GOÄ 3793: Lysozym-Bestimmung korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3793
Lysozym
Punktzahl 120  
Einfachsatz 6,99 € 1,0x
Regelhöchstsatz 8,04 € 1,1x
Höchstsatz 9,09 € 1,3x

Die Bestimmung von Lysozym nach GOÄ-Ziffer 3793 wirft in der Praxis oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Fallbeispielen und Fallstricken.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3793

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) führt die Ziffer 3793 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 7 (Substrate, Metabolite, Enzyme). Der offizielle Leistungstext lautet:

Lysozym -- 120 Punkte -- Einfachsatz 6,99 € -- Regelhöchstsatz (1,15-fach) 8,04 € -- Höchstsatz (1,3-fach) 9,09 €

Die Leistung umfasst die quantitative Bestimmung des Enzyms Lysozym (auch bekannt als Muramidase) in verschiedenen Körperflüssigkeiten. Dieses Enzym wird primär von Makrophagen und Monozyten gebildet und besitzt eine bakteriolytische Wirkung, die der lokalen Infektabwehr dient.

GOÄ 3793 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz

Die Bestimmung von Lysozym im Serum oder Plasma ist ein etabliertes Verfahren in der Hämatologie. Die wichtigste Indikation stellt der Verdacht auf eine akute monozytäre oder myelomonozytäre Leukämie dar. Ein signifikant erhöhter Wert, der das Dreifache des Referenzbereichs überschreitet, gilt hierbei als wegweisendes Diagnosekriterium.

Auch bei der chronischen myeloischen Leukämie (CML) lassen sich häufig erhöhte Konzentrationen nachweisen. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Abklärung einer vermuteten Sarkoidose, wenngleich die Lysozym-Bestimmung hier der sensitiveren ACE-Bestimmung nach GOÄ-Ziffer 3786 klinisch unterlegen ist.

Bei der Untersuchung von Urin steht die Diagnostik toxischer Schädigungen der Nierentubuli im Vordergrund. Hierbei kommt es typischerweise zu einem massiven Anstieg der Lysozym-Ausscheidung, was die Ziffer 3793 in diesem speziellen Kontext rechtfertigt.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3793

Fallbeispiel 1: Verdacht auf myelomonozytäre Leukämie

Ein Patient stellt sich mit unklarem Fieber, Gewichtsverlust und Splenomegalie vor. Im Differentialblutbild zeigen sich auffällige Monozytenzahlen. Zum Ausschluss einer myelomonozytären Leukämie veranlasst der Arzt die Bestimmung von Lysozym im Serum. Die Abrechnung erfolgt korrekt nach GOÄ-Ziffer 3793 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: V. a. toxische Tubulusschädigung

Nach einer hochdosierten Therapie mit nephrotoxischen Antibiotika zeigt ein Patient Anzeichen einer renalen Funktionsstörung. Zur Abklärung eines Schadens der Nierentubuli wird Lysozym im Urin bestimmt. Neben den Basiswerten wird die GOÄ 3793 für die Urinanalyse in Rechnung gestellt.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei bekannter Sarkoidose

Bei einem Patienten mit bekannter pulmonaler Sarkoidose soll die Krankheitsaktivität überwacht werden. Da die primäre ACE-Bestimmung nicht eindeutig war, wird ergänzend Lysozym im Serum bestimmt. Die Abrechnung der GOÄ 3793 erfolgt neben der GOÄ 3786 (ACE) zur umfassenden Beurteilung.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3793: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler liegt in der unkritischen Bestimmung von Lysozym im Urin zur Abklärung einer allgemeinen Proteinurie. Private Krankenversicherungen verweisen in solchen Fällen oft darauf, dass primär die Leitproteine Alpha-1- und Beta-2-Mikroglobulin nach GOÄ 3754 oder eine SDS-PAGE nach GOÄ 3764 indiziert gewesen wären. Die Lysozym-Bestimmung wird dann als medizinisch nicht notwendig eingestuft.

Achtung: Die Bestimmung von Lysozym in unüblichen Materialien wie Stuhl, Liquor oder Speichel besitzt keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz. Solche Analysen werden von Prüfstellen regelmäßig gestrichen, wenn keine detaillierte medizinische Begründung vorliegt.

Zudem ist zu beachten, dass die angewandte Labormethode (z. B. ELISA oder Turbidimetrie) keine Auswirkung auf die Ziffernauswahl hat. Der Versuch, für aufwendigere immunologische Verfahren eine andere, höher bewertete Ziffer anzusetzen, führt bei einer Rechnungsprüfung unweigerlich zur Beanstandung.

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Dokumentation der GOÄ 3793: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte muss die spezifische Fragestellung klar hervorgehen. Insbesondere bei der Verwendung von Probenmaterialien abseits von Serum und Urin is die klinische Notwendigkeit explizit zu begründen.

Da Lysozym bei Raumtemperatur eine geringe Stabilität aufweist, sollte auch der Zeitpunkt der Probenentnahme und der Probenaufbereitung dokumentiert werden. Dies sichert nicht nur die Qualität des Laborergebnisses, sondern belegt auch die fachgerechte Durchführung der Leistung.

Dokumentationsbeispiel: Verdacht auf akute myelomonozytäre Leukämie bei unklarem Blutbild. Entnahme von Vollblut um 08:30 Uhr, sofortige Zentrifugation und Separation des Serums zur Bestimmung von Lysozym nach GOÄ 3793.

GOÄ 3793: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M ist die Steigerung der GOÄ-Ziffer 3793 streng reglementiert. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig, wie beispielsweise extrem instabilen Probenverhältnissen oder schwierigen logistischen Bedingungen im Einzelfall, die schriftlich begründet werden müssen.

Tipp: Eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz muss stets patientenbezogen begründet werden. Allgemeine Floskeln wie "erhöhter Zeitaufwand" reichen bei Laborleistungen meist nicht aus.

Typische Ziffernkombinationen

Die Bestimmung von Lysozym wird häufig im Rahmen eines größeren hämatologischen oder nephrologischen Profils angefordert. Sinnvolle und zulässige Kombinationen umfassen das Differentialblutbild nach GOÄ-Ziffer 3530 sowie die Bestimmung von Kreatinin im Serum nach GOÄ-Ziffer 3584 zur Beurteilung der Nierenfunktion. Auch die Kombination mit der ACE-Bestimmung nach GOÄ 3786 ist bei Sarkoidose-Verdacht statthaft.

Ziffer 3793 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3793 (Lysozym) wird in der neuen GOÄ zur Nummer 12938. Titel: Lysozym z.B. Serum, Urin, Liquor, Stuhl. Der Festpreis liegt bei 20,95 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 8,04 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3793

Die Bestimmung von Lysozym nach GOÄ 3793 ist vor allem bei Verdacht auf akute monozytäre oder myelomonozytäre Leukämie sowie bei chronisch myeloischer Leukämie indiziert. Auch bei Verdacht auf toxische Tubulusschäden der Niere kann die Untersuchung im Urin sinnvoll sein. Für andere Probenmaterialien wie Stuhl oder Liquor ist eine zusätzliche medizinische Begründung erforderlich.
Für die GOÄ-Ziffer 3793 gilt als Laborleistung des Abschnitts M der Regelhöchstsatz von 1,15x (8,04 €). Ein Abweichen bis zum Höchstsatz von 1,3x (9,09 €) ist nur mit einer patientenbezogenen, medizinischen Begründung zulässig. Höhere Steigerungssätze über 1,3x hinaus sind für diese Ziffer ausgeschlossen.
Ja, die Bestimmung von Lysozym im Stuhl ist über die GOÄ-Ziffer 3793 abrechenbar. Da für diese Indikation jedoch keine ausreichend validen Daten vorliegen, verlangen private Krankenversicherungen in der Regel eine einzelfallbezogene Begründung der klinischen Notwendigkeit. Ohne diese Begründung droht eine Beanstandung der Rechnung.
Zur primären Abklärung einer tubulären Proteinurie wird die Bestimmung von Leitproteinen wie alpha-1- oder beta-2-Mikroglobulin nach GOÄ 3754 empfohlen. Alternativ kann eine SDS-Polyacrylamidgelelektrophorese (SDS-PAGE) nach GOÄ-Ziffer 3764 durchgeführt werden. Die Lysozym-Bestimmung im Urin ist für diese Fragestellung klinisch meist nachgelagert.
Nein, die angewandte Labormethode hat keinen Einfluss auf die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3793. Ob die Bestimmung mittels Turbidimetrie, Nephelometrie, Geldiffusionstest oder ELISA erfolgt, ist für die Gebührenhöhe unerheblich. Es wird in allen Fällen die Ziffer 3793 mit 120 Punkten berechnet.
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