialdiagnostik zwischen einem Reizdarmsyndrom und einer CED wird eine Stuhlprobe angefordert. Die Bestimmung der Granulozyten-Elastase im Stuhl liefert Hinweise auf ein florides entzündliches Geschehen im Darm. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die Ziffer 3791.

Fallbeispiel 3: Spezifisches Monitoring bei schwerer Pankreatitis

Bei einem stationären oder engmaschig ambulant betreuten Patienten mit schwerer Pankreatitis soll der Verlauf der Entzündungsaktivität beurteilt werden. Da Standardparameter keine eindeutige Prognose erlauben, wird die PMN-Elastase im Plasma bestimmt. Für die Abrechnung der Ziffer 3791 im Plasma dokumentiert der Arzt eine detaillierte medizinische Begründung bezüglich der klinischen Notwendigkeit auf der Liquidation.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3791: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die unbegründete Abrechnung der Ziffer 3791 bei Bestimmung aus dem Blutplasma. Private Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen fordern hier regelmäßig eine einzelfallbezogene Begründung an. Ohne diese Erläuterung zur klinischen Notwendigkeit wird die Erstattung der Leistung meist verweigert.

Ein weiterer Kritikpunkt bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen ist die parallele Anforderung von Elastase, Calprotectin und Lactoferrin im Stuhl. Diese diagnostische Redundanz ist medizinisch nicht sinnvoll und wird von Prüfern als Übermaßtherapie eingestuft. Es sollte stets eine gezielte Stufendiagnostik bevorzugt werden.

Tipp: Dokumentieren Sie bei der Stuhldiagnostik genau, warum ein bestimmter Marker gewählt wurde. Vermeiden Sie standardisierte Rundum-Profile, die alle drei Entzündungsmarker gleichzeitig beinhalten, da diese selten erstattet werden.

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Dokumentation der GOÄ 3791: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die Indikation, das verwendete Probenmaterial sowie der genaue Zeitpunkt der Probenentnahme und -verarbeitung festgehalten werden. Besonders bei Plasmaeinsendungen ist die Einhaltung der präanalytischen Fristen entscheidend.

Da die Plasmaaufbereitung innerhalb von zwei Stunden erfolgen muss, sollte die Zentrifugation und das anschließende Einfrieren der Probe zeitlich dokumentiert sein. Für die Rechnungsstellung empfiehlt sich ein standardisierter Begründungstext, falls die Bestimmung im Plasma erfolgte.

Dokumentationsbeispiel:
Verdacht auf subklinische Adnexitis bei unerfülltem Kinderwunsch. Entnahme von Ejakulat zur Bestimmung der PMN-Elastase nach GOÄ 3791 zwecks Ausschluss einer silent inflammation.

GOÄ 3791: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M VII (Speziallabor) unterliegt die GOÄ 3791 einem engen Gebührenrahmen. Der Schwellenwert (Regelhöchstsatz) liegt beim 1,15-fachen Satz (19,43 €). Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 (21,97 €) ist nur mit einer patientenbezogenen, medizinischen Begründung zulässig.

Gründe für eine Überschreitung des Regelsatzes können ein ungewöhnlich hoher präanalytischer Aufwand oder schwierige Probenbeschaffenheiten sein. Beispielsweise können stark lipämische oder hämolytische Plasmaproben, die eine aufwendige Sonderbehandlung erfordern, eine Steigerung rechtfertigen.

Typische Ziffernkombinationen

In der urologischen Praxis wird die GOÄ 3791 häufig im Rahmen einer Fertilitätsabklärung mit der mikroskopischen Untersuchung des Ejakulats kombiniert. Sinnvolle Kombinationen bestehen hier mit den Ziffern für das Spermiogramm (z. B. GOÄ 3880 oder 3881). In der Gastroenterologie erfolgt die Bestimmung oft neben allgemeinen Entzündungsparametern aus dem Blutbild (GOÄ 3550/3551).

Ziffer 3791 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3791 (Granulozyten-Elastase, Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 12931: Granulozyten-Elastase (PMN-Elastase) z.B. Abklärung chronisch entzündliche Darmerkrankung, Abklärung männliche Infertilität bei unauffälligem Hormonstatus. Der Festpreis liegt bei 22,88 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 19,43 €). Abrechnungshinweis: Die Leistung nach Nummer 12931 ist neben den Leistungen nach den Nummern 11742, 11743 oder 11746 nicht berechnungsfähig.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3791

Die GOÄ 3791 darf für die quantitative Bestimmung der Granulozyten-Elastase mittels Ligandenassay abgerechnet werden. Typische Indikationen sind die Abklärung von Entzündungen der Samenwege im Ejakulat oder chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen im Stuhl. Bei einer Bestimmung im Plasma ist eine medizinische Begründung erforderlich.
Der Schwellenwert für die GOÄ-Ziffer 3791 beträgt 19,43 € bei Anwendung des 1,15-fachen Steigerungssatzes. Der einfache Gebührensatz liegt bei 16,90 €. Eine Steigerung über den Schwellenwert hinaus bis zum 1,3-fachen Satz ist nur mit einer patientenspezifischen Begründung möglich.
Private Krankenversicherungen fordern Begründungen, weil die Bestimmung der PMN-Elastase im Plasma heute medizinisch weitgehend durch etabliertere Marker wie CRP oder Procalcitonin ersetzt wurde. Ohne den Nachweis der klinischen Notwendigkeit im Einzelfall wird die Erstattung daher häufig abgelehnt. Der behandelnde Arzt muss den Zusatznutzen in der Liquidation darlegen.
Ja, eine Nebeneinanderabrechnung ist prinzipiell möglich, sollte aber medizinisch gut begründet sein. Da beide Marker auf intestinale Entzündungen hinweisen, betrachten Prüfer die parallele Bestimmung ohne triftigen Grund oft als unwirtschaftliche Doppeldiagnostik. Eine gestufte Diagnostik ist im Praxisalltag meist vorzuziehen.
Für eine valide Bestimmung im Plasma muss die Blutprobe innerhalb von zwei Stunden nach der Entnahme zentrifugiert und das Plasma abgetrennt werden. Für eine längere Lagerung müssen die Proben zwingend tiefgefroren werden. Diese präanalytischen Schritte sollten zur Absicherung der Abrechnung präzise in der Patientenakte dokumentiert werden.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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