Die Abrechnung der Granulozyten-Elastase nach GOÄ 3791 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Fallstricken und der korrekten Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3791
GOÄ-Ziffer 3791: Granulozyten-Elastase, Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve – (Punktzahl: 290)
Die Ziffer 3791 beschreibt die quantitative Bestimmung der Granulozyten-Elastase (auch PMN-Elastase oder Elastase 2 genannt) mittels eines Ligandenassays. Diese Methode umfasst obligat die Durchführung einer Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve. Die Abrechnung erfolgt im Rahmen von Laboruntersuchungen des Abschnitts M VII der GOÄ.
Als Serinprotease ist die PMN-Elastase in den lysosomalen Granula der neutrophilen Granulozyten lokalisiert. Bei Entzündungsreaktionen und der Phagozytose von Bakterien kommt es zur Freisetzung dieses Enzyms. Daher dient die Bestimmung als hochspezifischer Marker für den Granulozytenverbrauch und die Aktivierung der unspezifischen zellulären Immunabwehr.
GOÄ 3791 in der Praxis: Indikationen und Materialwahl
Die Bestimmung der PMN-Elastase kann aus verschiedenen Probenmaterialien wie Blutplasma, Ejakulat oder Stuhl erfolgen. Die Wahl des Materials hängt eng mit der klinischen Fragestellung zusammen. In der modernen Labordiagnostik hat sich der Stellenwert der einzelnen Materialien jedoch stark verschoben.
Eine wichtige Indikation stellt die Untersuchung des Ejakulats bei unerfülltem Kinderwunsch dar. Hier dient der Marker zum Ausschluss klinisch stummer Entzündungen der ableitenden Samenwege, die die Spermienqualität beeinträchtigen können. Im Stuhl wird die Elastase zur Abklärung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) eingesetzt, wobei sie heute oft durch sensitivere Marker ergänzt oder ersetzt wird.
Achtung: Die Bestimmung im Plasma zur Sepsis- oder Pankreatitisdiagnostik gilt heute als weitgehend obsolet. Etablierte Parameter wie das CRP (GOÄ 3524/3741) oder Procalcitonin bieten eine vergleichbare oder bessere diagnostische Aussagekraft ohne zusätzlichen Begründungsaufwand.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3791
Fallbeispiel 1: Abklärung einer männlichen Infertilität
Ein Patient stellt sich wegen unerfüllten Kinderwunsches in der urologischen Praxis vor. Zum Ausschluss einer asymptomatischen Adnexitis wird eine Ejakulatanalyse durchgeführt. Die Bestimmung der PMN-Elastase im Ejakulat dient dem Nachweis einer subklinischen Entzündung. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3791 mit dem Regelsatz (1,15-fach) für Laborleistungen im eigenen Labor oder über die Laborgemeinschaft.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf chronisch-entzündliche Darmerkrankung
Eine Patientin klagt über rezidivierende Diarrhöen und abdominelle Schmerzen. Zur Differenzialdiagnostik zwischen einem Reizdarmsyndrom und einer CED wird eine Stuhlprobe angefordert. Die Bestimmung der Granulozyten-Elastase im Stuhl liefert Hinweise auf ein florides entzündliches Geschehen im Darm. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die Ziffer 3791.
Fallbeispiel 3: Spezifisches Monitoring bei schwerer Pankreatitis
Bei einem stationären oder engmaschig ambulant betreuten Patienten mit schwerer Pankreatitis soll der Verlauf der Entzündungsaktivität beurteilt werden. Da Standardparameter keine eindeutige Prognose erlauben, wird die PMN-Elastase im Plasma bestimmt. Für die Abrechnung der Ziffer 3791 im Plasma dokumentiert der Arzt eine detaillierte medizinische Begründung bezüglich der klinischen Notwendigkeit auf der Liquidation.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3791: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die unbegründete Abrechnung der Ziffer 3791 bei Bestimmung aus dem Blutplasma. Private Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen fordern hier regelmäßig eine einzelfallbezogene Begründung an. Ohne diese Erläuterung zur klinischen Notwendigkeit wird die Erstattung der Leistung meist verweigert.
Ein weiterer Kritikpunkt bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen ist die parallele Anforderung von Elastase, Calprotectin und Lactoferrin im Stuhl. Diese diagnostische Redundanz ist medizinisch nicht sinnvoll und wird von Prüfern als Übermaßtherapie eingestuft. Es sollte stets eine gezielte Stufendiagnostik bevorzugt werden.
Tipp: Dokumentieren Sie bei der Stuhldiagnostik genau, warum ein bestimmter Marker gewählt wurde. Vermeiden Sie standardisierte Rundum-Profile, die alle drei Entzündungsmarker gleichzeitig beinhalten, da diese selten erstattet werden.
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Dokumentation der GOÄ 3791: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die Indikation, das verwendete Probenmaterial sowie der genaue Zeitpunkt der Probenentnahme und -verarbeitung festgehalten werden. Besonders bei Plasmaeinsendungen ist die Einhaltung der präanalytischen Fristen entscheidend.
Da die Plasmaaufbereitung innerhalb von zwei Stunden erfolgen muss, sollte die Zentrifugation und das anschließende Einfrieren der Probe zeitlich dokumentiert sein. Für die Rechnungsstellung empfiehlt sich ein standardisierter Begründungstext, falls die Bestimmung im Plasma erfolgte.
Dokumentationsbeispiel:
Verdacht auf subklinische Adnexitis bei unerfülltem Kinderwunsch. Entnahme von Ejakulat zur Bestimmung der PMN-Elastase nach GOÄ 3791 zwecks Ausschluss einer silent inflammation.
GOÄ 3791: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Abschnitts M VII (Speziallabor) unterliegt die GOÄ 3791 einem engen Gebührenrahmen. Der Schwellenwert (Regelhöchstsatz) liegt beim 1,15-fachen Satz (19,43 €). Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 (21,97 €) ist nur mit einer patientenbezogenen, medizinischen Begründung zulässig.
Gründe für eine Überschreitung des Regelsatzes können ein ungewöhnlich hoher präanalytischer Aufwand oder schwierige Probenbeschaffenheiten sein. Beispielsweise können stark lipämische oder hämolytische Plasmaproben, die eine aufwendige Sonderbehandlung erfordern, eine Steigerung rechtfertigen.
Typische Ziffernkombinationen
In der urologischen Praxis wird die GOÄ 3791 häufig im Rahmen einer Fertilitätsabklärung mit der mikroskopischen Untersuchung des Ejakulats kombiniert. Sinnvolle Kombinationen bestehen hier mit den Ziffern für das Spermiogramm (z. B. GOÄ 3880 oder 3881). In der Gastroenterologie erfolgt die Bestimmung oft neben allgemeinen Entzündungsparametern aus dem Blutbild (GOÄ 3550/3551).
Ziffer 3791 in der neuen GOÄ
Die Ziffer 3791 (Granulozyten-Elastase, Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 12931: Granulozyten-Elastase (PMN-Elastase) z.B. Abklärung chronisch entzündliche Darmerkrankung, Abklärung männliche Infertilität bei unauffälligem Hormonstatus. Der Festpreis liegt bei 22,88 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 19,43 €). Abrechnungshinweis: Die Leistung nach Nummer 12931 ist neben den Leistungen nach den Nummern 11742, 11743 oder 11746 nicht berechnungsfähig.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3791
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