Der LH-RH-Test (Ziffer 4109) ist essenziell zur Abklärung von Hormonstörungen. Erfahren Sie, wie Sie die Ziffer rechtssicher und vollständig abrechnen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4109
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschreibt die Ziffer 4109 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 15 (Funktionsteste) wie folgt:
LH-RH-Test (Zweimalige Bestimmung von LH und FSH) – Punktzahl: 1000
Diese Leistung umfasst die zweimalige Bestimmung der Hormone LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon) im Rahmen eines Stimulationstests. Die Ziffer deckt somit sowohl die basale Messung als auch die stimulierte Messung nach Gabe von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ab.
In der Praxis beinhaltet dies die laborchemische Analyse von insgesamt vier Hormonwerten (2x LH, 2x FSH). Die für den Test notwendige Injektion des Releasing-Hormons sowie die Blutentnahmen unterliegen den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M.
GOÄ 4109 in der Praxis: Indikationen und klinischer Ablauf des GnRH-Tests
Der LH-RH-Test, häufig auch als GnRH-Test bezeichnet, dient der Überprüfung der Funktion der Hypophysen-Gonaden-Achse. Das verabreichte Hormon bewirkt physiologisch eine Freisetzung von LH und FSH aus dem Hypophysenvorderlappen (HVL).
Als klinische Faustregel gilt, dass der stimulierte Anstieg bei Frauen mindestens das Dreifache und bei Männern mindestens das Zweifache des jeweiligen Basalwerts betragen sollte. Ein ausbleibender Anstieg deutet auf eine hypophysäre Störung hin, während ein normaler Anstieg bei niedrigen Basalwerten eine hypothalamische Ursache nahelegt.
Typische Indikationen für die Durchführung sind der unerfüllte Kinderwunsch bei Frauen sowie der Verdacht auf hormonell bedingte Entwicklungsstörungen bei präpubertären Kindern. Auch die Überprüfung der HVL-Funktion bei bekannten Hypophysenadenomen stellt ein klassisches Einsatzgebiet dar.
Tipp: Bei ausbleibendem Anstieg kann eine Wiederholung des Tests nach einwöchiger pulsatiler GnRH-Gabe sinnvoll sein, um einen sekundären Hypogonadismus definitiv zu sichern.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4109
Fallbeispiel 1: Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch
Eine Patientin stellt sich mit sekundärer Amenorrhoe und unerfülltem Kinderwunsch vor. Die basalen LH- und FSH-Werte sind inadäquat niedrig. Zur Differenzierung einer hypothalamischen von einer hypophysären Störung wird ein GnRH-Test durchgeführt.
Nach der ersten Blutentnahme erfolgt die i.v. Gabe von 100 µg LHRH, gefolgt von einer zweiten Blutentnahme nach 30 Minuten. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4109 zum Regelhöchstsatz (1,15-fach), da keine Erschwerungsgründe vorlagen.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Pubertas tarda bei einem Jugendlichen
Ein 15-jähriger Patient zeigt Verzögerungen in der pubertären Entwicklung. Die basalen Gonadotropine sind vermindert. Es wird ein LH-RH-Test mit einer körpergewichtsadaptierten Dosis von 25 µg/qm Körperoberfläche durchgeführt.
Die Auswertung zeigt einen mangelhaften Anstieg von LH und FSH, was auf eine hypophysäre Entwicklungsstörung hinweist. Abgerechnet wird die Ziffer 4109. Zusätzlich können die Kosten für das verbrauchte GnRH-Präparat als Sachkosten geltend gemacht werden.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei Hypophysenadenom
Bei einem Patienten mit einem bekannten hormoninaktiven HVL-Adenom soll die gonadotrope Partialfunktion postoperativ überprüft werden. Der Test wird in Kombination mit anderen Stimulationstests durchgeführt.
Da die Durchführung aufgrund schwieriger Venenverhältnisse und einer verzögerten Probenverarbeitung im Labor deutlich erschwert war, wird die GOÄ-Ziffer 4109 mit dem Höchstsatz (1,3-fach) liquidiert. Dies erfordert eine entsprechende Begründung auf der Rechnung.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4109: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die Abrechnung der GOÄ 4109 bei bereits nachweislich stark erhöhten basalen LH- und FSH-Werten. Liegt ein hypergonadotroper Hypogonadismus vor, ist der Test medizinisch nicht indiziert, da die Gonaden bereits maximal stimuliert sind.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die zusätzliche Abrechnung der Einzelbestimmungen von LH und FSH am selben Tag. Die Ziffer 4109 enthält bereits die zweimalige Bestimmung beider Hormone; eine separate Nebeneinanderberechnung der Einzelziffern für diese Messungen ist ausgeschlossen.
Achtung: Achten Sie darauf, dass die Sachkosten für das Stimulationsmedikament (LHRH/GnRH) separat gemäß § 10 GOÄ ausgewiesen werden, da diese nicht in der Gebühr der Ziffer 4109 enthalten sind.
Auch die unvollständige Durchführung, beispielsweise wenn nur LH oder nur FSH bestimmt wird, führt bei Prüfungen zur Streichung der Ziffer. Die Leistungsbeschreibung fordert zwingend die Bestimmung beider Parameter zu zwei Zeitpunkten.
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Dokumentation der GOÄ 4109: Praxisbewährte Hinweise
Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine lückenlose Dokumentation des Testablaufs in der Patientenakte unerlässlich. Es müssen die genauen Uhrzeiten der Blutentnahmen (basal und stimuliert) sowie der exakte Zeitpunkt und die Dosierung der Hormongabe festgehalten werden.
Auch die medizinische Indikation, wie beispielsweise der Verdacht auf eine hypothalamische Dysfunktion, muss klar aus den Aufzeichnungen hervorgehen. Dies erleichtert die Argumentation bei eventuellen Rückfragen von Kostenträgern ungemein.
Dokumentation: LH-RH-Test am [Datum]. 09:00 Uhr: 1. BE (basal). 09:05 Uhr: i.v. Applikation von 100 µg Releasing-Hormon. 09:35 Uhr: 2. BE (nach 30 Min.). Indikation: Ausschluss sekundärer Hypogonadismus bei Oligomenorrhoe.
GOÄ 4109: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ 4109 um eine Leistung des Abschnitts M III handelt, liegt der Regelhöchstsatz beim 1,15-fachen und der Höchstsatz beim 1,3-fachen Gebührensatz. Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig.
Gründe für eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz können beispielsweise schwierige Venenverhältnisse beim Patienten, die eine verzögerte oder erschwerte Blutentnahme zur Folge haben, oder ein außergewöhnlich hoher logistischer Aufwand bei der Probenaufbereitung sein.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Ziffer 4109 können die Kosten für das verwendete Stimulationspräparat als Auslagenersatz nach § 10 GOÄ in Rechnung gestellt werden. Die Injektion selbst (z. B. i.v. Injektion nach GOÄ 252) ist in der Regel nicht neben dem Funktionstest berechenbar, da die Applikation integraler Bestandteil des Tests ist.
Werden im Rahmen einer erweiterten Diagnostik zusätzliche Blutentnahmen nach 60, 90 oder 120 Minuten durchgeführt, können die weiteren Bestimmungen von LH und FSH gegebenenfalls über die entsprechenden Einzelziffern für Hormonanalysen abgerechnet werden, sofern dies medizinisch begründet ist.
Ziffer 4109 in der neuen GOÄ
Die alte Ziffer 4109 wird zur Nummer 11861 — „LHRH-(GnRH-)Test Abklärung Hypogonadismus (Hoden/Ovar); Serum oder Plasma; zweimal LH, zweimal FSH; Auswertung: apparativ-quantitativ-deskriptiv.“ — mit festem Satz von 35,15 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 67,03 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4109
Was hat nicht gestimmt?