Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3981 (AB0-Merkmale und Isoagglutinine): Indikationen, Dokumentation und Vermeidung von Honorarkürzungen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3981
GOÄ 3981: AB0-Merkmale und Isoagglutinine – Punktzahl: 180
Die Leistung nach GOÄ-Ziffer 3981 beurteilt die klassischen AB0-Blutgruppenmerkmale in Kombination mit den korrespondierenden Isoagglutininen im Serum. Diese labormedizinische Untersuchung dient der Absicherung der Blutgruppenbestimmung durch die sogenannte Serumgegenprobe.
Physiologischerweise stehen die Isoagglutinine (natürliche IgM-Alloantikörper) in einem inversen Verhältnis zu den Antigenen auf den Erythrozyten. Die Bestimmung erfordert mindestens drei parallele Ansätze mit Testerythrozyten der Gruppen A1, B und 0, um ein valides Ergebnis gemäß der Landsteiner-Regel zu gewährleisten.
GOÄ 3981 in der Praxis: Indikation und klinischer Stellenwert
Die Abrechnung der GOÄ 3981 ist primär dann indiziert, wenn unklare oder auffällige Vorbefunde eine gezielte Abklärung der AB0-Merkmale oder der Isoagglutinine erfordern. Eine routinemäßige Bestimmung bei jeder Standard-Blutgruppenuntersuchung ist hingegen nicht sachgerecht und wird von den Kostenträgern beanstandet.
Für eine vollständige Erstbestimmung der Blutgruppe reicht das Leistungsspektrum der Ziffer 3981 allein nicht aus. Hierzu müssen zwingend weitere Parameter wie das RhD-Merkmal bestimmt werden, was eine differenzierte Ziffernkombination erfordert.
Tipp: Die Bestimmung der Isoagglutinine eignet sich hervorragend zur Qualitätskontrolle, da Abweichungen von der Landsteiner-Regel sofort auf seltene Untergruppen oder störende irreguläre Antikörper hinweisen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3981
Fallbeispiel 1: Abklärung einer serologischen Diskrepanz
Bei einer routinemäßigen Blutgruppenbestimmung zeigt sich eine unerwartet schwache Reaktion bei den AB0-Merkmalen. Zur definitiven Abklärung führt das Labor eine gezielte Untersuchung der AB0-Merkmale und Isoagglutinine durch.
Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer 3981 zum Regelsatz (1,15-fach), da der Mehraufwand durch die serologische Diskrepanz medizinisch begründet ist.
Fallbeispiel 2: Verifizierung eines auffälligen Vorbefundes
Ein Patient stellt sich mit einem unklaren externen Vorbefund bezüglich seiner Isoagglutinine vor. Zur präoperativen Absicherung veranlasst der behandelnde Arzt eine erneute, gezielte Bestimmung der Serumgegenprobe.
Neben der klinischen Dokumentation wird die GOÄ-Ziffer 3981 liquidiert, da eine gezielte Indikation zur Überprüfung vorliegt.
Fallbeispiel 3: Verdacht auf irreguläre Antikörper
Im Rahmen der Serumgegenprobe zeigt sich eine unerwartete Agglutination mit den 0-Testerythrozyten, was auf irreguläre Antikörper wie Anti-M oder Anti-P1 hindeutet. Das Labor führt eine differenzierte Untersuchung durch.
Die erbrachte Leistung wird über die GOÄ 3981 abgerechnet. Die weiterführende Identifizierung der irregulären Antikörper erfolgt über separate, spezifische Ziffern des Abschnitts M III 13.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3981: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die routinemäßige Nebeneinanderberechnung der GOÄ 3981 mit den Ziffern 3980 (Orientierende Blutgruppenbestimmung), 3982 (Rh-Faktor) oder 3983 (Rh-Untergruppen). Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen diese Kombinationen konsequent, wenn keine spezifische medizinische Begründung vorliegt.
Zudem müssen die Ergebnisse der Serumgegenprobe in sich schlüssig sein. Liegen Diskrepanzen in der Reaktionsstärke vor, die nicht weiter abgeklärt oder dokumentiert wurden, gilt die Leistung als unvollständig erbracht.
Achtung: Die Ziffer 3981 darf nicht pauschal als Teil eines Standard-Laborprofils angefordert werden. Es muss immer eine dokumentierte, patientenindividuelle Indikation vorliegen, wie beispielsweise ein unklarer Vorbefund.
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Dokumentation der GOÄ 3981: Praxisbewährte Hinweise
Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine lückenlose Dokumentation der Testergebnisse unerlässlich. In der Patientenakte müssen die Ergebnisse aller fünf Ansätze (Testseren Anti-A, Anti-B sowie die Testerythrozyten A1, B und 0) mit den jeweiligen Reaktionsstärken dokumentiert werden.
Besonders wichtig ist der Nachweis der Negativ-Kontrolle mit den 0-Testerythrozyten, um falsch-positive Reaktionen durch irreguläre Antikörper auszuschließen.
Dokumentationsbeispiel:
AB0-Bestimmung: Anti-A: pos. (4+), Anti-B: neg. (0).
Serumgegenprobe (Isoagglutinine): A1-Zellen: neg. (0), B-Zellen: pos. (3+), 0-Zellen: neg. (0).
Befund: Blutgruppe A positiv abgesichert. Keine irregulären Antikörper in der Gegenprobe nachweisbar.
GOÄ 3981: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 3981 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15-fach und der maximale Höchstsatz bei 1,3-fach. Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15 ist nur bei außergewöhnlich hohem Aufwand zulässig.
Typische Begründungen für eine Schwellenüberschreitung sind beispielsweise störende Kälteautoantikörper, die aufwendige Waschschritte der Erythrozyten erfordern, oder extrem schwach ausgeprägte Antigenmerkmale, die zusätzliche Inkubationszeiten notwendig machen.
Typische Ziffernkombinationen
Sollten bei der Bestimmung der Isoagglutinine Diskrepanzen auftreten, die serologisch nicht eindeutig klärbar sind, kann eine zusätzliche AB0-Genotypisierung erforderlich werden. Die entsprechenden molekularbiologischen Leistungen sind dann neben der GOÄ 3981 berechnungsfähig.
Eine Kombination mit Ziffern zur Antikörperdifferenzierung ist ebenfalls zulässig, sofern im Rahmen der Serumgegenprobe ein begründeter Verdacht auf irreguläre Antikörper entsteht und diese weiter abgeklärt werden müssen.
Ziffer 3981 in der neuen GOÄ
Die Kombination AB0-Merkmale und Isoagglutinine (ohne RhD) wird in der neuen GOÄ auf zwei separate Ziffern aufgeteilt:
- 11762 AB0-Merkmale: 11,71 € — nicht für den Bedside-Test berechnungsfähig
- 11794 Isoagglutinine: 13,23 € — nicht neben 11763, 11764 oder 11775 berechnungsfähig
Heute bringt die 3981 beim 2,3-fachen Satz 12,06 €. In der neuen GOÄ werden AB0-Merkmale und Isoagglutinine getrennt berechnet; zusammen ergibt sich ein Gesamtpreis von 24,94 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3981
Was hat nicht gestimmt?