GOÄ 3889: MAR-Test korrekt abrechnen – Tipps & Beispiele

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3889
Mixed-Antiglobulin-Reaction (MAR-Test) zum Nachweis von Spermien-Antikörpern
Punktzahl 200  
Einfachsatz 11,66 € 1,0x
Regelhöchstsatz 13,41 € 1,1x
Höchstsatz 15,15 € 1,3x

Der MAR-Test (GOÄ 3889) ist essenziell in der Fertilitätsdiagnostik. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung, Fallbeispielen und typischen Fehlern.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3889

Mixed-Antiglobulin-Reaction (MAR-Test) zum Nachweis von Spermien-Antikörpern

Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt unter der Ziffer 3889 eine hochspezifische immunologische Untersuchung. Diese Methode dient dem Nachweis von Antikörpern, die gegen die eigenen Spermien gerichtet sind. Solche Autoantikörper können die Beweglichkeit der Spermatozoen stark einschränken und somit eine Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit darstellen.

Im Rahmen des MAR-Tests werden frische, bewegliche Spermien mit Latexpartikeln oder roten Blutkörperchen inkubiert, die mit humanen Immunglobulinen beladen sind. Durch die Zugabe eines spezifischen Antiserums kommt es bei Vorliegen von Antikörpern zu einer sichtbaren Verklebung. Diese immunologische Reaktion erlaubt eine schnelle qualitative und semiquantitative Aussage direkt am Mikroskop.

GOÄ 3889 in der Praxis: Indikation und Stellenwert in der Fertilitätsdiagnostik

Die primäre Indikation für die Durchführung des MAR-Tests ist die Abklärung einer vermuteten immunologischen Sterilität beim Mann. Wenn ein Paar trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs über ein Jahr hinweg kinderlos bleibt, ist eine umfassende andrologische Diagnostik angezeigt. Der MAR-Test liefert hierbei entscheidende Zusatzinformationen, die über ein Standard-Spermiogramm hinausgehen.

Besonders häufig wird die Untersuchung veranlasst, wenn im Basisspermiogramm auffällige Agglutinationen der Spermien auffallen. Auch nach traumatischen Ereignissen am Hoden, abgelaufenen Entzündungen oder einer stattgehabten Vasektomie-Refertilisierung ist das Risiko für die Bildung von Spermien-Antikörpern erhöht. In diesen Fällen sichert der Test den Verdacht ab.

Tipp: Der MAR-Test sollte idealerweise an frisch gewonnenem Ejakulat durchgeführt werden. Eine lange Transportzeit oder unsachgemäße Lagerung kann die Vitalität der Spermien beeinträchtigen und das Testergebnis verfälschen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3889

Fallbeispiel 1: Abklärung bei auffälliger Spermienagglutination

Ein Patient stellt sich zur Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches vor. Das erste Spermiogramm zeigt eine normale Konzentration, jedoch fallen starke Verklebungen der Spermien auf. Zur Abklärung einer immunologischen Ursache wird der MAR-Test durchgeführt. Abgerechnet werden das Spermiogramm nach GOÄ 3884 sowie der MAR-Test nach GOÄ 3889.

Fallbeispiel 2: Zustand nach Hoden-Trauma

Ein Patient berichtet von einem Sportunfall mit Hodenprellung vor zwei Jahren. Da nun ein Kinderwunsch besteht, soll eine immunologische Schädigung ausgeschlossen werden. Der MAR-Test verläuft negativ. Die Abrechnung erfolgt regulär über die Ziffer 3889 neben der symptombezogenen Untersuchung.

Fallbeispiel 3: Kontrolle nach Sterilisations-Refertilisierung

Nach einer operativen Refertilisierung klagt ein Paar weiterhin über Kinderlosigkeit. Da nach solchen Eingriffen häufig Antikörper entstehen, wird ein MAR-Test veranlasst. Der Test zeigt eine hohe Beladung der Spermien mit IgG-Antikörpern. Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3889 erfolgt hierbei mit dem Regelhöchstsatz.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3889: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die Durchführung des Tests ohne vorherige Bestimmung der Spermienkonzentration und -beweglichkeit. Da der MAR-Test zwingend motile Spermatozoen erfordert, ist die Untersuchung bei einer ausgeprägten Nekrozoospermie medizinisch nicht sinnvoll. Private Krankenversicherungen fordern in solchen Fällen oft eine Begründung an.

Zudem beanstanden Prüfstellen regelmäßig die mehrfache Abrechnung der Ziffer am selben Behandlungstag für dieselbe Probe. Auch die Verwechslung mit einfachen Suchtests, die nicht dem Standard des MAR-Tests entsprechen, führt zu Kürzungen. Die Leistung ist klar als Speziallabor-Leistung definiert und darf nicht fälschlicherweise unter allgemeineren Ziffern subsumiert werden.

Achtung: Achten Sie darauf, dass der MAR-Test nicht als Routine-Screening ohne konkreten Verdacht abgerechnet wird. Eine fehlende Indikationsstellung in der Akte führt bei Prüfungen fast immer zum Honorarausschluss.

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Dokumentation der GOÄ 3889: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die genaue Indikation, der Zeitpunkt der Ejakulatgewinnung und die Karenzzeit festgehalten werden. Auch der Anteil der antigebundenen Spermien in Prozent ist zwingend zu dokumentieren.

Darüber hinaus sollte dokumentiert werden, welche Immunglobulinklasse (in der Regel IgG oder IgA) untersucht wurde. Ein positives Ergebnis liegt meist erst ab einer Bindung von über 10 oder 50 Prozent der beweglichen Spermien vor. Diese Grenzwerte sollten im Befundbericht klar ausgewiesen sein.

Dokumentation: MAR-Test (IgG) durchgeführt bei V.a. immunologische Sterilität (Agglutinationen im Spermiogramm). Ejakulatgewinnung vor 30 Min., Karenzzeit 4 Tage. Testergebnis: 65% der motilen Spermien zeigen Bindung (positiv). Befund an Patienten übermittelt.

GOÄ 3889: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die GOÄ 3889 kann bei erhöhtem Aufwand über den Regelhöchstsatz von 1,15-fach gesteigert werden. Ein typischer Begründungsfaktor ist eine extrem hohe Viskosität des Ejakulats, die eine aufwendige Verflüssigung erfordert. Auch eine sehr geringe Anzahl an motilen Spermien erschwert die mikroskopische Auswertung erheblich und rechtfertigt eine Faktorerhöhung bis zum 1,3-fachen Satz.

Typische Ziffernkombinationen

In der andrologischen Praxis wird die GOÄ 3889 fast nie isoliert erbracht. Sinnvolle und zulässige Kombinationen umfassen die GOÄ 3884 (Spermiogramm) oder die GOÄ 3885 (großes Spermiogramm). Auch die Beratung des Patienten nach Vorliegen der Ergebnisse kann über die Ziffern 1 oder 3 abgerechnet werden, sofern die zeitlichen Vorgaben erfüllt sind.

Ziffer 3889 in der neuen GOÄ

Der Mixed-Antiglobulin-Reaction-Test (MAR-Test) zum Nachweis von Spermien-Antikörpern wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 12815 — „Spermien-Antikörper (IgG, IgA), je Immunglobulin MAR-Test" — zu einem Festpreis von 19,88 € je Immunglobulin (heute beim 2,3-fachen Satz: 13,41 €). Die neue Ziffer unterscheidet IgG und IgA; werden beide Klassen getestet, ist die Leistung zweifach berechnungsfähig (zwei Einheiten: 39,76 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3889

Der MAR-Test nach GOÄ-Ziffer 3889 kostet im einfachen Gebührensatz 11,66 €. Bei Anwendung des Regelhöchstsatzes von 1,15-fach beträgt die Gebühr 13,41 €. Der maximale Steigerungssatz von 1,3-fach beläuft sich auf 15,15 €.
Die Abrechnung ist indiziert bei dem Verdacht auf eine immunologisch bedingte Infertilität des Mannes. Dies ist häufig der Fall, wenn im Standard-Spermiogramm auffällige Verklebungen oder Agglutinationen der Spermien sichtbar sind. Auch ein unerfüllter Kinderwunsch über einen längeren Zeitraum rechtfertigt diese Untersuchung.
Ja, die GOÄ-Ziffer 3889 kann neben den Ziffern für das Spermiogramm wie der GOÄ 3884 oder GOÄ 3885 berechnet werden. Da es sich um eine eigenständige immunologische Spezialleistung handelt, ist die Nebeneinanderberechnung zulässig. Es muss jedoch eine entsprechende medizinische Begründung vorliegen.
Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz ist bei besonderem Aufwand möglich, beispielsweise bei einer extrem hohen Viskosität des Ejakulats. Auch eine sehr geringe Anzahl an motilen Spermien erschwert die mikroskopische Auswertung erheblich und rechtfertigt eine Faktorerhöhung. Die Erschwernisgründe müssen stets einzelfallbezogen dokumentiert werden.
Die GOÄ 3889 darf nicht mehrfach für dieselbe Ejakulatprobe am selben Tag abgerechnet werden. Zudem sind allgemeine Bestimmungen des Abschnitts M zu beachten, wonach ähnliche Suchtests auf Spermien-Antikörper nicht nebeneinander berechnet werden sollten. Eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen immunologischen Verfahren ist daher zwingend erforderlich.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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