Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4057
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Reninaktivität (PRA), kinetische Bestimmung mit mindestens drei Meßpunkten
Die GOÄ-Ziffer 4057 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich der Spezial-Laboruntersuchungen. Die Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität (PRA) erfolgt mittels eines Ligandenassays, wobei die Methode eine kinetische Bestimmung mit mindestens drei Messpunkten vorschreibt. Zudem sind die Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve standardmäßig in der Leistung enthalten.
Für die korrekte Abrechnung ist es zwingend erforderlich, dass die untersuchten Parameter auf der Liquidation explizit angegeben werden. Fehlt diese Angabe, kann dies zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen führen.
GOÄ 4057 in der Praxis: Diagnostik des Hyperaldosteronismus
Die Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität nach GOÄ 4057 ist ein zentraler Baustein in der endokrinologischen Diagnostik. Hauptindikation ist der Verdacht auf einen primären Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom), insbesondere bei Patienten mit therapierefraktärer Hypertonie und Hypokaliämie. Hierbei wird die PRA meist im Verhältnis zur Aldosteronkonzentration bestimmt, um den sogenannten Aldosteron-Renin-Quotienten (ARQ) zu berechnen.
In der modernen Laborpraxis muss zwischen der Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität (PRA) und der Bestimmung der direkten Reninkonzentration (DRK) unterschieden werden. Während die PRA die enzymatische Aktivität des Renins misst (GOÄ 4057), erfasst die DRK die Masse des Proteins. Für die DRK kommt häufig eine andere Ziffer zur Anwendung, weshalb die präzise Methodik im Laborblatt dokumentiert sein muss.
Tipp: Achten Sie bei der Anforderung im Labor darauf, ob eine PRA (GOÄ 4057) oder eine direkte Reninkonzentration gewünscht ist, da sich die Abrechnungsziffern und die präanalytischen Anforderungen unterscheiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4057
Fallbeispiel 1: Abklärung eines Conn-Syndroms
Ein Patient stellt sich mit schwer einstellbarer Hypertonie und hypokaliämischer Stoffwechsellage vor. Der behandelnde Arzt veranlasst die Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität sowie der Aldosteronkonzentration zur Ermittlung des Aldosteron-Renin-Quotienten. Das Labor führt eine Doppelbestimmung der PRA mittels Ligandenassay durch.
Die Abrechnung erfolgt mit der vollen GOÄ-Ziffer 4057 zum Regelsatz (1,15-fach = 32,17 €), da eine vollständige Doppelbestimmung stattgefunden hat. Zusätzlich wird die Aldosteronbestimmung nach GOÄ-Ziffer 4058 liquidiert.
Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle unter Therapie
Bei einem Patienten mit bekanntem sekundärem Hyperaldosteronismus soll die medikamentöse Therapie überwacht werden. Es wird eine Einfachbestimmung der Plasma-Renin-Aktivität angefordert und durchgeführt.
Da keine Doppelbestimmung erfolgte, greift die Minderungsregelung. Abgerechnet werden 66 % des Gebührensatzes der GOÄ 4057, was einem reduzierten Einfachsatz von 18,42 € entspricht. Mit dem Regelfaktor (1,15-fach) ergibt sich ein Betrag von 21,18 €.
Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik der renalen Hypertonie
Zur Abklärung einer vermuteten Nierenarterienstenose wird bei einer Patientin die Plasma-Renin-Aktivität im peripheren Venenblut bestimmt. Das Labor führt die geforderte kinetische Bestimmung mit vier Messpunkten als Doppelbestimmung durch.
Die Abrechnung erfolgt korrekt mit die GOÄ-Ziffer 4057 zum Regelhöchstsatz (1,15-fach). Die Dokumentation weist die vier Messpunkte und die Erstellung der Bezugskurve explizit aus.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4057: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4057 liegt im Übersehen der Minderungsregelung bei Einfachbestimmung. Wird im Labor nur eine Einfachbestimmung durchgeführt, darf nicht der volle Gebührensatz liquidiert werden. In diesem Fall sind nur 66 % der Gebühr (18,42 € als Basis) anzusetzen.
Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen ist die Verwechslung mit der direkten Reninkonzentration. Private Kostenträger prüfen genau, ob die Voraussetzungen der kinetischen Bestimmung mit mindestens drei Messpunkten tatsächlich erfüllt und dokumentiert wurden.
Achtung: Die Abrechnung des vollen Satzes der GOÄ 4057 bei einer bloßen Einfachbestimmung gilt als Falschabrechnung und führt bei Prüfungen unweigerlich zur Honorarkürzung.
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Dokumentation der GOÄ 4057: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Für die GOÄ 4057 müssen die kinetische Methodik, die Anzahl der Messpunkte (mindestens drei) sowie das Vorliegen einer Doppelbestimmung im Laborbuch oder der elektronischen Patientenakte hinterlegt sein.
Zudem muss die Rechnung den konkreten untersuchten Parameter (Plasma-Renin-Aktivität) nennen. Bei Abweichungen vom Standardverfahren, wie der Durchführung einer Einfachbestimmung, muss die entsprechende prozentuale Minderung direkt auf der Rechnung ausgewiesen werden.
Dokumentationsbeispiel: Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität (PRA) mittels Ligandenassay. Durchführung als Doppelbestimmung inklusive aktueller Bezugskurve. Kinetische Messung an 3 Messpunkten (T0, T1, T2). Befund: PRA im Normbereich.
GOÄ 4057: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4057 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15, der maximale Höchstsatz bei 1,3. Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 bis zum 1,3-fachen Satz ist nur bei besonderem Aufwand zulässig.
Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz können beispielsweise schwierige präanalytische Bedingungen (z. B. extreme Instabilität des Probenmaterials) oder komplexe Störfaktoren in der Patientenprobe sein, die eine wiederholte Kalibrierung erforderten. Diese Begründungen müssen auf der Rechnung einzelfallbezogen und nachvollziehbar dargelegt werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 4057 selten isoliert abgerechnet. Häufig erfolgt die Kombination mit der GOÄ-Ziffer 4058 (Aldosteronbestimmung), um den Aldosteron-Renin-Quotienten zu berechnen. Auch die Blutentnahme (z. B. nach GOÄ-Ziffer 250) und die Probenaufbereitung können im Rahmen der Gesamtabrechnung eine Rolle spielen, sofern die allgemeinen Bestimmungen der GOÄ dies zulassen.
Ziffer 4057 in der neuen GOÄ
Die kinetische Reninaktivität (Plasma-Renin-Aktivität, PRA) mit mindestens drei Messpunkten mittels Ligandenassay (heute beim 2,3-fachen Satz: 32,18 €) entfällt in der neuen GOÄ ersatzlos. Der Entwurf sieht für die PRA als Funktionstestmethode keinen Nachfolger vor. Die direkte Reninkonzentrationsbestimmung (früher Ziffer 4058) hat hingegen eine eigene Nachfolgeziffer erhalten.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4057
Was hat nicht gestimmt?