GOÄ 4044: Hormonbestimmung abrechnen – Tipps für die Praxis

5 Min. Lesezeit
GOÄ 4044
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Untersuchungen mit ähnlichem methodischem Aufwand
Punktzahl 350  
Einfachsatz 20,40 € 1,0x
Regelhöchstsatz 23,46 € 1,1x
Höchstsatz 26,52 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4044

Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Untersuchungen mit ähnlichem methodischem Aufwand

Die Gebührenziffer 4044 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich der Speziallabor-Untersuchungen (Abschnitt M III der GOÄ). Die Leistung umfasst die quantitative Bestimmung von Hormonen unter Anwendung von Ligandenassays, wie beispielsweise Radioimmunoassays (RIA) oder Enzyme-linked Immunosorbent Assays (ELISA). In der Bewertung von 350 Punkten sind die Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve bereits vollständig abgegolten.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Ziffer ist die methodische Gleichstellung. Auch andere immunologische oder vergleichbare Untersuchungen, die einen ähnlichen methodischen Aufwand erfordern, können unter dieser Ziffer abgerechnet werden, sofern keine spezifischere Ziffer im Gebührenverzeichnis existiert. Gemäß den Abrechnungsbestimmungen ist der konkret untersuchte Parameter zwingend in der Rechnung anzugeben.

GOÄ 4044 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz

Die Bestimmung von Hormonen mittels Ligandenassay ist ein Eckpfeiler der endokrinologischen Diagnostik. Typische Indikationen umfassen die Abklärung von Schilddrüsenfunktionsstörungen, Fertilitätsstörungen sowie Erkrankungen der Nebennierenrinde. Durch die hohe Sensitivität der Ligandenassays lassen sich selbst geringste Hormonkonzentrationen im Serum oder Plasma präzise nachweisen.

In der täglichen Praxis findet die Ziffer 4044 häufig Anwendung bei der Bestimmung von freien Schilddrüsenhormonen (fT3, fT4) oder Gonadotropinen (LH, FSH). Auch die Überwachung einer hormonellen Substitutionstherapie erfordert regelmäßige Kontrollen, die über diese Ziffer abgerechnet werden. Die Abgrenzung zu einfacheren Suchtests ist dabei für eine korrekte Honorierung essenziell.

Tipp: Bei der Abrechnung mehrerer Hormone am selben Untersuchungstag kann die Ziffer 4044 für jeden eigenständigen Parameter separat angesetzt werden, sofern es sich um unterschiedliche Zielanalyt-Bestimmungen handelt.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4044

Fallbeispiel 1: Abklärung einer primären Hypothyreose

Eine Patientin stellt sich mit Müdigkeit, Gewichtszunahme und Kälteempfindlichkeit vor. Zum Ausschluss einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt die Blutentnahme zur Bestimmung von freiem Trikodthyronin (fT3) und freiem Thyroxin (fT4) mittels Ligandenassay. Die labormedizinische Analyse liefert die Basis für die therapeutische Entscheidung.

Die Abrechnung erfolgt durch den zweifachen Ansatz der GOÄ-Ziffer 4044, da zwei getrennte hormonelle Parameter bestimmt wurden. Auf der Liquidation werden die Parameter fT3 und fT4 explizit ausgewiesen. Dies sichert die Transparenz der Abrechnung gegenüber dem Kostenträger.

Fallbeispiel 2: Fertilitätsdiagnostik bei Zyklusstörungen

Eine Patientin mit unerfülltem Kinderwunsch und unregelmäßigem Zyklus benötigt ein hormonelles Statusprofil. Am dritten Zyklustag wird Blut entnommen, um das Follikelstimulierende Hormon (FSH) und das Luteinisierende Hormon (LH) zu bestimmen. Beide Analysen erfordern den methodischen Aufwand eines Ligandenassays.

Für diese Diagnostik wird die Ziffer 4044 zweimal berechnet. Die medizinische Begründung stützt sich auf die Notwendigkeit der differenzierten Hormonanalyse zur Beurteilung der ovariellen Reserve. Die Angabe der Parameter FSH und LH auf der Rechnung ist für die Erstattungsfähigkeit obligat.

Fallbeispiel 3: Therapiekontrolle bei Testosteronsubstitution

Ein männlicher Patient unter laufender Testosteronsubstitution stellt sich zur regelmäßigen Laborkontrolle vor. Bestimmt werden soll das freie Testosteron im Serum, um eine Über- oder Unterdosierung auszuschließen. Die Analyse erfolgt hochpräzise über ein spezialisiertes Ligandenassay-Verfahren.

Die Bestimmung des freien Testosterons rechtfertigt den Ansatz der GOÄ 4044 zum Regelsatz. Da es sich um eine Verlaufskontrolle handelt, ist die Indikation klar dokumentiert. Die Abrechnung erfolgt mit Angabe des Parameters "freies Testosteron" zur Vermeidung von Rückfragen der Krankenversicherung.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4044: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4044 ist das Versäumnis, die konkreten Parameter auf der Rechnung anzugeben. Die Leistungsbeschreibung fordert explizit, dass die untersuchten Hormone namentlich genannt werden müssen. Fehlt diese Angabe, führt dies regelmäßig zur Beanstandung und Kürzung durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen.

