Die Abrechnung von Mischallergentests nach GOÄ-Ziffer 3890 bietet Fallstricke. Erfahren Sie alles über Indikationen, Ausschlüsse und die korrekte Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3890
Allergenspezifisches Immunglobulin (z. B. IgE), Mischallergentest (z. B. RAST), im Einzelansatz, Ligandenassay – gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –, qualitativ, bis zu vier Mischallergenen, je Mischallergen
Die GOÄ-Ziffer 3890 beschreibt eine qualitative Laboruntersuchung zum Nachweis von allergenspezifischen Antikörpern. Die Untersuchung erfolgt im Einzelansatz mittels eines Ligandenassays, wobei meist Immunglobuline der Klasse E (IgE) bestimmt werden. Aber auch der Nachweis von allergenspezifischem IgG fällt unter diese Leistungsbeschreibung.
Der Begriff Mischallergentest definiert, dass ein Gemisch verschiedener Allergene in einem einzigen Testansatz eingesetzt wird. Ein positives Testergebnis zeigt an, dass Antikörper gegen mindestens eines der im Cocktail enthaltenen Allergene vorliegen. Die Leistung ist je Mischallergen berechnungsfähig, wobei eine Obergrenze von vier Mischallergenen pro Probe gilt.
GOÄ 3890 in der Praxis: Indikation und klinischer Einsatz
In der allergologischen Diagnostik dient der Mischallergentest primär als effizientes Screening-Verfahren. Bei unklaren allergischen Beschwerden ermöglicht der Einsatz von Allergenmischungen eine schnelle erste Orientierung. Typische Cocktails umfassen Nahrungsmittelallergene oder Inhalationsallergene wie Pollen und Hausstaubmilben.
Die Bestimmung von allergenspezifischem IgG ist insbesondere bei der Diagnostik der exogen-allergischen Alveolitis von hoher klinischer Relevanz. Im Gegensatz dazu steht bei klassischen Typ-I-Allergien wie Heuschnupfen oder Erdnussallergien der Nachweis von spezifischem IgE im Vordergrund. Nach einem positiven Screening-Ergebnis schließt sich meist eine differenzierte Einzelallergen-Bestimmung an.
Tipp: Nutzen Sie den Mischallergentest gezielt als wirtschaftlichen Einstieg in die Allergiediagnostik. Bei einem positiven Befund kann die gezielte Differenzierung mittels Einzelallergentests nach GOÄ-Ziffer 3891 im nächsten Schritt erfolgen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3890
Fallbeispiel 1: Screening auf Inhalationsallergien
Ein Patient stellt sich mit saisonaler Rhinokonjunktivitis in der Praxis vor. Zur ersten Abklärung wird eine Blutprobe entnommen und auf ein Gemisch aus häufigen Inhalationsallergenen untersucht. Die Abrechnung erfolgt korrekt mit der GOÄ-Ziffer 3890 für den qualitativen Mischallergentest.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Nahrungsmittelallergie
Bei einem Kleinkind besteht der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie nach dem Verzehr verschiedener Speisen. Es wird ein Mischallergentest mit einem Cocktail aus Eiweiß, Erdnuss, Milch, Soja und Weizen durchgeführt. Da es sich um einen Einzelansatz eines Nahrungsmittel-Mischallergens handelt, wird die GOÄ-Ziffer 3890 einfach abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Parallele Testung bei komplexer Symptomatik
Bei einem Patienten mit schwerer, ganzjähriger Atemsymptomatik werden parallel zwei verschiedene Allergenmischungen (Baumpollen und Hausstaub/Schimmelpilze) untersucht. Beide Mischungen werden als getrennte Einzelansätze im Labor analysiert. In der Liquidation wird die GOÄ-Ziffer 3890 zweifach für die beiden unterschiedlichen Mischallergene angesetzt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3890: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler betrifft die fälschliche Kürzung der Gebühr bei automatisierten Verfahren. Manche Prüfstellen fordern eine Reduzierung auf zwei Drittel, wenn keine Doppelbestimmung durchgeführt wurde. Da die Leistungslegende jedoch das Wort „gegebenenfalls“ enthält, ist die Ziffer auch bei Einfachbestimmungen in voller Höhe berechnungsfähig.
Zudem müssen die strikten Ausschlussbestimmungen beachtet werden. Die GOÄ-Ziffer 3890 darf am selben Untersuchungstag nicht neben den Ziffern 3892 bis 3894 abgerechnet werden. Ein Verstoß gegen diese Bestimmungen führt bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen regelmäßig zu Honorarkürzungen.
Achtung: Einfache Allergie-Schnelltests oder Streifentests, die auf optischen oder immunchromatographischen Verfahren basieren, dürfen nicht über die GOÄ 3890 abgerechnet werden. Diese Ziffer erfordert zwingend einen klassischen, laborbasierten Ligandenassay.
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Dokumentation der GOÄ 3890: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Rückfragen von privaten Krankenversicherungen oder Beihilfestellen erfolgreich abzuwehren. In der Patientenakte müssen die medizinische Indikation, die Art der verwendeten Allergenmischung sowie das qualitative Testergebnis dokumentiert werden. Auch die angewandte Labormethode sollte klar ersichtlich sein.
Besonders bei der mehrfachen Abrechnung der Ziffer am selben Tag muss die Verwendung verschiedener Mischallergene dokumentiert werden. Ohne diesen Nachweis wird die Mehrfachabrechnung von Kostenträgern häufig als Duplikat storniert. Eine präzise Benennung der Cocktails in der Dokumentation verhindert solche Missverständnisse.
Dokumentation: Indikation: Verdacht auf Inhalationsallergie bei chronischer Rhinitis. Labor: Qualitativer Mischallergentest (EAST) auf Inhalationsallergene (Mischung SX1). Ergebnis: Positiv. Abrechnung: 1x GOÄ 3890.
GOÄ 3890: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Im Laborbereich der GOÄ gilt für die Ziffer 3890 der reduzierte Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15, während der maximale Höchstsatz bei 1,3 liegt. Eine Überschreitung des Schwellenwerts auf den 1,3-fachen Satz ist nur bei außergewöhnlich hohem Aufwand, wie beispielsweise schwierigen Probenverhältnissen oder aufwendiger Probenvorbereitung, mit schriftlicher Begründung zulässig.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ-Ziffer 3890 wird häufig mit der Ziffer 3572 für die quantitative Bestimmung des Gesamt-IgE kombiniert. Auch die Kombination mit der GOÄ-Ziffer 3891 für Einzelallergene ist im selben Behandlungsfall zulässig, sofern eine parallele Testung medizinisch begründet ist. Die Kombination mit den Ziffern für zelluläre Allergiediagnostik ist hingegen durch die allgemeinen Bestimmungen stark eingeschränkt.
Ziffer 3890 in der neuen GOÄ
Der qualitative Mischallergentest (z. B. RAST-Variante mit Allergencocktails, bis zu vier Mischallergene je Einzelansatz) hat im Entwurf der neuen GOÄ keinen direkten Nachfolger. Die neue Screeningziffer für allergenspezifisches IgE setzt ausschließlich monospezifische Einzelallergene voraus — mindestens zehn in Lösung oder mindestens zwanzig trägergebunden — und lässt Allergencocktails als Panel nicht zu. Damit entfällt diese Leistungsform strukturell; eine neue Ziffer für qualitative Mischallergentestung ist im Katalog nicht vorgesehen. Heute bringt die 3890 beim 2,3-fachen Satz 16,76 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3890
Was hat nicht gestimmt?