GOÄ 4085: Obsolete VMA-Bestimmung korrekt ersetzen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 4085
Vanillinmandelsäure im Urin (VMA), Dünnschichtchromatographie, semiquantitativ
Punktzahl 250  
Einfachsatz 14,57 € 1,0x
Regelhöchstsatz 16,76 € 1,1x
Höchstsatz 18,94 € 1,3x

Die GOÄ-Ziffer 4085 für die semiquantitative VMA-Bestimmung gilt als veraltet. Erfahren Sie alles über moderne Alternativen und fehlerfreie Abrechnung.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4085

GOÄ-Ziffer 4085: Vanillinmandelsäure im Urin (VMA), Dünnschichtchromatographie, semiquantitativ – Punktzahl: 250

Die GOÄ-Ziffer 4085 beschreibt die semiquantitative Bestimmung von Vanillinmandelsäure (VMA) im Urin unter Verwendung der Dünnschichtchromatographie. Die Vanillinmandelsäure ist das Hauptabbauprodukt der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin. Diese Untersuchung diente in der Vergangenheit vor allem dem Screening auf katecholaminproduzierende Tumoren.

Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht gilt diese Methode heute jedoch als überholt und obsolet. Die geringe Spezifität und Sensitivität der semiquantitativen Dünnschichtchromatographie entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse. Moderne Laboratorien setzen stattdessen auf hochpräzise quantitative Verfahren.

GOÄ 4085 in der Praxis: Warum die Ziffer obsolet ist

In der modernen medizinischen Praxis spielt die GOÄ-Ziffer 4085 keine aktive Rolle mehr. Der Ausschluss oder Nachweis eines Phäochromozytoms oder eines Neuroblastoms erfordert eine hochpräzise quantitative Analytik. Semiquantitative Suchtests im Urin mittels Dünnschichtchromatographie sind fehleranfällig und führen häufig zu falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnissen.

Anstelle der veralteten Methode nach Ziffer 4085 wird heute die quantitative Bestimmung der freien Metanephrine und Normetanephrine im Plasma oder im 24-Stunden-Sammelurin durchgeführt. Diese modernen Analysen werden über die GOÄ-Ziffer 4077 (für quantitative Bestimmungen von Hormonen oder deren Metaboliten) abgerechnet. Die Ziffer 4085 sollte daher in keinem aktuellen Laboranforderungsbogen mehr aktiv ausgewählt werden.

Achtung: Die Abrechnung einer obsoleten Leistung wie der GOÄ 4085 kann bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen oder Erstattungsverfahren durch private Krankenversicherungen zu sofortigen Kürzungen führen, da die medizinische Notwendigkeit nach § 1 Abs. 2 GOÄ nicht mehr gegeben ist.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4085

Da die Ziffer 4085 obsolet ist, zeigen die folgenden Beispiele, wie entsprechende klinische Fragestellungen heute leitliniengerecht und gebührenkonform gelöst und abgerechnet werden.

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Phäochromozytom bei therapiereistenter Hypertonie

Ein Patient stellt sich mit krisenhaftem Bluthochdruck und Kopfschmerzen vor. Zum Ausschluss eines Phäochromozytoms ist eine Bestimmung der Katecholamin-Metaboliten indiziert. Anstelle der veralteten semiquantitativen Methode nach GOÄ 4085 veranlasst die Praxis eine quantitative Bestimmung der Metanephrine im Plasma.

Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 4077 (Hormone, Metabolite, quantitative Bestimmung). Dies sichert eine leitliniengerechte Diagnostik und eine problemlose Erstattung durch die privaten Krankenversicherungen.

Fallbeispiel 2: Pädiatrisches Screening auf Neuroblastom

Bei einem Kleinkind besteht der klinische Verdacht auf ein Neuroblastom. Früher wurde hierfür häufig ein semiquantitativer VMA-Schnelltest nach GOÄ 4085 durchgeführt. Heute fordert die Pädiatrie die präzise quantitative Bestimmung von Vanillinmandelsäure (VMA) und Homovanillinsäure (HVA) im Urin an.

Das Labor bestimmt beide Parameter mittels Flüssigchromatographie (HPLC). Abgerechnet wird diese moderne Analytik zweifach über die GOÄ-Ziffer 4077, da es sich um zwei getrennte quantitative Bestimmungen von Hormonmetaboliten handelt.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle nach Tumorexstirpation

Nach der erfolgreichen operativen Entfernung eines hormonaktiven Tumors des Nebennierenmarks ist eine engmaschige Nachsorge erforderlich. Ein semiquantitativer Test nach GOÄ 4085 wäre hierfür viel zu ungenau und medizinisch nicht vertretbar.

Die Praxis fordert daher die quantitative Bestimmung der freien Katecholamine im 24-Stunden-Urin an. Die Abrechnung dieser hochsensiblen Nachsorgediagnostik erfolgt regelkonform über die GOÄ-Ziffer 4078 oder 4077, je nach genauer methodischer Ausgestaltung des Labors.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4085: Was Prüfer beanstanden

Der gravierendste Fehler im Zusammenhang mit der GOÄ-Ziffer 4085 ist deren tatsächliche Verwendung in der heutigen Zeit. Da die Dünnschichtchromatographie für diesen Zweck als medizinisch überholt gilt, beanstanden private Krankenversicherungen und Beihilfestellen die Abrechnung dieser Ziffer fast ausnahmslos.

Ein weiterer Fehler ist die fehlerhafte Kombination von veralteten semiquantitativen und modernen quantitativen Methoden. Werden neben einer quantitativen Bestimmung nach GOÄ 4077 zusätzlich semiquantitative Tests nach GOÄ 4085 abgerechnet, wird dies als unzulässige Doppelabrechnung oder medizinisch nicht notwendige Überdiagnostik gewertet.

