GOÄ 3869: Cardiolipin-Antikörper korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3869
Untersuchung auf Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Cardiolipin (IgG- oder IgM-Fraktion), je Fraktion
Punktzahl 450  
Einfachsatz 26,23 € 1,0x
Regelhöchstsatz 30,16 € 1,1x
Höchstsatz 34,10 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3869

Untersuchung auf Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Cardiolipin (IgG- oder IgM-Fraktion), je Fraktion

Die GOÄ-Ziffer 3869 beschreibt eine hochspezifische Laboruntersuchung aus dem Bereich der Immunologie. Mithilfe eines Ligandenassays (in der Praxis meist ein ELISA-Verfahren) wird das Serum des Patienten auf Antikörper gegen Cardiolipin untersucht. Diese Antikörper gehören zur Gruppe der Antiphospholipid-Antikörper.

Die Leistungsbeschreibung stellt klar, dass eine eventuell notwendige Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve bereits mit der Gebühr abgegolten sind. Eine separate Berechnung dieser Teilschritte ist daher ausgeschlossen. Zudem gilt die Vorgabe, dass die untersuchten Parameter auf der Liquidation zwingend anzugeben sind.

GOÄ 3869 in der Praxis: Diagnostik des Antiphospholipidsyndroms

Die Bestimmung von Cardiolipin-Antikörpern ist ein zentraler Baustein in der Diagnostik des Antiphospholipidsyndroms (APS). Dieses Krankheitsbild ist durch ein erhöhtes Risiko für arterielle und venöse Thrombosen sowie Schwangerschaftskomplikationen gekennzeichnet. Die klinische Indikation zur Abrechnung der GOÄ 3869 ist daher eng mit diesen Verdachtsdiagnosen verknüpft.

Typische klinische Szenarien umfassen junge Patienten mit unklaren thrombotischen Ereignissen oder Schlaganfällen ohne klassische Risikofaktoren. Auch bei Frauen mit wiederholten, medizinisch nicht erklärbaren Fehlgeburten ist die Untersuchung medizinisch notwendig. Die Bestimmung erfolgt differenziert nach der IgG- und IgM-Fraktion, da beide Isotypen unterschiedliche prognostische Bedeutungen haben können.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3869

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Antiphospholipidsyndrom bei Thrombose

Ein 34-amerikanischer Patient stellt sich nach einer tiefen Beinvenenthrombose ohne erkennbare Risikofaktoren zur Abklärung vor. Zum Ausschluss eines APS veranlasst der Arzt die Bestimmung der Cardiolipin-Antikörper für beide Fraktionen. Im Labor werden sowohl IgG- als auch IgM-Antikörper mittels ELISA bestimmt. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3869 zweimal, da beide Fraktionen getrennt untersucht und auf der Rechnung ausgewiesen wurden.

Fallbeispiel 2: Abklärung habitueller Aborte

Eine 31-jährige Patientin mit drei aufeinanderfolgenden Fehlgeburten im ersten Trimenon wird immunologisch untersucht. Neben anderen Parametern erfolgt die Bestimmung der Cardiolipin-Antikörper (IgG). Die medizinische Notwendigkeit ist durch die gynäkologische Anamnese gegeben. Die Abrechnung erfolgt einfach über die GOÄ 3869 mit der Angabe "Cardiolipin-Antikörper IgG" auf der Rechnung.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei bekanntem Lupus erythematodes

Bei einer Patientin mit bekanntem systemischen Lupus erythematodes (SLE) treten neue neurologische Symptome auf. Zur Überprüfung einer sekundären APS-Aktivität wird die Bestimmung der Cardiolipin-Antikörper (IgM) angefordert. Die Dokumentation der Grunderkrankung und Symptomatik begründet die Indikation. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer 3869 unter Angabe des Parameters.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3869: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3869 ist das Fehlen der genauen Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen die Erstattung regelmäßig, wenn nicht explizit "IgG-Fraktion" oder "IgM-Fraktion" angegeben ist. Die bloße Nennung von "Cardiolipin-Antikörper" reicht für eine korrekte Liquidation nicht aus.

Ein weiterer Streitpunkt ist die unzulässige Doppelabrechnung derselben Fraktion aus einer einzigen Blutprobe. Nur wenn tatsächlich verschiedene Fraktionen (also IgG und IgM getrennt) untersucht wurden, ist die Ziffer mehrfach ansetzbar. Die zeitgleiche Abrechnung von unspezifischen Suchtests neben der spezifischen Ligandenassay-Bestimmung wird von Prüfern ebenfalls beanstandet.

Achtung: Achten Sie penibel darauf, dass bei einer Mehrfachabrechnung der Ziffer 3869 am selben Behandlungstag die jeweiligen Fraktionen (IgG/IgM) als separate Zeilen auf der Rechnung aufgeführt werden.

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Dokumentation der GOÄ 3869: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Mittel, um Honorarkürzungen erfolgreich abzuwehren. In der Patientenakte müssen die klinische Verdachtsdiagnose (z. B. Verdacht auf APS, Thrombophilie-Abklärung) und die Indikation klar dokumentiert sein. Auch der schriftliche Laborbefund mit den exakten quantitativen oder qualitativen Ergebnissen gehört in die Akte.

Zusätzlich sollte dokumentiert werden, welche Testmethode angewandt wurde, um im Zweifelsfall den Ligandenassay nachweisen zu können. Bei einer Steigerung des Gebührensatzes müssen die besonderen Umstände der Untersuchung direkt in der Dokumentation verankert sein. Dies erleichtert die spätere Begründung auf der Rechnung erheblich.

Dokumentation: V. a. Antiphospholipidsyndrom bei rezidivierender Thrombophlebitis. Blutentnahme zur Bestimmung von Cardiolipin-AK (IgG und IgM) mittels ELISA. Befund: IgG-Fraktion negativ (3 GPL-U/ml), IgM-Fraktion grenzwertig (11 MPL-U/ml).

GOÄ 3869: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da es sich bei der GOÄ 3869 um eine Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) handelt, ist der Spielraum für Steigerungen begrenzt. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15, der maximale Höchstsatz bei 1,3. Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15 hinaus erfordert eine schriftliche Begründung auf der Rechnung.

Gründe für eine Überschreitung des Regelsatzes können ein ungewöhnlich hoher technischer Aufwand oder schwierige Probenverhältnisse (z. B. stark lipämisches oder hämolytisches Serum) sein. Auch eine extrem dringliche Notfallanalyse außerhalb der regulären Laborzeiten kann in Ausnahmefällen eine Steigerung rechtfertigen.

Typische Ziffernkombinationen

In der Praxis wird die GOÄ 3869 selten isoliert abgerechnet. Häufig erfolgt die Kombination mit anderen Ziffern zur Thrombophilie- oder Autoimmundiagnostik. Sinnvoll und zulässig ist die gemeinsame Abrechnung mit der GOÄ 3871 (Beta-2-Glykoprotein-Antikörper) oder der Bestimmung des Lupus-Antikoagulans.

Tipp: Kombinieren Sie die Diagnostik bei Verdacht auf APS leitliniengerecht. Die gemeinsame Abrechnung von Cardiolipin-Antikörpern (GOÄ 3869) und Beta-2-Glykoprotein-I-Antikörpern (GOÄ 3871) ist medizinisch sinnvoll und gebührenrechtlich vollkommen zulässig.

Ziffer 3869 in der neuen GOÄ

An die Stelle der alten Ziffer 3869 (Untersuchung auf Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Cardiolipin (IgG- oder IgM-Fraktion), je Fraktion) treten in der neuen GOÄ 5 spezifische Leistungen (bisher beim 2,3-fachen Satz: 30,16 €). Welche zutrifft, hängt von Analyt und Methode ab:

  • 11184 Beta-2-Glykoprotein I (IgG, IgM), je Immunglobulin, IA Autoantikörpernachweis (19,33 €) – bei: Beta 2 Glykoprotein I AK je Immunglobulin
  • 11189 Desmogleine (1, 3) bei Verdacht auf Pemphigus vulgaris, je Desmoglein, IA Autoantikörpernachweis (23,33 €) – bei: Desmoglein 1 oder 3 AK je Desmoglein
  • 11191 Ganglioside (GM1,GD1a,GD1b,GT1b,GQ1b), je Gangliosid, IA Autoantikörpernachweis (22,60 €) – bei: Gangliosid AK je Gangliosid
  • 11193 Gewebstransglutaminase (tTG), IA Autoantikörpernachweis (22,60 €) – bei: tTG IgA oder IgG ELISA oder Ligandenassay
  • 11187 Cardiolipin (IgG, IgM), je Immunglobulin, IA Autoantikörpernachweis (16,55 €) (alle übrigen Fälle)

Die Bandbreite reicht von 16,55 € bis 23,33 € — die Dokumentation des Analyten entscheidet.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3869

Ja, die GOÄ 3869 ist je Fraktion berechnungsfähig. Werden sowohl IgG- als auch IgM-Antikörper bestimmt, kann die Ziffer zweimal auf der Liquidation aufgeführt werden.
Auf der Rechnung müssen die untersuchten Parameter explizit angegeben werden. Dies bedeutet, dass die jeweilige Fraktion (IgG oder IgM) namentlich genannt werden muss.
Als Laborleistung des Abschnitts M gilt für die GOÄ 3869 der Regelhöchstsatz von 1,15. Ein Überschreiten bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur mit einer medizinischen Begründung zulässig.
Die Indikation ist insbesondere bei Verdacht auf ein Antiphospholipidsyndrom gegeben. Typische Auslöser sind rezidivierende Thrombosen, Embolien oder habituelle Aborte.
Ja, eine eventuell erforderliche Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve sind mit der Gebühr abgegolten. Diese Leistungen dürfen nicht separat berechnet werden.
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