Die Abrechnung der TRAK-Bestimmung nach GOÄ 3879 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Fallbeispielen und der korrekten Steigerung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3879
Untersuchung auf Antikörper gegen TSH-Rezeptor (TRAK) mittels Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –
Die Gebührenordnungsziffer 3879 beschreibt eine spezialisierte Laboruntersuchung aus dem Bereich der Autoantikörperdiagnostik. Im Fokus steht der quantitative oder qualitative Nachweis von TSH-Rezeptor-Antikörpern (TRAK), die eine zentrale Rolle bei autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen spielen. Die Leistung wird mittels eines Ligandenassays durchgeführt, wobei moderne Laboratorien hierfür meist vollautomatisierte oder manuelle Verfahren wie ELISA oder ECLIA einsetzen.
In der Leistungsbeschreibung ist explizit verankert, dass sowohl die Durchführung einer Doppelbestimmung als auch die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve mit der Gebühr abgegolten sind. Diese methodischen Schritte dienen der Qualitätssicherung und dürfen nicht separat berechnet werden. Die Ziffer ist dem Abschnitt M III.8 der GOÄ zugeordnet, welcher spezifische Antikörper gegen körpereigene Antigene umfasst.
GOÄ 3879 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen
Die klinische Hauptindikation für die Bestimmung der TRAK ist der begründete Verdacht auf eine Immunhyperthyreose, klinisch bekannt als Morbus Basedow. Die diagnostische Sensitivität liegt bei dieser Fragestellung bei rund 90 Prozent, während die Spezifität nahezu 100 Prozent erreicht. Damit stellt der Nachweis ein hochpräzises Werkzeug dar, um eine Schilddrüsenüberfunktion von einer funktionellen Autonomie abzugrenzen.
Ein weiteres kritisches Einsatzgebiet ist die Überwachung von schwangeren Patientinnen mit einer bekannten Vorgeschichte von Morbus Basedow. Da diese Antikörper plazentagängig sind, besteht die Gefahr einer fetalen Hyperthyreose. Die Bestimmung ist daher besonders im dritten Trimenon, idealerweise zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche, als Teil der Überwachung einer Risikoschwangerschaft indiziert.
Tipp: Bei Schwangeren mit Morbus Basedow in der Anamnese sollte die Bestimmung bevorzugt zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche erfolgen, um fetale Risiken rechtzeitig zu erkennen.
Darüber hinaus dient die Ziffer 3879 als wertvoller Verlaufsparameter während und nach einer thyreostatischen Therapie. Ein langsamer Abfall oder persistierend hohe TRAK-Spiegel weisen auf eine geringe Remissionsrate und ein hohes Risiko für ein Rezidiv nach Absetzen der Medikation hin.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3879
Fallbeispiel 1: Erstdiagnose bei Verdacht auf Hyperthyreose
Eine Patientin stellt sich mit Tachykardie, Gewichtsverlust und einem diffusen Kropf vor. Die laborchemische Untersuchung zeigt ein supprimiertes TSH sowie erhöhte freie Schilddrüsenhormone. Zur Differenzialdiagnostik wird die Bestimmung der TRAK veranlasst. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3879 neben den Ziffern für die Schilddrüsenhormone. Dies ermöglicht die sichere Diagnose eines Morbus Basedow.
Fallbeispiel 2: Schwangerschaftsüberwachung
Bei einer Schwangeren in der 26. Schwangerschaftswoche mit Zustand nach Morbus Basedow vor zwei Jahren wird eine TRAK-Bestimmung durchgeführt. Da die Antikörper die Plazentaschranke passieren können, ist die Untersuchung zur Vermeidung einer fetalen Gefährdung notwendig. Die Abrechnung der GOÄ 3879 erfolgt hierbei im Rahmen der Überwachung einer Risikoschwangerschaft.
Fallbeispiel 3: Therapie- und Verlaufsbeurteilung
Ein Patient befindet sich seit zwölf Monaten unter thyreostatischer Therapie. Vor dem geplanten Auslassversuch der Medikation wird der TRAK-Spiegel bestimmt, um das Risiko eines Rezidivs abzuschätzen. Ein niedriger oder negativer Wert spricht für eine hohe Remissionswahrscheinlichkeit. Die Leistung wird regelkonform nach Ziffer 3879 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3879: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3879 ist die zusätzliche Liquidation der Doppelbestimmung. Da diese laut Leistungstext explizit eingeschlossen ist, führt eine separate Berechnung regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen. Auch die Erstellung der Bezugskurve darf unter keinen Umständen als eigene Leistung deklariert werden.
Achtung: Die Doppelbestimmung und die Erstellung der aktuellen Bezugskurve sind integraler Bestandteil der GOÄ-Ziffer 3879 und dürfen nicht als eigenständige Leistungen separat in Rechnung gestellt werden.
Zudem müssen die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M beachtet werden. Die Ziffer 3879 darf nicht mehrfach am selben Tag für denselben Analyten abgerechnet werden, selbst wenn verschiedene Testkits zum Einsatz kamen. Private Kostenträger prüfen zudem genau, ob die Indikation für die aufwendige Speziallabor-Leistung aus der Dokumentation hervorgeht.
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Dokumentation der GOÄ 3879: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das beste Mittel, um Honorarkürzungen zu vermeiden. In der Patientenakte muss die spezifische Indikation für die TRAK-Bestimmung klar dokumentiert sein. Dies gilt insbesondere bei der Indikationsstellung im Rahmen einer Schwangerschaft oder bei der langfristigen Verlaufskontrolle.
Dokumentation: Bestimmung der TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) mittels ECLIA zur Abklärung einer manifesten Hyperthyreose bei Verdacht auf Morbus Basedow. Doppelbestimmung durchgeführt, Bezugskurve kontrolliert. Ergebnis: TRAK-Wert erhöht bei 4,2 IU/l.
Neben der Indikation sollte auch die angewandte Methode, wie beispielsweise ein ECLIA- oder ELISA-Verfahren, in den Laborunterlagen festgehalten werden. Die Archivierung der Messergebnisse inklusive der Bezugskurvendaten stellt sicher, dass die Abrechnung auch bei nachträglichen Prüfungen standhält.
GOÄ 3879: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Speziallabors unterliegt die GOÄ-Ziffer 3879 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz, was einem Betrag von 36,87 Euro entspricht. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in begründeten Einzelfällen möglich, beispielsweise bei extrem schwierigen Testbedingungen oder unklaren Grenzwerten, die eine manuelle Nachbereitung erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis wird die GOÄ 3879 selten isoliert durchgeführt. Sie ist fast immer Teil einer umfassenden Schilddrüsendiagnostik. Typische Kombinationspartner sind die Bestimmung von TSH (GOÄ 4030) sowie der freien Hormone fT3 (GOÄ 4022) und fT4 (GOÄ 4023). Auch die Kombination mit Antikörpern gegen thyreoidale Peroxidase (anti-TPO, GOÄ 3873) ist zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung einer Hashimoto-Thyreoiditis häufig und zulässig.
Ziffer 3879 in der neuen GOÄ
Der Antikörpernachweis gegen den TSH-Rezeptor (TRAK) wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 11226 — „TSH-Rezeptor (TRAK), IA Autoantikörpernachweis" — mit einem Festpreis von 21,47 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 36,87 €). Die neue Ziffer präzisiert die Methodik als Signal-(Tracer-)verstärkten Immunoassay; der Leistungsinhalt bleibt unverändert.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3879
Was hat nicht gestimmt?