Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3861
Untersuchung auf Subformen antinukleärer und zytoplasmatischer Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese -SS-A-Antigen
Die GOÄ-Ziffer 3861 beschreibt eine hochspezialisierte Laborleistung zur Identifikation von SS-A-Antikörpern (auch bekannt als Ro-Antikörper). Diese Untersuchung wird mittels moderner Ligandenassays wie dem Immunoblot durchgeführt. Die Methode erlaubt eine präzise Differenzierung innerhalb der Gruppe der antinukleären Antikörper (ANA).
In der Leistungsbeschreibung ist explizit verankert, dass eine eventuelle Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve bereits mit der Gebühr abgegolten sind. Eine separate Berechnung dieser Teilschritte ist daher unzulässig. Zudem gilt die strenge Vorgabe, dass die untersuchten Parameter auf der Liquidation einzeln angegeben werden müssen.
GOÄ 3861 in der Praxis: Indikation und klinischer Nutzen
Die Bestimmung von SS-A-Antikörpern nach GOÄ 3861 ist ein zentraler Baustein in der Rheumatologie und klinischen Immunologie. Die wichtigste Indikation für diese Untersuchung ist der klinische Verdacht auf ein Sjögren-Syndrom oder einen systemischen Lupus erythematodes (SLE). Auch bei Patientinnen mit bekannter Kollagenose und Kinderwunsch ist die Bestimmung aufgrund des Risikos eines neonatalen Lupus-Syndroms essenziell.
In der Praxis erfolgt die Anforderung der GOÄ 3861 meist nach einem positiven Suchtest auf antinukleäre Antikörper (ANA). Während der Suchtest (z. B. nach GOÄ 3858) die allgemeine Präsenz von Autoantikörpern anzeigt, dient die Ziffer 3861 der Feindifferenzierung. Sie liefert dem behandelnden Arzt somit die entscheidenden Details für eine gesicherte Diagnose.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3861
Fallbeispiel 1: Verdacht auf primäres Sjögren-Syndrom
Eine 45-jährige Patientin stellt sich mit ausgeprägter Mund- und Augentrockenheit (Sicca-Symptomatik) vor. Nach einem positiven ANA-Screening veranlasst der Arzt die Differenzierung der Subformen. Die Bestimmung der SS-A-Antikörper wird durchgeführt und liefert ein positives Ergebnis. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3861 zum Regelhöchstsatz (1,15-fach) mit der medizinischen Begründung des Verdachts auf Sjögren-Syndrom.
Fallbeispiel 2: Abklärung bei systemischem Lupus erythematodes (SLE)
Ein Patient zeigt typische Hautveränderungen im Gesicht (Schmetterlingserythem) und klagt über Gelenkschmerzen. Zur weiteren immunologischen Abklärung wird ein umfassendes ENA-Profil angefordert. Neben anderen Parametern erfolgt die Bestimmung der SS-A-Antikörper. Die Abrechnung der GOÄ 3861 erfolgt neben den weiteren spezifischen Antikörper-Ziffern, wobei jeder Parameter auf der Rechnung einzeln ausgewiesen wird.
Fallbeispiel 3: Schwangerschaftsvorsorge bei bekannter Kollagenose
Bei einer schwangeren Patientin mit bekannter Mischkollagenose soll das Risiko für einen angeborenen fetalen Herzblock abgeklärt werden. Hierzu ist die Bestimmung der mütterlichen SS-A- und SS-B-Antikörper medizinisch notwendig. Die Bestimmung der SS-A-Antikörper wird über die GOÄ-Ziffer 3861 liquidiert, da der Nachweis dieser Antikörper für das neonatale Risiko prädiktiv ist.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3861: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Liquidation der GOÄ 3861 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen Erstattungen regelmäßig, wenn lediglich die Ziffer ohne den Zusatz "SS-A-Antigen" oder "SS-A-Antikörper" aufgeführt ist. Die Rechnungstransparenz ist hier ein striktes formales Kriterium.
Ein weiterer Fallstrick betrifft die unzulässige Doppelabrechnung. Wird derselbe Parameter aus derselben Probe mehrfach bestimmt, darf die Ziffer dennoch nur einmal angesetzt werden. Zudem müssen die allgemeinen Höchstwertregelungen für Laborleistungen im Rahmen von Gemeinschaftslabor-Abrechnungen beachtet werden, um Honorarkürzungen zu vermeiden.
Achtung: Die Angabe des untersuchten Parameters (z. B. "SS-A-Antigen") auf der Liquidation ist gemäß den Bestimmungen der GOÄ zwingend erforderlich. Fehlt dieser Zusatz, ist die Rechnung formal fehlerhaft und der Erstattungsanspruch gefährdet.
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Dokumentation der GOÄ 3861: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schutzschild gegen Honorarrückforderungen. In der Patientenakte muss die Indikation für die Spezialuntersuchung klar erkennbar sein. Dazu gehören dokumentierte Symptome wie Gelenkbeschwerden, Sicca-Symptomatik oder vorausgegangene auffällige Laborbefunde wie ein erhöhter ANA-Titer.
Der Laborbericht selbst muss als physisches oder digitales Dokument dauerhaft in den Krankenunterlagen archiviert werden. Aus dem Befund müssen die angewandte Methode (z. B. Immunoblot) sowie das quantitative oder qualitative Ergebnis eindeutig hervorgehen. Dies sichert die Abrechnungsbegründung bei eventuellen Wirtschaftlichkeitsprüfungen ab.
Dokumentation: V. a. Sjögren-Syndrom bei ausgeprägter Xerostomie. Laborauftrag erteilt für ENA-Differenzierung. Befund vom 15.10.2023: SS-A-Antikörper positiv (Immunoblot). Befundbericht in Akte hinterlegt.
GOÄ 3861: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Laborleistungen des Abschnitts M sind in ihrer Steigerbarkeit stark reglementiert. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz, der maximale Höchstsatz bei dem 1,3-fachen Satz. Eine Faktorerhöhung auf 1,3 ist nur in seltenen Ausnahmefällen zulässig und erfordert eine detaillierte, patientenbezogene Begründung auf der Rechnung.
Gründe für eine Steigerung können beispielsweise ein extrem hoher zeitlicher Aufwand bei schwierigen Probenverhältnissen (z. B. stark lipämisches Serum) oder eine dringend erforderliche Notfallanalytik außerhalb der regulären Arbeitszeiten sein. Allgemeine Floskeln wie "erhöhter Zeitaufwand" reichen als Begründung meist nicht aus.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 3861 wird selten isoliert angefordert. Typischerweise erfolgt die Abrechnung in Kombination mit der GOÄ-Ziffer 3858 für den vorausgehenden ANA-Suchtest. Auch die parallele Bestimmung weiterer ENA-Subformen wie SS-B-Antikörper (oft über analoge Ziffern oder spezifische Nachbarziffern) ist im Rahmen einer differenzierten Autoimmundiagnostik die Regel.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination mehrerer Speziallabor-Ziffern an einem Behandlungstag darauf, dass die medizinische Notwendigkeit für jeden einzelnen Parameter separat aus der Dokumentation hervorgeht. Dies beugt systematischen Kürzungen durch Kostenträger effektiv vor.
Ziffer 3861 in der neuen GOÄ
Die Ziffer 3861 (Untersuchung auf Subformen antinukleärer und zytoplasmatischer Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese -SS-A-Antigen) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 11222: SS-A/Ro-Antigen, IA Autoantikörpernachweis. Der Festpreis liegt bei 16,43 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 20,11 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3861
Was hat nicht gestimmt?