Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3868
Untersuchung auf Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Azetylcholinrezeptoren
Die GOÄ-Ziffer 3868 beschreibt eine hochspezifische Laboruntersuchung aus dem Bereich der Speziallabor-Diagnostik. Ziel dieser Untersuchung ist der quantitative oder qualitative Nachweis von Autoantikörpern gegen Azetylcholinrezeptoren. Diese Analyse erfolgt mittels eines modernen Ligandenassays, wie beispielsweise einem Radioimmunassay (RIA) oder einem Enzym-Allergo-Sorbent-Test (EAST).
In der Leistungsbeschreibung ist explizit verankert, dass eine eventuell notwendige Doppelbestimmung bereits mit der Gebühr abgegolten ist. Auch die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve darf nicht gesondert berechnet werden. Der Verordnungsgeber schreibt zudem vor, dass die untersuchten Parameter zwingend auf der Rechnung anzugeben sind.
GOÄ 3868 in der Praxis: Diagnostik der Myasthenia gravis
Die klinische Hauptindikation für die Bestimmung der Azetylcholinrezeptor-Antikörper ist der dringende Verdacht auf eine Myasthenia gravis. Diese chronische Autoimmunerkrankung führt zu einer gestörten neuromuskulären Übertragung, die sich klinisch in einer pathologischen Muskelschwäche äußert. Der Nachweis dieser spezifischen Antikörper gilt in der Neurologie als diagnostischer Goldstandard.
Typische Symptome, die eine Untersuchung nach GOÄ 3868 rechtfertigen, sind eine belastungsabhängige Ptosis, Doppelbilder oder bulbäre Symptome wie Schluckstörungen. Auch bei der Abgrenzung zu anderen neurologischen Krankheitsbildern wie dem Lambert-Eaton-Syndrom leistet dieser Test wertvolle Dienste. Die quantitative Bestimmung eignet sich zudem für die Verlaufskontrolle unter einer immunsuppressiven Therapie.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3868
Fallbeispiel 1: Erstdiagnostik bei okulärer Symptomatik
Ein Patient stellt sich mit einer seit Wochen zunehmenden, abends verstärkten Ptosis und fluktuierenden Doppelbildern vor. Zur Abklärung einer okulären Myasthenie veranlasst der behandelnde Neurologe die Bestimmung der Azetylcholinrezeptor-Antikörper. Die Abrechnung erfolgt nach der GOÄ-Ziffer 3868 zum Regelsatz, da keine analytischen Besonderheiten vorlagen. Die medizinische Begründung in der Akte stützt sich auf die klinische Verdachtsdiagnose.
Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle unter Therapie
Bei einer bekannten Myasthenie-Patientin soll der Erfolg einer neu eingeleiteten immunsuppressiven Therapie überprüft werden. Hierzu wird der Antikörpertiter im Serum erneut bestimmt, um einen potenziellen Abfall der Antikörperkonzentration zu dokumentieren. Die Laborleistung wird korrekt mit der Ziffer 3868 liquidiert. Als Begründung dient die therapeutische Verlaufskontrolle bei gesicherter Diagnose.
Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik bei generalisierter Schwäche
Eine Patientin leidet unter einer progredienten, proximal betonten Muskelschwäche der Extremitäten ohne sensorische Defizite. Zum Ausschluss einer generalisierten Myasthenia gravis wird das Serum auf Azetylcholinrezeptor-Antikörper untersucht. Die Abrechnung der GOÄ 3868 erfolgt regelkonform mit dem Faktor 1,15. Die Dokumentation sichert die medizinische Notwendigkeit der differenzialdiagnostischen Abklärung ab.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3868: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger formaler Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3868 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Die GOÄ verlangt ausdrücklich die Nennung des untersuchten Parameters, also der Azetylcholinrezeptor-Antikörper. Fehlt dieser Zusatz, führt dies regelmäßig zu Beanstandungen und Erstattungsverweigerungen durch private Krankenversicherungen.
Ein weiterer Streitpunkt ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von allgemeinen Suchtests und hochspezifischen Einzelbestimmungen aus derselben Probe. Zudem versuchen Prüfstellen oft, die Abrechnung zu kürzen, wenn eine Doppelbestimmung fälschlicherweise als separate Leistung deklariert wurde. Diese ist jedoch, wie im Leistungstext definiert, bereits mit der Ziffer 3868 abgegolten.
Achtung: Die Angabe des konkreten Parameters (Azetylcholinrezeptor-Antikörper) auf der Liquidation ist zwingend erforderlich. Fehlt dieser Hinweis, kann die Erstattung durch die private Krankenversicherung verweigert werden.
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Dokumentation der GOÄ 3868: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche und honorarsichere Abrechnung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation und die spezifischen Symptome des Patienten detailliert festgehalten werden. Auch die Laborergebnisse inklusive der Referenzwerte und der verwendeten Methodik gehören in die Dokumentation.
Für die Rechtssicherheit gegenüber den Kostenträgern ist es ratsam, die Rohdaten des Ligandenassays im Labor-Informations-System zu hinterlegen. Dies gilt insbesondere für die Dokumentation der Bezugskurven und der Qualitätskontrollen. So kann bei einer nachträglichen Prüfung die ordnungsgemäße Durchführung jederzeit lückenlos nachgewiesen werden.
Tipp: Archivieren Sie die Rohdaten des Ligandenassays sowie die dazugehörige Bezugskurve systematisch im Labor-Informations-System (LIS), um bei Rückfragen von Kostenträgern sofort auskunftsfähig zu sein.
Dokumentation: Indikation: V.a. Myasthenia gravis bei progredienter Ptosis. Durchführung Ligandenassay auf AChR-Antikörper gemäß GOÄ 3868. Ergebnis: Positiv (Titer 1,5 nmol/l, Referenzwert < 0,4 nmol/l). Bezugskurve und Doppelbestimmung dokumentiert im LIS.
GOÄ 3868: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 3868 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, unterliegt sie einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt hier bei 1,15-fach, während der maximale Höchstsatz 1,3-fach beträgt. Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15 hinaus ist nur in seltenen, medizinisch begründeten Ausnahmefällen zulässig.
Als Begründung für einen erhöhten Multiplikator kommen beispielsweise schwierige Probenverhältnisse wie stark lipämische oder ikterische Seren infrage. Auch ein ungewöhnlich hoher analytischer Aufwand durch störende Begleitsubstanzen kann eine Faktorerhöhung rechtfertigen. Die Begründung muss stets patienten- und fallspezifisch auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 3868 häufig mit anderen laborchemischen Ziffern kombiniert, um ein umfassendes diagnostisches Bild zu erhalten. Sinnvoll ist oft die gleichzeitige Bestimmung von Antikörpern gegen titinspezifische Antigene oder muskelspezifische Rezeptortyrosinkinase (MuSK). Diese ergänzenden Untersuchungen müssen jedoch eigenständig medizinisch begründet und separat codiert werden.
Ziffer 3868 in der neuen GOÄ
An die Stelle der alten Ziffer 3868 (Untersuchung auf Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Azetylcholinrezeptoren) treten in der neuen GOÄ 7 spezifische Leistungen (bisher beim 2,3-fachen Satz: 30,16 €). Welche zutrifft, hängt von Analyt und Methode ab:
- 11181 Asialoglykoprotein-Rezeptor, IA Autoantikörpernachweis (24,37 €) – bei: ASGR AK bestimmung per ELISA oder Ligandenassay
- 11185 Bullöses Pemphigoid-Antigen (z.B. BPAG2), IA Autoantikörpernachweis (23,49 €) – bei: BP180 oder BPAG2 AK ELISA als Einzeluntersuchung
- 11186 Calciumkanal (Typ N, Typ P/Q), je Typ, IA Autoantikörpernachweis (27,78 €) – bei: Calciumkanal AK Typ N oder P Q je Typ
- 11188 Citrullinierte Peptide und/oder Proteine (ACPA), IA Autoantikörpernachweis (z.B. CCP, CPA, MCV) (19,94 €) – bei: Anti CCP ACPA ELISA oder Ligandenassay
- 11194 Glutamat-Decarboxylase (GAD), IA Autoantikörpernachweis (22,44 €) – bei: GAD65 AK per Ligandenassay
- 11195 Glykoprotein 210 (gp210), IA Autoantikörpernachweis (22,60 €) – bei: Anti gp210 ELISA oder Ligandenassay
- 11182 Azetylcholinrezeptor (AChR), IA Autoantikörpernachweis (46,48 €) (alle übrigen Fälle)
Die Bandbreite reicht von 19,94 € bis 46,48 € — die Dokumentation des Analyten entscheidet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3868
Was hat nicht gestimmt?