Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4072
Hormonbestimmung mittels Hochdruckflüssigkeitschromatographie, Gaschromatographie oder Säulenchromatographie und Photometrie -Adrenalin und/oder Noradrenalin und/oder Dopamin im Plasma oder Urin
Die GOÄ-Ziffer 4072 beschreibt eine hochspezifische laborchemische Untersuchung aus dem Bereich des Speziallabors (Abschnitt M III). Diese Leistung umfasst die quantitative Bestimmung der Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Als Untersuchungsmaterialien sind entweder Blutplasma oder Urin (häufig als 24-Stunden-Sammelurin) vorgesehen.
Methodisch verlangt die Ziffer den Einsatz moderner Trennverfahren wie der Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC) oder der Gaschromatographie, kombiniert mit einer photometrischen oder elektrochemischen Detektion. Einfache immunologische Schnelltests erfüllen diese methodischen Kriterien nicht und dürfen daher nicht unter dieser Ziffer abgerechnet werden.
GOÄ 4072 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Die Bestimmung der Katecholamine über die GOÄ-Ziffer 4072 ist ein essenzieller Baustein in der Diagnostik von neuroendokrinen Tumoren. Der häufigste klinische Verdacht betrifft das Phäochromozytom, einen meist gutartigen, aber hormonell aktiven Tumor des Nebennierenmarks. Auch bei Kindern mit Verdacht auf ein Neuroblastom liefert diese Untersuchung entscheidende diagnostische Hinweise.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Abklärung einer therapierefraktären oder krisenhaften arteriellen Hypertonie. Wenn Standardtherapeutika versagen und paroxysmale Blutdruckspitzen auftreten, ist die Bestimmung von Adrenalin und Noradrenalin im Plasma oder Sammelurin indiziert. Die präanalytische Vorbereitung des Patienten, wie das Absetzen bestimmter Medikamente und Nahrungsmittel, ist hierbei für valide Ergebnisse zwingend erforderlich.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4072
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Phäochromozytom
Ein Patient stellt sich mit anfallsartigem Kopfschmerz, Herzrasen und starkem Schwitzen vor. Zur Abklärung eines Phäochromozytoms wird ein 24-Stunden-Sammelurin angefordert. Im Labor erfolgt die Bestimmung von freiem Adrenalin und Noradrenalin mittels HPLC.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4072 zum Regelhöchstsatz (1,15-fach). Auf der Rechnung werden die Parameter "Adrenalin und Noradrenalin im Urin" explizit ausgewiesen.
Fallbeispiel 2: Pädiatrische Abklärung bei Verdacht auf Neuroblastom
Bei einem Kleinkind besteht aufgrund einer abdominellen Raumforderung und erhöhter Reizbarkeit der Verdacht auf ein Neuroblastom. Es erfolgt eine Blutentnahme zur Bestimmung von Dopamin im Plasma.
Die Analyse wird mittels Gaschromatographie durchgeführt. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4072. Da es sich um eine schwierige Blutentnahme bei einem Kleinkind handelt, kann für die Blutentnahme selbst eine entsprechende Ziffer herangezogen werden; die Laborziffer 4072 verbleibt im Standardrahmen.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei Paragangliom
Eine Patientin mit einem bekannten, operierten Paragangliom stellt sich zur regelmäßigen Nachsorge vor. Zur Kontrolle einer möglichen Rezidivierung wird das Plasma auf Noradrenalin untersucht.
Die Bestimmung erfolgt mittels HPLC und wird mit der GOÄ-Ziffer 4072 liquidiert. Die Dokumentation weist die Indikation "Rezidivprophylaxe bei Paragangliom" aus.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4072: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Abrechnungsfehler bei der GOÄ-Ziffer 4072 ist die Mehrfachabrechnung bei der Bestimmung mehrerer Katecholamine. Da der Leistungstext die Formulierung "Adrenalin und/oder Noradrenalin und/oder Dopamin" enthält, ist die Ziffer auch dann nur einmal berechenbar, wenn alle drei Hormone gleichzeitig analysiert werden. Eine Vervielfachung der Ziffer für jeden einzelnen Parameter ist unzulässig und führt regelmäßig zu Kürzungen durch die privaten Krankenversicherungen.
Achtung: Die untersuchten Parameter müssen zwingend namentlich auf der Rechnung aufgeführt werden. Fehlt die Angabe, welcher der Stoffe bestimmt wurde, ist die Rechnung formal fehlerhaft.
Ein weiterer Fehler betrifft die Methodik. Wird die Bestimmung nicht mittels Chromatographie, sondern über ein einfacheres immunochemisches Verfahren durchgeführt, darf die GOÄ 4072 nicht herangezogen werden. In solchen Fällen müssen die entsprechenden Ziffern für einfachere Ligandenassays genutzt werden.
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Dokumentation der GOÄ 4072: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das gewonnene Probenmaterial und die angewandte Analysenmethode präzise festgehalten werden. Auch präanalytische Besonderheiten, wie eine diätetische Karenz vor der Probenentnahme, sollten vermerkt werden.
Dokumentation: Verdacht auf Phäochromozytom bei hypertensiver Krise. Gewinnung von 24-h-Sammelurin (Volumen: 1800 ml, angesäuert). Quantitative Bestimmung von Adrenalin und Noradrenalin mittels HPLC-Photometrie gemäß GOÄ 4072.
Für das abrechnende Labor ist zudem die Archivierung der chromatographischen Rohdaten im Rahmen der Qualitätssicherung nach den Richtlinien der Bundesärztekammer obligatorisch. Diese Daten dienen im Streitfall als objektiver Nachweis der Leistungserbringung.
GOÄ 4072: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4072 dem Abschnitt M III angehört, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-Fache der Gebühr. Eine Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3 ist nur in seltenen, medizinisch begründeten Ausnahmefällen möglich. Typische Begründungen sind ein außergewöhnlich hoher Aufwand bei der Probenvorbereitung, beispielsweise durch störende Begleitmedikamente im Plasma.
Tipp: Bei der Bestimmung aus dem Urin empfiehlt sich die parallele Bestimmung von Kreatinin, um die Hormonausscheidung auf die Nierenleistung zu beziehen. Dies erhöht die diagnostische Aussagekraft erheblich.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 4072 häufig mit der Bestimmung der Metanephrine und Normetanephrine (GOÄ-Ziffer 4073) kombiniert, da diese Abbauprodukte eine noch höhere Sensitivität für die Phäochromozytom-Diagnostik aufweisen. Auch die Bestimmung von Kreatinin im Urin nach GOÄ-Ziffer 3585 ist eine Standardkombination, um die Katecholamin-Konzentrationen zu normieren. Eine Nebeneinanderberechnung dieser Ziffern ist vollumfänglich zulässig.
Ziffer 4072 in der neuen GOÄ
Die Bestimmung von Adrenalin und/oder Noradrenalin und/oder Dopamin mittels HPLC oder Gaschromatographie ist in der neuen GOÄ methodisch aufgespalten:
- 12051 Adrenalin und/oder Noradrenalin und/oder Dopamin — HPLC aus Plasma oder Urin, ggf. einschließlich Probenaufbereitung (z. B. Extraktion) (32,94 €) — je bestimmtem Parameter
- 11982 Adrenalin und/oder Noradrenalin — Signal-(Tracer-)verstärkter Immunoassay aus Plasma oder Urin, ggf. einschließlich Probenaufbereitung (35,46 €)
Heute liegt der 2,3-fache Satz bei 38,20 €. Für Dopamin existiert im Entwurf kein eigener immunologischer Nachfolger; Dopamin ist nur über den HPLC-Zweig abgebildet. Die eingesetzte Methode entscheidet über die zutreffende neue Ziffer.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4072
Was hat nicht gestimmt?