GOÄ 3862: SS-B-Antikörper korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3862
Untersuchung auf Subformen antinukleärer und zytoplasmatischer Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese -SS-B-Antigen
Punktzahl 300  
Einfachsatz 17,49 € 1,0x
Regelhöchstsatz 20,11 € 1,1x
Höchstsatz 22,73 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3862

Untersuchung auf Subformen antinukleärer und zytoplasmatischer Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese -SS-B-Antigen

Die GOÄ-Ziffer 3862 beschreibt eine hochspezifische laboranalytische Leistung zur Identifikation von Autoantikörpern. Diese Untersuchung kommt zum Einsatz, wenn im Rahmen einer Stufendiagnostik differenzierte Aussagen über das Vorliegen bestimmter Autoimmunerkrankungen getroffen werden müssen. Die Methode des Ligandenassays mittels Immunoblot ermöglicht dabei eine präzise qualitative oder semiquantitative Bestimmung.

Im Leistungstext ist die eventuell notwendige Doppelbestimmung bereits abgegolten. Auch die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve darf nicht separat berechnet werden. Die Leistung ist dem Abschnitt M III der GOÄ zugeordnet, weshalb die besonderen Bestimmungen für Laborleistungen gelten.

GOÄ 3862 in der Praxis: Diagnostik des Sjögren-Syndroms und Kollagenosen

Die Bestimmung des SS-B-Antigens (auch bekannt als La-Antigen) ist ein zentraler Baustein in der Rheumatologie und klinischen Immunologie. Typischerweise erfolgt diese Untersuchung bei Patienten mit ausgeprägten Sicca-Symptomen wie Mund- und Augentrockenheit. Der Nachweis von SS-B-Antikörpern stützt maßgeblich die Diagnose eines primären oder sekundären Sjögren-Syndroms.

Darüber hinaus ist die Ziffer bei Verdacht auf einen systemischen Lupus erythematodes (SLE) oder bei schwangeren Patientinnen mit bekannten Kollagenosen zur Risikoabschätzung eines neonatalen Lupus-Syndroms indiziert. Die Abgrenzung zu anderen Antikörpern erfolgt über die jeweils spezifischen GOÄ-Ziffern. Eine routinemäßige Bestimmung ohne vorherigen positiven ANA-Suchtest ist medizinisch meist nicht begründbar.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3862

Fallbeispiel 1: Verdacht auf primäres Sjögren-Syndrom

Eine Patientin stellt sich mit chronischer Xerostomie und Keratoconjunctivitis sicca vor. Der zuvor durchgeführte ANA-Suchtest war positiv. Zur weiteren Differenzierung veranlasst der behandelnde Arzt die Bestimmung von SS-B-Antikörpern mittels Immunoblot. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3862 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: Abklärung eines kutanen Lupus erythematodes

Ein Patient zeigt typische Hautveränderungen im Gesichtsbereich sowie Gelenkbeschwerden. Im Labor soll das Vorliegen spezifischer Autoantikörper abgeklärt werden. Neben anderen Parametern wird das SS-B-Antigen bestimmt. Die Abrechnung der Ziffer 3862 ist neben den Ziffern für andere Antigene (z. B. SS-A) zulässig, sofern diese getrennt erbracht und auf der Rechnung einzeln ausgewiesen werden.

Fallbeispiel 3: Vorgeburtliche Diagnostik bei bekannter Kollagenose

Bei einer schwangeren Patientin mit bekannter Mischkollagenose wird zur Einschätzung des fetalen Risikos für einen kongenitalen Herzblock die Konzentration der SS-B-Antikörper bestimmt. Die Indikation ist durch die Schwangerschaft und die Vorerkrankung gegeben. Die Leistung wird nach GOÄ 3862 liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3862: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Liquidation dieser Ziffer ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Die GOÄ schreibt explizit vor, dass die untersuchten Parameter genannt werden müssen. Fehlt die Angabe "SS-B-Antigen" oder "La-Antigen", kann dies zur Zurückweisung der Rechnung durch private Krankenversicherungen führen.

Zudem beanstanden Prüfstellen regelmäßig die unzulässige Nebeneinanderberechnung von unterschiedlichen methodischen Verfahren für denselben Analyten am selben Tag. Wenn das SS-B-Antigen bereits mittels ELISA bestimmt wurde, kann nicht am selben Tag zusätzlich ein Immunoblot nach Ziffer 3862 für denselben Parameter abgerechnet werden.

Achtung: Die Abrechnung von Laborleistungen des Abschnitts M unterliegt strengen Höchstwertregelungen. Achten Sie darauf, dass bei umfangreichen Laborprofilen die zulässigen Höchstbeträge nicht überschritten werden.

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Dokumentation der GOÄ 3862: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist die beste Absicherung gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, der Verweis auf den vorausgegangenen Suchtest sowie das konkrete Testergebnis dokumentiert sein. Auch die angewandte Methode (z. B. Immunoblot) sollte festgehalten werden.

Für die Abrechnung ist es ratsam, den Laborbefund direkt mit der elektronischen Patientenakte zu verknüpfen. Dies erleichtert im Falle einer Nachfrage durch die Beihilfe den schnellen Nachweis der medizinischen Notwendigkeit.

Dokumentation: V. a. Sjögren-Syndrom bei ausgeprägter Sicca-Symptomatik. ANA-Suchtest positiv. Durchführung Immunoblot auf SS-B-Antigen (La). Ergebnis: positiv. Methode: Ligandenassay.

Tipp: Vermerken Sie bei der Anforderung im Laborbuch stets das konkrete Verdachtsmoment, um bei eventuellen Wirtschaftlichkeitsprüfungen sofort aussagekräftig zu sein.

GOÄ 3862: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da es sich um eine Leistung des Abschnitts M handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in begründeten Einzelfällen möglich. Als Begründung für eine Schwellenwertüberschreitung kommen ein ungewöhnlich hoher technischer Aufwand oder schwierige Probenverhältnisse (z. B. stark lipämisches Serum) infrage.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ-Ziffer 3862 wird sehr häufig mit der Bestimmung anderer extrahierbarer nukleärer Antigene (ENA) kombiniert. Typische Partnerziffern sind die Bestimmungen von SS-A-Antikörpern oder anderen Subformen. Wichtig ist, dass jede erbrachte Spezialuntersuchung als eigene Ziffer aufgeführt und der jeweilige Parameter eindeutig benannt wird.

Ziffer 3862 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3862 (Untersuchung auf Subformen antinukleärer und zytoplasmatischer Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese -SS-B-Antigen) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 11223: SS-B/La-Antigen, IA Autoantikörpernachweis. Der Festpreis liegt bei 15,04 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 20,11 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3862

Die GOÄ-Ziffer 3862 darf bei der gezielten Untersuchung auf SS-B-Antikörper mittels Ligandenassay abgerechnet werden. Typische Indikationen sind der Verdacht auf ein Sjögren-Syndrom oder systemischen Lupus erythematodes nach einem positiven ANA-Suchtest.
Für die GOÄ-Ziffer 3862 gilt als Laborleistung des Abschnitts M der Regelhöchstsatz von 1,15-fach. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3-fach ist nur mit einer patientenspezifischen, medizinischen Begründung zulässig.
Ja, die Angabe des konkret untersuchten Parameters ist laut Leistungsbeschreibung zwingend erforderlich. Auf der Liquidation muss daher beispielsweise die Bezeichnung 'SS-B-Antigen' oder 'La-Antigen' aufgeführt werden.
Ja, die gemeinsame Abrechnung ist zulässig, wenn verschiedene Antigene wie SS-B (3862) und SS-A (3863) getrennt untersucht werden. Beide Parameter müssen auf der Rechnung einzeln ausgewiesen werden.
Ja, eine eventuell erforderliche Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve sind bereits mit der Gebühr abgegolten. Diese Leistungen dürfen nicht separat in Rechnung gestellt werden.
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