Zudem darf die Ziffer nicht für Analysen herangezogen werden, die methodisch einfacheren Verfahren unterliegen oder für die spezifischere Ziffern im Abschnitt M existieren. Die Doppelbestimmung ist bereits in der Ziffer enthalten und darf nicht als separate Leistung deklariert werden. Eine unzulässige Nebeneinanderberechnung von methodisch identischen Schritten wird von Prüfern sofort erkannt.

Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 4044 setzt voraus, dass die Untersuchung tatsächlich im eigenen Labor oder als Auftragsleistung im Speziallabor (M III) durchgeführt wurde. Die unreflektierte Übernahme von Fremdlaborleistungen ohne Kennzeichnung ist unzulässig.

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Dokumentation der GOÄ 4044: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das wirksamste Mittel gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, der Auftrag an das Labor sowie das konkrete Testergebnis dokumentiert sein. Auch die Validierung der Ergebnisse durch den verantwortlichen Arzt sollte nachvollziehbar festgehalten werden, um die medizinische Notwendigkeit zu untermauern.

Besonders bei wiederholten Bestimmungen innerhalb kurzer Zeiträume muss die therapeutische Konsequenz aus den Vorwerten hervorgehen. Die Dokumentation sollte daher stets den Bezug zum aktuellen Behandlungsverlauf herstellen. Dies erleichtert im Zweifelsfall die Argumentation gegenüber Kostenträgern bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen.

Dokumentationsbeispiel: Verdacht auf Hyperthyreose bei Gewichtsverlust. Blutentnahme für fT3 und fT4. Laborbefund fT3: 6,2 pg/ml (erhöht), fT4: 2,4 ng/dl (erhöht). Befundbesprechung und Einleitung der thyreostatischen Therapie dokumentiert.

GOÄ 4044: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Gebührensatzes über den Regelhöchstsatz von 1,15-fach hinaus bis zum Höchstsatz von 1,3-fach ist bei Laborleistungen der Abschnitte M II und M III stark reglementiert. Eine Überschreitung des Schwellenwertes erfordert eine detaillierte, patientenbezogene Begründung. Typische Gründe können ein ungewöhnlich hoher methodischer Aufwand bei schwierigen Probenmatrizes oder extreme logistische Herausforderungen bei der Probenaufbereitung sein.

Eine pauschale Begründung wie "erhöhter Zeitaufwand" reicht für eine erfolgreiche Steigerung im Laborbereich meist nicht aus. Die Begründung muss die medizinische Besonderheit des Einzelfalls konkret und nachvollziehbar darlegen.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 4044 wird häufig in Kombination mit der Ziffer 250 (Blutentnahme) sowie Beratungsleistungen nach den Ziffern 1 oder 3 abgerechnet. Auch die Kombination mit anderen Laborziffern des Abschnitts M, wie der Bestimmung von Elektrolyten oder Entzündungsparametern, ist im Rahmen einer ganzheitlichen Labordiagnostik üblich und zulässig. Es ist jedoch darauf zu achten, dass keine Überschneidungen bei den methodischen Ausschlüssen vorliegen.

Ziffer 4044 in der neuen GOÄ

Die Sammelziffer für Ligandenassay-Hormonbestimmungen mit ähnlichem methodischem Aufwand (höhere Preisstufe, heute 2,3-fach: 23,46 €) entfällt in der neuen GOÄ ersatzlos. Der Entwurf sieht keinen generischen Nachfolger vor; für jeden abzurechnenden Hormonparameter ist die jeweilige spezifische neue Einzelziffer zu suchen.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4044

Die GOÄ-Ziffer 4044 wird mit 350 Punkten bewertet. Dies entspricht einem Einfachsatz von 20,40 € und einem Regelhöchstsatz (1,15-fach) von 23,46 €. Der Höchstsatz (1,3-fach) liegt bei 26,52 €.
Unter die GOÄ 4044 fallen Hormonbestimmungen mittels Ligandenassay wie fT3, fT4, LH, FSH oder Testosteron. Auch andere Analysen mit ähnlichem methodischem Aufwand können hierunter berechnet werden. Der konkrete Parameter muss auf der Rechnung angegeben werden.
Ja, die Doppelbestimmung ist laut Leistungsbeschreibung bereits in der GOÄ 4044 enthalten. Sie darf daher nicht als separate Leistung oder über eine zusätzliche Ziffer abgerechnet werden. Auch die Erstellung der aktuellen Bezugskurve ist damit abgegolten.
Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15-fach hinaus erfordert eine patientenbezogene Begründung. Typische Gründe sind ein außergewöhnlich hoher methodischer Aufwand oder schwierige Probenbeschaffenheiten. Allgemeine Floskeln wie erhöhter Zeitaufwand werden von Prüfern meist abgelehnt.
Ja, die GOÄ 4044 kann am selben Tag mehrfach abgerechnet werden, wenn unterschiedliche hormonelle Parameter bestimmt wurden. Jeder untersuchte Parameter muss dabei einzeln auf der Rechnung aufgeführt werden. Eine mehrfache Abrechnung desselben Parameters ist hingegen unzulässig.
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