Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 3950: So rechnen Sie Plättchenfaktoren und HIT-Antikörper-Tests rechtssicher ab und vermeiden Honorarkürzungen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3950
Plättchenfaktor (3, 4), Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –, je Faktor
Die GOÄ-Ziffer 3950 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Bereich des Gerinnungs-, Fibrinolyse- und Komplementsystems. Im Zentrum steht der quantitative Nachweis der Plättchenfaktoren 3 und 4 mittels eines Ligandenassays. Diese Untersuchung dient der detaillierten Abklärung von Thrombozytenfunktionsstörungen.
Die Leistungslegende fordert explizit die Durchführung einer Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve. Fehlen diese Elemente bei der Durchführung, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf die Honorarhöhe. Der Begriff Ligandenassay fungiert hierbei als Oberbegriff für verschiedene methodische Verfahren wie ELISA, RIA oder Lumineszenzassays.
GOÄ 3950 in der Praxis: Diagnostik von Thrombozytenstörungen und HIT
In der klinischen Routine hat der Nachweis von Plättchenfaktor 3 mittels Ligandenassay an Bedeutung verloren. Für die Diagnostik seltener Membrandefekte wie dem Scott-Syndrom wird heute primär die Durchflusszytometrie eingesetzt. Der Nachweis von Plättchenfaktor 4 (PF4) hingegen ist für die Charakterisierung seltener angeborener oder erworbener Thrombozytopathien relevant, bei denen die Alpha-Granula der Blutplättchen gestört sind.
Die größte Praxisrelevanz besitzt die Ziffer 3950 jedoch in der analogen Anwendung für den Nachweis von HIT-Antikörpern (Heparin-induzierte Thrombozytopenie). Bei diesem potenziell lebensbedrohlichen Zustand bilden sich Antikörper gegen den Heparin-PF4-Komplex. Der immunologische Nachweis dieser Antikörper mittels ELISA wird regelhaft analog nach Nr. 3950 abgerechnet.
Tipp: Bei der analogen Abrechnung des HIT-Antikörper-Nachweises mittels ELISA ist es betriebswirtschaftlich zulässig, die Gebühr nach Nr. 3950 in voller Höhe anzusetzen, selbst wenn das Laborverfahren als Einfachbestimmung durchgeführt wird.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3950
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT)
Bei einer Patientin fällt am achten Tag nach einer orthopädischen Operation unter Heparingabe die Thrombozytenzahl um über 50 Prozent ab. Zum Ausschluss einer HIT wird eine immunologische Bestimmung der HIT-Antikörper (IgG-spezifischer ELISA) im Serum veranlasst. Die Abrechnung erfolgt analog nach GOÄ-Ziffer 3950 zum vollen Gebührensatz, da es sich um ein hochspezifisches analoges Verfahren handelt.
Fallbeispiel 2: HIT-Schnelltest im Notfall
Ein Patient zeigt unter Heparintherapie akute thrombotische Komplikationen, weshalb eine sofortige Entscheidung über das weitere therapeutische Vorgehen notwendig ist. Es wird ein Antigen-Schnelltest im Format eines Partikel-Gel-Immunoassays durchgeführt. Da es sich hierbei um eine systembedingte Einfachbestimmung handelt, erfolgt die analoge Abrechnung nach Nr. 3950, jedoch gemindert auf zwei Drittel der Gebühr.
