Der Metoclopramidtest nach GOÄ 4111 dient der Prolaktindiagnostik. Erfahren Sie alles über korrekte Indikationen, Abrechnungssätze und Fallstricke.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4111
Metoclopramidtest (Zweimalige Bestimmung von Prolaktin) - 700 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 4111 beschreibt den Metoclopramidtest, der auf der zweimaligen Bestimmung des Hormons Prolaktin basiert. Diese Leistung ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter den Funktionstests eingeordnet. Die Ziffer deckt die labortechnische Analyse beider Prolaktinwerte vollständig ab.
Physiologisch wird die Prolaktin-Sekretion durch Dopamin gehemmt. Durch die Gabe des Dopamin-Antagonisten Metoclopramid wird diese Hemmung aufgehoben, was zu einem messbaren Anstieg des Prolaktinspiegels führt. Das Ausmaß dieses Anstiegs lässt präzise Rückschlüsse auf das Vorliegen einer inadäquaten Prolaktin-Sekretion zu.
GOÄ 4111 in der Praxis: Indikation und Testdurchführung
Der Metoclopramidtest ist insbesondere bei Patientinnen mit klinischen Symptomen wie unerfülltem Kinderwunsch oder einer sekundären Amenorrhoe indiziert. Er dient der Differenzierung, wenn der basale Prolaktinwert im grenzwertigen oder mäßig erhöhten Bereich liegt. Bei männlichen Patienten besitzt dieser Funktionstest hingegen keine klinische Relevanz.
Für ein verlässliches Testergebnis muss die Durchführung unter strengen präanalytischen Bedingungen erfolgen. Die Patientin sollte sich seit mindestens 4 bis 6 Stunden in einer stressfreien Wachphase befinden. Bei Frauen mit regulärem Zyklus ist der Test idealerweise in der Mitte der Lutealphase durchzuführen.
Der Ablauf sieht eine erste Blutentnahme zur Bestimmung des Basalwerts vor. Direkt im Anschluss erfolgt die intravenöse Applikation von 10 mg Metoclopramid. Die zweite Blutentnahme zur Bestimmung des stimulierten Werts erfolgt exakt 25 Minuten nach der Injektion. Ein normaler Anstieg schließt eine Hyperprolaktinämie weitgehend aus.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4111
Fallbeispiel 1: Abklärung bei sekundärer Amenorrhoe
Eine 26-jährige Patientin stellt sich mit einer seit fünf Monaten bestehenden sekundären Amenorrhoe vor. Da der basale Prolaktinwert im Vorfeld grenzwertig war, wird ein Metoclopramidtest durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4111 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Diagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch
Bei einer 31-jährigen Patientin mit primärer Sterilität und unregelmäßigen Zyklen soll eine latente Hyperprolaktinämie ausgeschlossen werden. Der Test wird am Vormittag unter stressfreien Bedingungen in der Lutealphase realisiert. Neben der GOÄ 4111 werden die Blutentnahmen und die Injektion liquidiert.
Fallbeispiel 3: V. a. funktionelle Hyperprolaktinämie bei Galaktorrhö
Eine Patientin klagt über beidseitige Galaktorrhö bei normalem Basalprolaktin. Zum Ausschluss einer funktionellen Störung wird der Metoclopramidtest initiiert. Der stimulierte Wert zeigt einen überschießenden Anstieg, was die Diagnose einer funktionellen Hyperprolaktinämie sichert. Abgerechnet wird die Ziffer 4111.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4111: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die zusätzliche Berechnung einer Prolaktin-Einzelbestimmung nach Ziffer 4041 am selben Tag. Da die Leistungsbeschreibung der GOÄ 4111 explizit die zweimalige Bestimmung vorgibt, sind beide Messungen mit dieser Ziffer abgegolten. Eine Splittung der Werte führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Achtung: Die routinemäßige Ausweitung des Testformats auf drei oder mehr Blutentnahmen ist medizinisch und abrechnungstechnisch schwer zu rechtfertigen. Zusätzliche Prolaktinbestimmungen am selben Tag werden von Prüfstellen meist gestrichen.
Zudem ist der Test bei exzessiv erhöhten Basalwerten von über 3.600 mIU/l medizinisch entbehrlich, da hier bereits der dringende Verdacht auf ein Prolaktinom vorliegt. In solchen Fällen ist eine direkte bildgebende Diagnostik indiziert, weshalb die Erstattung des Tests verweigert werden kann.
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Dokumentation der GOÄ 4111: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu vermeiden. In der Patientinnenakte müssen die genauen Uhrzeiten der Blutentnahmen sowie der Zeitpunkt des Erwachens dokumentiert werden. Auch die Einhaltung der präanalytischen Bedingungen wie Stressfreiheit und Zyklusphase muss klar hervorgehen.
Dokumentation: Metoclopramidtest am [Datum]. Patientin seit 5 Stunden wach, stressfreie Bedingungen eingehalten. Zyklustag 21 (Lutealphase). 1. Blutentnahme (Basalwert) um 08:30 Uhr. i.v. Injektion von 10 mg Metoclopramid um 08:32 Uhr. 2. Blutentnahme um 08:57 Uhr. Keine Komplikationen.
Die Dokumentation sollte zudem die exakte Dosierung des verabreichten Metoclopramids (in der Regel 10 mg i.v.) enthalten. Die Laborbefunde mit dem basalen und dem stimulierten Prolaktinwert müssen fest mit der Akte verknüpft sein.
GOÄ 4111: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 4111 dem Abschnitt M angehört, liegt der Gebührenrahmen für die Steigerungsfähigkeit zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Ein Überschreiten des Regelsatzes bis zum 1,3-fachen Satz ist nur bei erhöhtem Aufwand zulässig, beispielsweise bei extrem schwierigen Venenverhältnissen, die die zeitgerechte zweite Blutentnahme erheblich erschweren.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der reinen Laborleistung der GOÄ 4111 können die begleitenden klinischen Tätigkeiten separat in Rechnung gestellt werden. Hierzu gehören die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ 5 sowie die Beratung nach GOÄ 1 oder GOÄ 3. Die notwendigen Blutentnahmen werden mit der Ziffer 250 berechnet.
Tipp: Die intravenöse Applikation des Testwirkstoffs Metoclopramid ist eine eigenständige ärztliche Leistung. Sie kann zusätzlich mit der GOÄ-Ziffer 252 (Injektion, intravenös) auf der Liquidation ausgewiesen werden.
Ziffer 4111 in der neuen GOÄ
Die alte Ziffer 4111 wird zur Nummer 11863 — „Metoclopramid-Test Abklärung funktionelle Hyperprolaktinämie; Serum oder Plasma; zweimal Prolaktin; Auswertung: apparativ-quantitativ-deskriptiv.“ — mit festem Satz von 19,80 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 46,92 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4111
Was hat nicht gestimmt?