GOÄ 3858: Histon-Antikörper richtig abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3858
Untersuchung auf Subformen antinukleärer und zytoplasmatischer Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese -Histone
Punktzahl 300  
Einfachsatz 17,49 € 1,0x
Regelhöchstsatz 20,11 € 1,1x
Höchstsatz 22,73 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind auf der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3858

Untersuchung auf Subformen antinukleärer und zytoplasmatischer Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese - Histone

Die GOÄ-Ziffer 3858 beschreibt eine hochspezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Immunologie. Sie umfasst den Nachweis von Histon-Antikörpern, die zu den Subformen der antinukleären Antikörper (ANA) gehören. Die methodische Durchführung ist auf den Immunoblot oder die Überwanderungselektrophorese mittels Ligandenassay festgelegt.

In der Gebühr sind eventuelle Doppelbestimmungen sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve bereits enthalten. Eine wichtige formale Vorgabe der Leistungsbeschreibung ist, dass die konkret untersuchten Parameter auf der Liquidation zwingend anzugeben sind.

GOÄ 3858 in der Praxis: Diagnostik des medikamenteninduzierten Lupus

Die klinische Hauptindikation für die Bestimmung von Histon-Antikörpern nach GOÄ 3858 ist der Verdacht auf einen medikamenteninduzierten Lupus erythematodes (DILE). Diese Autoimmunreaktion kann durch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Procainamid, Hydralazin oder Isoniazid ausgelöst werden. Die Abgrenzung zum klassischen, idiopathischen systemischen Lupus erythematodes (SLE) ist klinisch oft schwierig, aber therapeutisch von entscheidender Bedeutung.

Während beim klassischen SLE eine Vielzahl unterschiedlicher Autoantikörper vorliegen kann, zeigen über 90 Prozent der Patienten mit einem medikamenteninduzierten Lupus ausschließlich positive Histon-Antikörper. Die gezielte Anforderung dieser Ziffer ist daher ein zentraler Baustein in der differenzialdiagnostischen Abklärung.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3858

Fallbeispiel 1: Verdacht auf medikamenteninduzierten Lupus

Ein Patient stellt sich mit Gelenkschmerzen, Fieber und einem kutanen Exanthem vor. Seit mehreren Monaten nimmt der Patient Hydralazin zur Blutdruckeinstellung ein. Zur Abklärung eines Verdachts auf medikamenteninduzierten Lupus veranlasst der Arzt die Bestimmung der Histon-Antikörper. Die Abrechnung erfolgt korrekt mit der GOÄ-Ziffer 3858 neben den erforderlichen Basislaborwerten.

Fallbeispiel 2: Differenzialdiagnose bei positivem ANA-Suchtest

Bei einer Patientin wurde im Rahmen eines allgemeinen Screenings ein erhöhter ANA-Titer festgestellt. Zur genaueren Differenzierung zwischen einem systemischen Lupus erythematodes und einer medikamenteninduzierten Form wird die Bestimmung von Histon-Antikörpern sowie von Anti-dsDNA-Antikörpern beauftragt. Der Arzt rechnet für die Histon-Bestimmung die GOÄ 3858 ab und führt den spezifischen Parameter auf der Rechnung auf.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle nach Absetzen des Auslösers

Nach der Diagnosesicherung eines medikamenteninduzierten Lupus wurde das verdächtige Medikament abgesetzt. Nach drei Monaten erfolgt eine Kontrolluntersuchung zur Überprüfung des Antikörpertiters. Die erneute Bestimmung der Histon-Antikörper wird über die GOÄ-Ziffer 3858 liquidiert, um den Rückgang der immunologischen Aktivität zu dokumentieren.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3858: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste formale Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3858 ist das Versäumnis, den konkreten Parameter auf der Rechnung zu nennen. Die reine Angabe der Ziffernummer ohne den Zusatz wie beispielsweise 'Histon-Antikörper' widerspricht den Vorgaben der Rechnungslegung nach § 12 GOÄ. Dies führt regelmäßig zu Beanstandungen und Verzögerungen bei der Erstattung durch private Krankenversicherungen.

Ein weiterer Fehler betrifft die Beachtung der Ausschlusskriterien innerhalb der Laborgemeinschaften und Speziallabore. Die Ziffer darf nicht mehrfach für denselben Parameter am selben Tag abgerechnet werden, selbst wenn verschiedene Testkits zum Einsatz kamen.

Achtung: Die Angabe des konkreten Parameters auf der Liquidation ist eine zwingende formale Voraussetzung. Fehlt diese Angabe, ist die Rechnung nicht fällig und kann vom Kostenträger rechtmäßig zurückgewiesen werden.

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Dokumentation der GOÄ 3858: Praxisbewährte Hinweise

Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine vollständige Dokumentation in der Patientenakte unerlässlich. Neben dem Laborbefund selbst müssen die medizinische Indikation und der klinische Kontext klar hervorgehen. Dies gilt insbesondere für die Dokumentation der eingenommenen Medikation, die den Verdacht auf einen medikamenteninduzierten Lupus begründet.

Im Falle von Rückfragen durch den Medizinischen Dienst oder private Versicherungen dient die Akte als primäre Beweissicherung. Der dokumentierte Verlauf der Symptomatik stützt die Notwendigkeit der Spezialuntersuchung.

Dokumentation: Verdacht auf medikamenteninduzierten Lupus erythematodes bei laufender Therapie mit Isoniazid. Indikation zur Bestimmung von Histon-Antikörpern mittels Immunoblot gestellt. Laborbefund archiviert, Parameter auf Rechnung ausgewiesen.

GOÄ 3858: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M III (Speziallabor) unterliegt die GOÄ-Ziffer 3858 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Die Steigerungsfähigkeit ist standardmäßig auf den 1,15-fachen Regelhöchstsatz begrenzt. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen möglich, beispielsweise bei extrem schwierigen Testbedingungen oder unklaren Grenzwerten, die eine aufwendige manuelle Nachbereitung erfordern.

Typische Ziffernkombinationen

Sinnvolle Ziffernkombinationen ergeben sich meist aus der immunologischen Stufendiagnostik. Häufig wird die GOÄ 3858 zusammen mit der GOÄ 3853 (ANA-Suchtest) oder anderen spezifischen Antikörpertests wie der GOÄ 3855 (Anti-dsDNA-Antikörper) kombiniert. Dabei ist stets darauf zu achten, dass keine unzulässigen Doppelabrechnungen für methodisch identische Leistungen aus derselben Probe erfolgen.

Tipp: Dokumentieren Sie bei einer gewünschten Steigerung über den Faktor 1,15 hinaus die konkreten laborpraktischen Besonderheiten detailliert, um die Akzeptanz der Begründung bei den privaten Krankenversicherungen zu erhöhen.

Ziffer 3858 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3858 (Untersuchung auf Subformen antinukleärer und zytoplasmatischer Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese -Histone) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 11196: Histone, IA Autoantikörpernachweis. Der Festpreis liegt bei 15,08 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 20,11 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3858

Mit der GOÄ-Ziffer 3858 wird die Untersuchung auf Histon-Antikörper mittels Immunoblot oder Überwanderungselektrophorese abgerechnet. Diese Analyse dient primär dem Nachweis eines medikamenteninduzierten Lupus erythematodes. Die Angabe des untersuchten Parameters auf der Rechnung ist dabei obligatorisch.
Der Regelhöchstsatz für die GOÄ-Ziffer 3858 beträgt 20,11 Euro bei Anwendung des 1,15-fachen Steigerungssatzes. Der einfache Gebührensatz liegt bei 17,49 Euro. Eine Steigerung über den Regelsatz hinaus ist nur mit einer schriftlichen Begründung bis zum 1,3-fachen Satz möglich.
Bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3858 müssen die konkret untersuchten Parameter zwingend auf der Rechnung angegeben werden. Ohne diese spezifische Nennung, beispielsweise als 'Histon-Antikörper', ist die Rechnung nicht formal korrekt. Dies kann zu Erstattungsverweigerungen durch die Kostenträger führen.
Ja, die GOÄ-Ziffer 3858 kann neben einem allgemeinen ANA-Suchtest wie der GOÄ 3853 abgerechnet werden, sofern eine entsprechende klinische Indikation vorliegt. Der Suchtest dient der allgemeinen Orientierung, während die Ziffer 3858 die gezielte Differenzierung darstellt. Beide Leistungen müssen medizinisch begründet und dokumentiert sein.
Die GOÄ-Ziffer 3858 gehört zum Abschnitt M III der GOÄ und darf maximal bis zum 1,3-fachen Satz gesteigert werden. Der Höchstsatz beträgt in diesem Fall 22,73 Euro. Jede Überschreitung des Regelhöchstsatzes von 1,15 erfordert eine nachvollziehbare, patientenbezogene Begründung auf der Liquidation.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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