Fallbeispiel 3: Abklärung einer angeborenen Thrombozytopathie
Zur genaueren Charakterisierung einer vermuteten Störung der Alpha-Granula wird der Plättchenfaktor 4 quantitativ mittels Ligandenassay bestimmt. Das Labor führt die Analyse vorschriftsmäßig als Doppelbestimmung mit aktueller Bezugskurve durch. Die Abrechnung erfolgt regulär nach Nr. 3950 zum Regelsatz.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3950: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler betrifft das Übersehen der Minderungspflicht bei Einfachbestimmungen im regulären Anwendungsbereich. Wird die Bestimmung von Plättchenfaktor 3 oder 4 mit einem automatisierten Verfahren als Einfachbestimmung durchgeführt, darf nicht die volle Gebühr liquidiert werden. In diesen Fällen ist die Abrechnung zwingend auf zwei Drittel der Gebühr zu reduzieren, was von privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen streng kontrolliert wird.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Abrechnung von Bestätigungstests. Enthält das verwendete Testkit für den HIT-Antikörpernachweis einen integrierten Bestätigungsschritt zur Verifizierung positiver Befunde, darf dieser nicht als eigenständige Leistung berechnet werden. Der zusätzliche Aufwand ist mit der Gebühr für die Hauptleistung abgegolten.
Achtung: Funktionelle Bestätigungstests wie der Serotonin-Freisetzungstest oder der HIPA-Test dürfen niemals nach Nr. 3950 abgerechnet werden. Diese hochkomplexen Verfahren müssen analog nach Nr. 3963 berechnet werden.
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Dokumentation der GOÄ 3950: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen das konkret angewandte Testverfahren sowie die Indikation präzise festgehalten werden. Bei Verdacht auf eine HIT sollte insbesondere der klinische Verlauf, wie der zeitliche Abfall der Thrombozytenzahl oder das Ergebnis des 4T-Scores, dokumentiert werden.
Zudem muss aus der Dokumentation hervorgehen, ob die Leistung als Einfach- oder Doppelbestimmung erbracht wurde. Bei analogen Bewertungen ist die Kennzeichnung als Analogabrechnung auf der Rechnung zwingend erforderlich, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.
Dokumentation: Bestimmung von HIT-Antikörpern (IgG-ELISA) analog GOÄ 3950 bei klinischem Verdacht auf HIT II (Thrombozytenabfall um 60 % an Tag 9 unter UFH, 4T-Score: 6 Punkte). Durchführung als Einfachbestimmung im Serum.
GOÄ 3950: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die Ziffer 3950 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz, der maximale Höchstsatz beim 1,3-fachen Satz. Eine Überschreitung des Regelsatzes erfordert eine schriftliche Begründung, die auf außergewöhnliche Schwierigkeiten oder einen extremen Zeitaufwand im Einzelfall hinweist, wie beispielsweise schwierige Probenaufbereitungen bei stark lipämischem Serum.
Typische Ziffernkombinationen
Im Rahmen der HIT-Diagnostik wird die Bestimmung der HIT-Antikörper regelmäßig von der engmaschigen Kontrolle der Blutplättchen begleitet. Hier kommen die Ziffern für die Thrombozytenzahl (Nr. 3506 oder Nr. 3550) zum Einsatz. Sollte der Antigentest positiv ausfallen, schließt sich häufig ein funktioneller Bestätigungstest an, der analog nach Nr. 3963 abgerechnet wird.
Ziffer 3950 in der neuen GOÄ
Für die primäre Leistung — Plättchenfaktor 3 und 4 mittels Ligandenassay — sieht der Entwurf der neuen GOÄ keine direkte Nachfolgeziffer vor. Für Leistungen, die bisher analog über Nr. 3950 abgerechnet wurden, gibt es jedoch eigene Ziffern:
- 11923 HIT-Antikörper, Antigentest: 61,07 €
- 11922 HIT-Antikörper, Aktivität (funktioneller Test, z. B. HIPA-Test): 52,14 € — zu unterscheiden vom Antigentest nach 11923
- 11938 Plasminogen-Konzentration (bisher analog Nr. 3950) — nur nach pathologischem Vorbefund der Aktivitätsmessung nach 11937: 30,89 €
Heute bringt die 3950 beim 2,3-fachen Satz 32,18 €. HIT-Antikörper-Tests und Plasminogen-Konzentration haben damit erstmals eigene Ziffern im Katalog.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3950
Was hat nicht gestimmt?