Tipp: Überprüfen Sie Ihre laborinternen Anforderungsbögen und Praxis-EDV-Systeme. Löschen Sie die Ziffer 4085 aktiv aus Ihren Standardprofilen, um automatische Regresse und zeitaufwendige Rückfragen der Kostenträger von vornherein zu vermeiden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 4085: Praxisbewährte Hinweise

Um im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung oder bei Rückfragen von Privatversicherungen optimal vorbereitet zu sein, muss die medizinische Notwendigkeit der gewählten Diagnostik lückenlos dokumentiert werden. Da die GOÄ 4085 obsolet ist, sollte die Dokumentation stets den Weg zur modernen quantitativen Alternative (z. B. GOÄ 4077) begründen.

In der Patientenakte sollten die spezifischen klinischen Symptome wie paroxysmale Hypertonie, Tachykardie oder Kopfschmerzattacken exakt festgehalten werden. Auch die Art der Probengewinnung (z. B. angesäuerter 24-Stunden-Sammelurin oder gefrorenes EDTA-Plasma) ist für die Qualitätssicherung der Analytik zu dokumentieren.

Dokumentationsbeispiel für moderne VMA-Diagnostik:
"V. a. Phäochromozytose bei therapierefraktärer Hypertonie (RR 190/110 mmHg) und Palpitationen. Veranlassung einer quantitativen Bestimmung der freien Metanephrine im Plasma zur leitliniengerechten Diagnostik. Verzicht auf obsolete semiquantitative Verfahren (GOÄ 4085) zugunsten hochpräziser HPLC-Analytik (Abrechnung über GOÄ 4077)."

GOÄ 4085: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) unterliegt die GOÄ-Ziffer 4085 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Einfachsatz beträgt 14,57 €, der Regelhöchstsatz (1,15-facher Satz) liegt bei 16,76 € und der maximale Höchstsatz (1,3-facher Satz) bei 18,94 €.

Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 auf bis zu 1,3 ist im Laborbereich extrem selten und erfordert eine außergewöhnliche Begründung, wie etwa extreme technische Schwierigkeiten bei der Probenaufbereitung. Da die Methode an sich jedoch als obsolet gilt, ist eine Steigerung dieser Ziffer in der Praxis faktisch nicht mehr durchsetzbar.

Typische Ziffernkombinationen

Anstelle von Kombinationen mit der Ziffer 4085 sollten moderne Laborkombinationen genutzt werden. Häufig wird die quantitative Bestimmung von Hormonmetaboliten (GOÄ 4077) mit der Bestimmung von Kreatinin im Urin zur Normierung der Ausscheidungswerte kombiniert. Hierfür kommt ergänzend die GOÄ-Ziffer 3585 (Kreatinin) zum Einsatz.

Auch die gleichzeitige Bestimmung mehrerer Katecholamin-Abbauprodukte ist üblich. In diesen Fällen wird die GOÄ-Ziffer 4077 mehrfach nebeneinander abgerechnet – jeweils einmal pro quantitativ bestimmtem Analyten (z. B. einmal für Metanephrin, einmal für Normetanephrin).

Ziffer 4085 in der neuen GOÄ

\n

Die semiquantitative VMA-Bestimmung mittels Dünnschichtchromatographie wird in der neuen GOÄ zur quantitativen HPLC-Methode umklassifiziert: Nummer 12052 — „Homovanillinsäure (HVA) und/oder Vanillinmandelsäure (VMA), HPLC" — mit 27,52 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €). Der Analyt (VMA im Urin) bleibt gleich; die Methode wechselt von semiquantitativer Dünnschichtchromatographie auf apparativ-quantitative HPLC.

\n

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4085

Die GOÄ-Ziffer 4085 beschreibt die semiquantitative Bestimmung von Vanillinmandelsäure (VMA) im Urin mittels Dünnschichtchromatographie. Diese Methode gilt in der modernen Medizin jedoch als veraltet und medizinisch nicht mehr notwendig. Stattdessen werden heute präzisere quantitative Verfahren eingesetzt.
Die GOÄ-Ziffer 4085 ist obsolet, da die zugrundeliegende Dünnschichtchromatographie durch modernere, sensitivere Verfahren abgelöst wurde. Private Krankenversicherungen lehnen die Erstattung dieser Leistung wegen mangelnder medizinischer Notwendigkeit in der Regel ab. Die Abrechnung birgt daher ein hohes Regressrisiko.
Als moderne Alternative für die quantitative Bestimmung von Katecholaminen und deren Metaboliten wird die GOÄ-Ziffer 4077 herangezogen. Diese Ziffer deckt hochpräzise quantitative Analysen wie die HPLC oder LC-MS/MS ab. Damit ist eine leitliniengerechte Diagnostik und sichere Erstattung gewährleistet.
Die GOÄ-Ziffer 4085 ist mit 250 Punkten bewertet, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 14,57 € entspricht. Bei Anwendung des medizinischen Regelsatzes von 1,15-fach ergibt sich ein Betrag von 16,76 €. Der maximale Höchstsatz von 1,3-fach beläuft sich auf 18,94 €.
Eine Kombination der obsoleten GOÄ 4085 mit modernen quantitativen Bestimmungen nach GOÄ 4077 ist nicht zulässig und wird von Prüfstellen als Überdiagnostik gestrichen. Praxen sollten ausschließlich die moderne quantitative Analytik veranlassen und abrechnen. Dies vermeidet unnötige Doppeluntersuchungen und Honorarkürzungen.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich