GOÄ 4062: Hormonbestimmung richtig abrechnen

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GOÄ 4062
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Untersuchungen mit ähnlichem Aufwand
Punktzahl 480  
Einfachsatz 27,98 € 1,0x
Regelhöchstsatz 32,17 € 1,1x
Höchstsatz 36,37 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4062

Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Untersuchungen mit ähnlichem Aufwand

Die GOÄ-Ziffer 4062 beschreibt eine zentrale Leistung im Bereich der spezialisierten Laboratoriumsuntersuchungen. Sie kommt bei der quantitiven Analyse von Hormonen zum Einsatz, die mittels moderner Ligandenassays durchgeführt wird. Zu diesen Verfahren zählen beispielsweise der Radioimmunoassay (RIA), der Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA) oder der Fluoreszenzimmunoassay (FIA).

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Ziffer ist, dass die Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve bereits in der Leistung enthalten sind. Die Methode erfordert eine präzise Kalibrierung, um verlässliche quantitative Aussagen über die Hormonkonzentration im Serum oder Plasma treffen zu können. Gemäß den Abrechnungsbestimmungen ist der jeweils untersuchte Parameter zwingend in der Rechnung anzugeben.

GOÄ 4062 in der Praxis: Indikationen und methodische Anforderungen

In der täglichen Praxis wird die GOÄ-Ziffer 4062 für eine Vielzahl von endokrinologischen Fragestellungen herangezogen. Typische Indikationen umfassen die Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen, Fertilitätsstörungen, Erkrankungen der Nebennierenrinde sowie Wachstumsstörungen. Durch die hohe Spezifität der Ligandenassays lassen sich selbst geringste Hormonkonzentrationen exakt bestimmen.

Die Abrechnung setzt voraus, dass die methodischen Vorgaben der Qualitätssicherung im Labor eingehalten werden. Hierzu gehört neben der regelmäßigen Qualitätskontrolle auch die Dokumentation der verwendeten Reagenzien und Geräte. Da Hormone oft tageszeitlichen Schwankungen unterliegen, ist die Dokumentation des Entnahmezeitpunkts für die klinische Interpretation unerlässlich.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4062

Fallbeispiel 1: Bestimmung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH)

Eine Patientin stellt sich mit Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion vor. Zur Abklärung wird eine Doppelbestimmung des TSH-Werts mittels ELISA durchgeführt. Da die Leistung vollständig inklusive Doppelbestimmung und Bezugskurve erfolgt, wird die GOÄ-Ziffer 4062 zum Regelhöchstsatz abgerechnet. Der Parameter TSH wird auf der Liquidation explizit ausgewiesen.

Fallbeispiel 2: Progesteronbestimmung als Einfachbestimmung

Bei einer Patientin wird im Rahmen der Zyklusdiagnostik der Progesteronwert bestimmt. Aus ökonomischen Gründen führt das Labor nur eine Einfachbestimmung des Hormons durch. In diesem Fall darf nicht der volle Gebührensatz liquidiert werden. Die Abrechnung erfolgt mit einem Abschlag von 34 Prozent, sodass 66 Prozent der Gebühr (18,42 Euro als Einfachsatz) angesetzt werden.

Fallbeispiel 3: Cortisol-Tagesprofil bei Verdacht auf Cushing-Syndrom

Zur Diagnostik eines Hypercortisolismus werden einem Patienten zu drei verschiedenen Uhrzeiten Blutproben entnommen. In jeder Probe wird eine quantitative Cortisolbestimmung als Doppelbestimmung durchgeführt. Die GOÄ-Ziffer 4062 kann in diesem Szenario dreimal nebeneinander abgerechnet werden. Auf der Rechnung müssen die jeweiligen Entnahmeuhrzeiten präzise dokumentiert sein.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4062: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4062 ist das Versäumnis, den Abschlag bei einer Einfachbestimmung vorzunehmen. Wird in der Dokumentation ersichtlich, dass keine Doppelbestimmung stattfand, kürzen private Krankenversicherungen das Honorar konsequent. Die 66-Prozent-Regelung muss in diesen Fällen zwingend manuell oder über die Praxissoftware angewendet werden.

Zudem beanstanden Prüfstellen regelmäßig das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Liquidation. Die bloße Angabe der Ziffer 4062 ohne den Zusatz des untersuchten Hormons (z. B. "Östradiol" oder "Testosteron") verstößt gegen die Rechnungslegungsvorschriften der GOÄ. Dies führt im schlimmsten Fall zur Unwirksamkeit der gesamten Rechnungsposition.

Achtung: Die Nichtbeachtung der 66-Prozent-Regelung bei Einfachbestimmungen führt regelmäßig zu Rechnungskürzungen durch private Krankenversicherungen und Beihilfestellen.

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Dokumentation der GOÄ 4062: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen der genaue Untersuchungsparameter, die angewandte Methode sowie das Testergebnis dokumentiert sein. Auch der Nachweis, ob eine Doppel- oder Einfachbestimmung durchgeführt wurde, sollte aus den Laborprotokollen klar hervorgehen.

Für die Nachvollziehbarkeit bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen empfiehlt es sich, die Rohdaten der Bezugskurve und die Qualitätskontrollberichte des Analysetags digital zu archivieren. Dies sichert die Praxis im Falle von Rückfragen seitens der privaten Kostenträger rechtlich ab.

Dokumentation: Bestimmung von freiem T4 (fT4) mittels Chemilumineszenz-Immunoassay (CLIA) als Doppelbestimmung. Kalibrationskurve valide. Befund: 1,4 ng/dl. Qualitätskontrolle im Sollbereich.

GOÄ 4062: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die GOÄ-Ziffer 4062 gehört zum Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) und unterliegt einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz, der Höchstsatz bei dem 1,3-fachen Satz. Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15 hinaus ist nur bei Vorliegen besonderer, patientenbezogener Erschwernisse zulässig.

Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz können beispielsweise eine extrem schwierige Probenaufbereitung bei lipämischen Seren oder das Vorliegen von störenden Begleitsubstanzen sein, die zusätzliche Arbeitsschritte erfordern. Diese Besonderheiten müssen auf der Rechnung verständlich und einzelfallbezogen begründet werden.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die Hormonbestimmung mit der vorangegangenen Blutentnahme kombiniert. Hierfür ist die GOÄ-Ziffer 250 (Blutentnahme mittels Spritze, Kanüle oder Vakuumverfahren) ansetzbar. Auch die anschließende Beratung des Patienten über die Laborergebnisse kann, je nach Zeitaufwand und Setting, mit den Ziffern 1 oder 3 liquidiert werden.

Tipp: Nutzen Sie bei der Abrechnung von Hormonprofilen die Möglichkeit, mehrere unterschiedliche Parameter nebeneinander abzurechnen, sofern diese medizinisch indiziert sind und einzeln aufgeführt werden.

Ziffer 4062 in der neuen GOÄ

Die Sammelziffer für Ligandenassay-Hormonbestimmungen mit ähnlichem methodischem Aufwand (höhere Preisstufe, heute 2,3-fach: 32,18 €) entfällt als generische Auffangziffer in der neuen GOÄ. Für die bisher typischerweise unter dieser Ziffer abgerechneten Parameter gibt es jeweils spezifische neue Ziffern — die anzusetzende richtet sich nach dem tatsächlich bestimmten Parameter:

Natriuretische Peptide (Herzinsuffizienz)

  • 11001 BNP und/oder NT-Pro-BNP — immunologisches Schnelltestformat (z. B. Immunchromatographie) aus Vollblut (32,74 €) — nicht neben 12694
  • 12694 BNP und/oder NT-Pro-BNP — Signal-(Tracer-)verstärkter Immunoassay aus Serum oder Plasma (30,73 €) — nicht neben 11001
  • 12702 MR-Pro-ANP — Abklärung Herzinsuffizienz, nur wenn 12694 zur Fragestellung nicht ausreicht (30,73 €)

Wachstumsfaktoren und Bindungsproteine

  • 12701 IGFBP-3 (Insulin-Like-Growth-Factor-Binding-Protein-3) — Abklärung unklarer IGF-1-Befunde (41,11 €)
  • 11996 FGF-23 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor-23) — Risikoabschätzung Dialysebehandlung bei chronischer Niereninsuffizienz (28,97 €)

Steroidhormone und AGS-Diagnostik

  • 11992 11-Desoxycorticosteron — Abklärung AGS (32,82 €)
  • 11993 11-Desoxycortisol — Abklärung AGS (32,82 €)
  • 11994 5α-Dihydrotestosteron — Abklärung 5α-Reduktase-Defizienz (18,29 €)
  • 12005 17-Hydroxypregnenolon — Abklärung AGS (32,82 €)

Weitere Hormon- und Mediatorparameter

  • 12698 Homocystein — Immunoassay/Latexpartikel-verstärkte Immunnephelometrie (34,16 €) — nicht neben 12759
  • 12001 Ghrelin — Abklärung Prader-Willi-Syndrom (33,94 €)
  • 12003 Histamin — Abklärung unklarer Tryptase-Werte (37,28 €)
  • 12007 Inhibin A — Abklärung Down-Syndrom / Quadruple-Test (35,89 €)
  • 12008 Inhibin B — Abklärung männlicher primärer Hypogonadismus (35,89 €)
  • 12010 Leptin — Abklärung Adiponektin/Leptin-Quotient (30,38 €)
  • 12012 Melatonin — Abklärung gestörter Wach-Schlaf-Rhythmus (28,98 €)

Für andere Parameter, die bisher analog über diese Sammelziffer abgerechnet wurden, ist im Entwurf keine generische Nachfolgeziffer vorgesehen; die spezifische neue Einzelziffer muss identifiziert werden.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4062

Die GOÄ-Ziffer 4062 wird für die quantitative Bestimmung von Hormonen mittels Ligandenassay berechnet. Sie umfasst standardmäßig eine Doppelbestimmung sowie eine aktuelle Bezugskurve.
Wird entgegen dem Leistungstext nur eine Einfachbestimmung vorgenommen, dürfen nur 66 Prozent der Gebühr berechnet werden. Dies entspricht einem reduzierten Einfachsatz von 18,42 Euro vor Multiplikation.
Ja, gemäß den Abrechnungsbestimmungen der GOÄ ist die Angabe der konkret untersuchten Parameter auf der Rechnung zwingend erforderlich. Ohne diese Spezifikation ist die Rechnung formal fehlerhaft.
Da es sich um eine Leistung des Abschnitts M (Labor) handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15-fach (32,17 Euro) und der Höchstsatz bei 1,3-fach (36,37 Euro). Eine Überschreitung des Schwellenwerts erfordert eine medizinische Begründung.
Die Ziffer kann für verschiedene Hormone am selben Tag mehrfach berechnet werden, sofern es sich um unterschiedliche Parameter handelt. Die jeweiligen Parameter müssen dann einzeln auf der Liquidation aufgeführt werden.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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