Der MEGX-Test nach GOÄ-Ziffer 4110 dient der präzisen Überprüfung der Leberfunktion. Erfahren Sie alles zu Abrechnung, Fallbeispielen und Fallstricken.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4110
MEGX-Test (Monoethylglycinxylidid) (Zweimalige Bestimmung von MEGX)
Die GOÄ-Ziffer 4110 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Funktionsteste (Abschnitt M III 15). Sie umfasst die zweimalige quantitative Bestimmung von Monoethylglycinxylidid (MEGX) im Blut des Patienten. MEGX ist der primäre Metabolit von Lidocain, der in der Leber gebildet wird.
Die Leistung erfordert eine präzise zeitliche Taktung der Blutentnahmen. Nach einer initialen Blutentnahme erfolgt die intravenöse Gabe von Lidocain-Hydrochlorid. Exakt 15 Minuten nach der Applikation wird die zweite Blutprobe entnommen, um die Stoffwechselleistung der Leber direkt zu quantifizieren.
GOÄ 4110 in der Praxis: Dynamische Leberfunktionsdiagnostik
Der MEGX-Test kommt vor allem in der Transplantationsmedizin zum Einsatz. Er dient der Beurteilung der Leberfunktion des Spenders vor einer Organentnahme sowie der Prognoseabschätzung beim Empfänger. Auch die postoperative Überwachung der transplantierten Leber lässt sich hiermit zuverlässig durchführen.
Die Bewertung der Testergebnisse basiert auf dem gemessenen 15-Minuten-Wert. Eine Konzentration von über 90 µg/l spricht für eine gute Leberfunktion. Werte unter 10 µg/l weisen hingegen auf eine sehr schlechte Organfunktion hin, was klinisch sofortige Konsequenzen erfordert.
Tipp: Achten Sie darauf, einen eventuellen MEGX-Vorwert von über 10 µg/l vor der Auswertung mathematisch vom 15-Minuten-Wert abzuziehen, um das Testergebnis nicht zu verfälschen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4110
Fallbeispiel 1: Evaluation eines Lebendspenders
Ein potenzieller Lebendspender wird präoperativ auf seine verbleibende Organfunktion untersucht. Es erfolgt die Durchführung des MEGX-Tests mit zweimaliger Blutentnahme. Die Abrechnung erfolgt regulär über die Ziffer 4110 mit dem Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Postoperative Transplantatkontrolle
Bei einem Patienten wird drei Tage nach einer Lebertransplantation die Funktion des neuen Organs überprüft. Aufgrund der kritischen Phase wird der Test durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4110 unter Angabe der entsprechenden Indikation.
Fallbeispiel 3: Erweiterter Test mit drei Bestimmungen
Zur genaueren kinetischen Beurteilung wird neben dem 15-Minuten-Wert auch ein 30-Minuten-Wert bestimmt. Da insgesamt drei Bestimmungen stattfinden, wird die Leistung analog mit 750 Punkten abgerechnet. Dies muss auf der Liquidation gesondert begründet werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4110: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der unvollständigen Dokumentation der exakten Entnahmezeiten. Private Krankenversicherungen fordern bei Prüfungen oft den Nachweis an, dass das Zeitintervall von 15 Minuten exakt eingehalten wurde. Abweichungen können zum Ausschluss der Abrechnungsfähigkeit führen.
Zudem darf die Ziffer 4110 nicht unbegründet neben anderen quantitativen Bestimmungen von Lidocain (z. B. Nr. 4167) am selben Tag abgerechnet werden. Solche Doppelabrechnungen führen regelmäßig zu Beanstandungen durch die Prüfstellen der Beihilfe.
Achtung: Die Abrechnung von drei Bestimmungen mit 750 Punkten wird von Kostenträgern häufig hinterfragt. Stellen Sie sicher, dass die medizinische Notwendigkeit der dritten Messung zweifelsfrei aus der Dokumentation hervorgeht.
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Dokumentation der GOÄ 4110: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung. Es müssen sowohl die genaue Dosierung des applizierten Lidocains (1 mg/kg Körpergewicht) als auch die exakten Uhrzeiten der beiden Blutentnahmen dokumentiert werden. Auch der berechnete Differenzwert bei erhöhtem Vorwert gehört in die Akte.
Zusätzlich sollte die klinische Fragestellung, beispielsweise der Verdacht auf eine Transplantatdysfunktion, explizit vermerkt werden. Dies erleichtert die Argumentation bei eventuellen Rückfragen der privaten Krankenversicherungen erheblich.
Dokumentation: MEGX-Test durchgeführt. 1. BE um 09:00 Uhr (Vorwert < 10 µg/l). Gabe von 70 mg Lidocain-HCl i.v. über 2 Min. 2. BE exakt um 09:17 Uhr (15 Min. nach Ende der Applikation). MEGX-Wert: 95 µg/l (gute Leberfunktion).
GOÄ 4110: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Speziallabors (Abschnitt M III) unterliegt die GOÄ 4110 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz beträgt 1,15-fach (33,51 €), der maximale Höchstsatz liegt beim 1,3-fachen Satz (37,88 €). Eine Steigerung über den Regelsatz hinaus erfordert eine patientenbezogene Begründung, wie etwa extrem schwierige Venenverhältnisse bei der Blutentnahme.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Laborleistung nach Ziffer 4110 können die klinischen Begleitkleistungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die intravenöse Injektion nach GOÄ-Ziffer 252 für die Lidocain-Gabe sowie gegebenenfalls das Legen eines Verweilkatheters nach Ziffer 200. Die reinen Blutentnahmen sind jedoch in der Regel mit der Laborgebühr abgegolten.
Ziffer 4110 in der neuen GOÄ
Die alte Ziffer 4110 wird zur Nummer 11862 — „MEGX-Test Abklärung Leberfunktion (z.B. im Rahmen einer Lebertransplantation); Serum oder Plasma; zweimal Monoethylglycinxylidid (MEGX); Auswertung: apparativ-quantitativ-deskriptiv.“ — mit festem Satz von 40,29 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 33,51 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4110
Was hat nicht gestimmt?