Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4075
Hormonbestimmung mittels Hochdruckflüssigkeitschromatographie, Gaschromatographie oder Säulenchromatographie und Photometrie -Serotonin
Die GOÄ-Ziffer 4075 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich der Spezial-Laboruntersuchungen. Im Zentrum steht die quantitative Bestimmung des Gewebshormons und Neurotransmitters Serotonin. Diese Analyse erfordert komplexe apparative Verfahren wie die Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC) oder die Gaschromatographie.
Die offizielle Leistungsbeschreibung legt fest, dass die untersuchten Parameter zwingend in der Rechnung anzugeben sind. Eine pauschale Abrechnung ohne Nennung des konkreten Analyten ist unzulässig. Die Ziffer deckt die gesamte laboranalytische Kette inklusive der Probenvorbereitung und der Auswertung ab.
GOÄ 4075 in der Praxis: Diagnostik neuroendokriner Tumoren
Die Bestimmung von Serotonin kommt vor allem bei der Diagnostik und Verlaufsbeobachtung von gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren (GEP-NET) zum Einsatz. Diese Tumoren, früher oft als Karzinoide bezeichnet, produzieren häufig unkontrolliert Serotonin. Ein erhöhter Serotoninspiegel im Blut ist ein starker Indikator für ein solches Krankheitsbild.
Klinische Symptome wie anfallsartige Hautrötungen, chronische Diarrhöen oder Asthma-ähnliche Beschwerden rechtfertigen die labormedizinische Abklärung. Die Untersuchung dient somit sowohl der Primärdiagnostik als auch der engmaschigen Therapiesteuerung nach operativen Eingriffen oder unter medikamentöser Behandlung. Auch bei unklaren neuropsychiatrischen Fragestellungen kann die Bestimmung in seltenen Fällen indiziert sein.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4075
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Karzinoidsyndrom
Ein Patient stellt sich mit rezidivierendem, anfallsartigem Flushing und krampfartigen Bauchschmerzen vor. Zum Ausschluss eines neuroendokrinen Tumors veranlasst die Praxis eine Blutentnahme zur Bestimmung des Serotoninspiegels. Die Analyse erfolgt mittels HPLC im Speziallabor. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4075 mit dem Regelhöchstsatz von 1,15.
Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei bekanntem Dünndarm-NET
Bei einer Patientin mit einem histologisch gesicherten und therapierten neuroendokrinen Tumor des Dünndarms steht die vierteljährliche Nachsorge an. Zur Überprüfung der biochemischen Remission wird der Serotoninwert im Serum bestimmt. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ 4075 zur Rezidivüberwachung.
Fallbeispiel 3: Abklärung sekretorischer Diarrhöen
Ein Patient leidet seit Monaten unter schweren, wässrigen Diarrhöen, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprechen. Im Rahmen der erweiterten Differenzialdiagnostik wird eine hormonelle Ursache abgeklärt. Die Bestimmung von Serotonin sichert den Ausschluss eines hormonaktiven Tumors ab, was die Abrechnung der Ausschlussdiagnostik begründet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4075: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger formaler Fehler ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Liquidation. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen weisen Rechnungen regelmäßig zurück, wenn dort lediglich die Ziffer 4075 ohne den Zusatz Serotonin aufgeführt ist. Die Transparenz für den Zahlungspflichtigen muss stets gewährleistet sein.
Achtung: Die GOÄ 4075 darf nicht mehrfach für denselben Analyten am selben Tag berechnet werden, selbst wenn verschiedene chromatographische Methoden kombiniert wurden. Achten Sie darauf, dass methodische Doppeluntersuchungen nicht fälschlicherweise doppelt liquidiert werden.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig die fehlerhafte Anwendung von Steigerungsfaktoren außerhalb des zulässigen Rahmens. Da es sich um eine Leistung des Abschnitts M handelt, gelten hier strengere Grenzen als im therapeutischen Bereich. Eine Überschreitung des Schwellenwertes ohne eine fundierte, patientenbezogene Begründung führt fast immer zur Kürzung.
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Dokumentation der GOÄ 4075: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schutzschild gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die spezifische Indikation, das Entnahmedatum sowie die genaue Uhrzeit der Blutentnahme festgehalten werden. Da Serotonin starken tageszeitlichen Schwankungen unterliegen kann, ist der Entnahmezeitpunkt medizinisch und abrechnungstechnisch relevant.
Der schriftliche Laborbefund des Labors, der den gemessenen Wert und die angewandte Methode (z. B. HPLC) ausweist, muss zwingend archiviert werden. Bei einer eventuellen Wirtschaftlichkeitsprüfung dient dieser Befundbericht als primärer Nachweis der Leistungserbringung.
Dokumentation: Verdacht auf neuroendokrinen Tumor bei chronischer Diarrhö und Flushing. Blutentnahme Serum um 08:30 Uhr. Laboranalyse Serotonin mittels HPLC angefordert. Befundbericht liegt vor und zeigt einen Wert von 350 ng/ml.
GOÄ 4075: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 4075 unterliegt als Laborleistung des Abschnitts M dem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur bei außergewöhnlich schwierigen oder zeitaufwendigen Analysen zulässig. Dies kann beispielsweise bei stark lipämischen oder hämolytischen Proben der Fall sein, die eine aufwendige Sonderbehandlung im Labor erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die Bestimmung von Serotonin häufig mit der Bestimmung seines Hauptmetaboliten, der 5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA), kombiniert. Diese Kombination erhöht die diagnostische Sensitivität erheblich. Neben der GOÄ 4075 wird dann meist die entsprechende Ziffer für die organische Säurebestimmung im Urin angesetzt. Auch die Blutentnahme nach Ziffer 250 ist eine regelmäßige Begleitleistung.
Tipp: Kombinieren Sie die Serotoninbestimmung im Blut stets mit einer strukturierten Anamnese und klinischen Untersuchung, um das klinische Bild des Patienten vollständig zu erfassen und die Indikation für das Labor sauber zu begründen.
Ziffer 4075 in der neuen GOÄ
Die Serotonin-Bestimmung mittels Chromatographie oder Gaschromatographie ist in der neuen GOÄ abhängig von der Methode auf drei verschiedene Ziffern aufgeteilt:
- 12053 Serotonin (zusammen mit 5-HIES und/oder 5-Hydroxytryptophan) — reine Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC) aus Plasma oder Urin (25,50 €)
- 12075 Hormonspektrum I — LC-MS/HPLC-MS/LC-MS/MS (Serotonin ist anzugeben) (72,03 €)
- 12076 Hormonspektrum II — GC-MS (Serotonin ist anzugeben) (63,32 €)
Heute liegt der 2,3-fache Satz bei 38,20 €. Für reine GC-, Säulenchromatographie- oder Photometriemethoden ohne HPLC bzw. GC-MS sieht der Entwurf keinen Serotonin-Nachfolger vor. Die Ziffern 12053 und 12075 sind für denselben Analyten nicht nebeneinander berechnungsfähig.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4075
Was hat nicht gestimmt?