GOÄ 4064: GIP-Bestimmung richtig abrechnen & steigern

5 Min. Lesezeit
GOÄ 4064
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Gastric inhibitory Polypeptid (GIP)
Punktzahl 750  
Einfachsatz 43,72 € 1,0x
Regelhöchstsatz 50,27 € 1,1x
Höchstsatz 56,83 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4064

Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Gastric inhibitory Polypeptid (GIP)

Die GOÄ-Ziffer 4064 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich der Hormonanalytik. Die Bestimmung des Gastric Inhibitory Polypeptids (GIP) erfolgt mittels eines quantitativen Ligandenassays, wie beispielsweise einem Radioimmunoassay (RIA) oder einem Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA). Diese Methoden erfordern eine präzise Kalibrierung und Qualitätskontrolle.

In der Gebühr der Ziffer 4064 sind die Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve bereits vollständig enthalten. Das bedeutet, dass eine mehrfache Durchführung der Messung zur Absicherung des Ergebnisses nicht gesondert in Rechnung gestellt werden darf. Der untersuchte Parameter muss auf der Liquidation zwingend namentlich angegeben werden.

GOÄ 4064 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen von GIP

Das Gastric Inhibitory Polypeptid, auch bekannt als glucoseabhängiges insulinotropes Peptid, ist ein wichtiges Inkretinhormon, das im Duodenum und Jejunum gebildet wird. Die Bestimmung dieses Parameters ist insbesondere bei der Erforschung und Diagnostik von metabolischen Störungen von Bedeutung. Hierzu zählen die Abklärung einer gestörten Glukosetoleranz sowie die Beurteilung der Betazellfunktion des Pankreas.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Diagnostik von neuroendokrinen Tumoren (NET) des Magen-Darm-Trakts, die GIP sezernieren können. Auch im Rahmen von Studien oder spezialisierten Abklärungen nach bariatrischen Operationen (wie einem Magenbypass) liefert die quantitative Bestimmung von GIP wertvolle therapeutische Erkenntnisse. Die Indikationsstellung muss in der Patientenakte klar dokumentiert sein, um die medizinische Notwendigkeit zu belegen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4064

Fallbeispiel 1: Verdacht auf neuroendokrinen Tumor

Ein Patient stellt sich mit rezidivierenden wässrigen Diarrhöen und unklaren abdominellen Beschwerden vor. Zum Ausschluss eines seltenen gastrointestinalen Tumors veranlasst der Arzt eine umfassende Hormonanalyse im Blut. Neben Gastrin und VIP wird auch das Gastric Inhibitory Polypeptid (GIP) bestimmt.

Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4064 zum Regelsatz (1,15-fach). Da es sich um eine gezielte Tumorsuche handelt, ist die medizinische Notwendigkeit zweifelsfrei gegeben. Auf der Rechnung wird der Parameter "GIP" explizit ausgewiesen.

Fallbeispiel 2: Abklärung nach bariatrischer Operation

Eine Patientin leidet nach einem Magenbypass unter postprandialen Hypoglykämien (Dumping-Syndrom). Zur Beurteilung der veränderten Inkretinsekretion wird ein standardisierter Test durchgeführt und GIP im Serum bestimmt.

Die Laborleistung wird mit der Ziffer 4064 abgerechnet. Da die Probenaufbereitung aufgrund von Begleitmedikation und Probenbeschaffenheit erschwert war, begründet das Labor eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz.

Fallbeispiel 3: Diagnostik bei therapierefraktärem Diabetes mellitus

Bei einem Patienten mit atypischem Diabetes mellitus soll die verbliebene Inkretinreaktion untersucht werden, um die Indikation für eine spezifische GLP-1- oder GIP-Rezeptor-Agonisten-Therapie zu prüfen. Es erfolgt die Blutentnahme zur GIP-Bestimmung.

Die Abrechnung der Ziffer 4064 erfolgt problemlos mit dem 1,15-fachen Satz. Die Dokumentation enthält die genaue Fragestellung zur therapeutischen Konsequenz.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4064: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4064 ist das Versäumnis, den konkreten Analysenparameter auf der Rechnung anzugeben. Die GOÄ schreibt in den allgemeinen Bestimmungen vor, dass die Bezeichnung des untersuchten Stoffs für den Patienten und die Erstattungsstellen transparent sein muss. Fehlt diese Angabe, kann die Liquidation formal beanstandet werden.

Zudem darf die Doppelbestimmung, die zur Qualitätssicherung im Labor durchgeführt wird, nicht als zwei getrennte Leistungen berechnet werden. Der Leistungstext schließt dies explizit aus. Auch die Nebeneinanderberechnung von anderen unspezifischen Screening-Ziffern für denselben Parameter ist unzulässig.

Achtung: Es ist darauf zu achten, dass bei der Bestimmung mehrerer gastrointestinaler Hormone jede Ziffer einzeln mit dem jeweiligen Parameter aufgeführt wird. Pauschalbezeichnungen wie "Magen-Darm-Hormone" führen regelmäßig zu Kürzungen durch die privaten Krankenversicherungen.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 4064: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Honorardurchsetzung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, der Zeitpunkt der Blutentnahme und das Laborergebnis dokumentiert sein. Bei postprandialen Messungen sollte zudem die genaue Zeitspanne nach der Nahrungsaufnahme vermerkt werden.

Falls die Analyse extern an ein Speziallabor überwiesen wird, muss der Überweisungsauftrag sowie der eingehende Befundbericht archiviert werden. Dies dient als Nachweis für die tatsächlich erbrachte Leistung im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Dokumentationsbeispiel: Verdacht auf reaktive Hypoglykämie bei Zustand nach Magenbypass. Blutentnahme zur GIP-Bestimmung (GOÄ 4064) 60 Minuten postprandial. Probe zentrifugiert, Serum tiefgefroren an Speziallabor versandt. Befund liegt vor und wurde archiviert.

GOÄ 4064: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ 4064 dem Abschnitt M III angehört, liegt der normale Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur mit einer schriftlichen, patientenbezogenen Begründung zulässig.

Typische Begründungen für das Überschreiten des Schwellenwerts sind ein ungewöhnlich hoher Aufwand bei der Probenvorbereitung, beispielsweise bei stark lipämischen oder hämolytischen Blutproben, die eine zusätzliche Sonderbehandlung erfordern. Auch extrem zeitkritische Verarbeitungen bei instabilen Proben können eine Steigerung rechtfertigen.

Typische Ziffernkombinationen

In der Praxis wird die GIP-Bestimmung selten isoliert durchgeführt. Häufig erfolgt sie im Rahmen einer umfassenden endokrinologischen Abklärung zusammen mit der Bestimmung von Insulin oder anderen gastrointestinalen Peptiden. Diese Ziffern sind nebeneinander berechenbar, sofern es sich um unterschiedliche chemische Parameter handelt.

Tipp: Es empfiehlt sich, bei komplexen Stoffwechselanalysen die Möglichkeit zu nutzen, die verschiedenen Hormonparameter nebeneinander abzurechnen. Dabei muss für jede Ziffer der spezifische Parameter auf der Rechnung ausgewiesen werden, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.

Ziffer 4064 in der neuen GOÄ

Die Bestimmung des Gastric Inhibitory Polypeptide (GIP) mittels Ligandenassay (heute beim 2,3-fachen Satz: 50,28 €) entfällt in der neuen GOÄ ersatzlos. Der Entwurf sieht für GIP keinen Nachfolger vor.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4064

Die Bestimmung nach GOÄ 4064 kostet im einfachen Satz 43,72 € und im Regelhöchstsatz (1,15-fach) 50,27 €. Der Höchstsatz liegt bei 56,83 €. Höhere Sätze erfordern eine medizinische Begründung.
Nein, die Doppelbestimmung ist bereits in der Gebühr der GOÄ 4064 enthalten. Eine gesonderte Abrechnung dieses Arbeitsschritts ist unzulässig. Dies ist im offiziellen Leistungstext explizit festgeschrieben.
Auf der Liquidation muss der konkret untersuchte Parameter namentlich angegeben werden. Im Fall der GOÄ 4064 ist dies die Bezeichnung 'Gastric Inhibitory Polypeptid' oder das Kürzel 'GIP'. Ohne diese Angabe riskieren Praxen Honorarkürzungen.
Eine Steigerung über den Regelhöchstsatz von 1,15 hinaus ist bei schwierigen Probenverhältnissen möglich. Dies betrifft beispielsweise stark lipämische oder hämolytische Proben, die eine aufwendige Vorbereitung erfordern. Die Begründung muss patientenbezogen auf der Rechnung dokumentiert werden.
Ja, die GOÄ 4064 kann neben anderen Hormonziffern abgerechnet werden, sofern es sich um unterschiedliche Parameter handelt. Typische Kombinationen umfassen die Bestimmung von Insulin oder Gastrin. Jeder Parameter muss einzeln aufgeführt werden.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich