Der Sekretin-Pankreozymin-Test nach GOÄ 4116 gilt als Goldstandard bei exokriner Pankreasinsuffizienz. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4116
Sekretin-Pankreozymin-Evokationstest (Dreimalige Bestimmung von Amylase, Lipase, Trypsin und Bikarbonat)
Die Gebührenordnungsziffer 4116 beschreibt einen hochspezifischen, invasiven Funktionstest des Pankreas. Im Zentrum steht die quantitative Analyse des Duodenalsafts nach hormoneller Stimulation. Durch die Gabe von Sekretin und Pankreozymin wird die exokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse direkt überprüft. Die Ziffer ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter den Funktionstesten angesiedelt.
GOÄ 4116 in der Praxis: Goldstandard bei exokriner Pankreasinsuffizienz
Der Sekretin-Pankreozymin-Evokationstest, auch bekannt als Sekretin-Caerulein-Test, kommt zum Einsatz, wenn nicht-invasive Verfahren keine klaren Ergebnisse liefern. Wenn beispielsweise die Bestimmung der Pankreas-Elastase im Stuhl grenzwertig ausfällt, liefert dieser invasive Test diagnostische Sicherheit. Mit einer Sensitivität von rund 90 Prozent gilt er weiterhin als diagnostischer Goldstandard. Er ermöglicht die exakte Einteilung einer exokrinen Pankreasinsuffizienz in leichte, mittelschwere oder schwere Formen.
Das Testverfahren erfordert eine zwölfstündige Nahrungskarenz des Patienten. Unter Röntgenkontrolle wird eine Sonde bis zum Sphinkter Oddi im Duodenum vorgeschoben. Nach einer ersten basalen Sammelperiode erfolgt die kontrollierte Infusion von Sekretin und Caerulein über einen Perfusor. Während dieses Prozesses werden weitere zwei Duodenalsaft-Fraktionen gewonnen und anschließend im Labor analysiert.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4116
Fallbeispiel 1: Verdacht auf chronische Pankreatitis
Ein Patient stellt sich mit chronischen Oberbauchschmerzen und rezidivierenden Durchfällen vor. Die zuvor durchgeführte Bestimmung der Elastase im Stuhl lieferte ein uneindeutiges Ergebnis. Zur sicheren Abklärung einer exokrinen Pankreasinsuffizienz wird der Sekretin-Pankreozymin-Test durchgeführt. Da die Trypsin-Bestimmung entfällt, erfolgt die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4116 analog mit 480 Punkten.
Fallbeispiel 2: Schweregradbestimmung bei bekannter Insuffizienz
Bei einer Patientin mit bekannter chronischer Pankreatitis soll der genaue Schweregrad der Funktionseinschränkung bestimmt werden. Dies ist entscheidend für die exakte Dosierung der notwendigen Substitutionstherapie mit Pankreasenzymen. Nach erfolgreicher Durchführung des Sonden-Evokationstests wird die Leistung abgerechnet. Auch hier wird die Ziffer 4116 aufgrund des Verzichts auf die obsolete Trypsin-Bestimmung auf 480 Punkte reduziert liquidiert.
Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik bei Steatorrhö
Ein Patient leidet unter ausgeprägter Steatorrhö ohne nachweisbare morphologische Veränderungen im Ultraschall oder MRT. Der behandelnde Arzt führt den aufwendigen Funktionstest durch, um eine funktionelle Pankreasstörung nachzuweisen. Die Bestimmung von Amylase, Lipase und Bikarbonat in den drei Fraktionen sichert die Diagnose. Die Abrechnung erfolgt korrekt nach GOÄ 4116 mit dem 1,15-fachen Gebührensatz auf Basis der reduzierten Punktzahl.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4116: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste und schwerwiegendste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4116 betrifft die Trypsin-Bestimmung. Da die Trypsin-Analyse medizinisch als obsolet gilt, wird sie in modernen Laboren standardmäßig nicht mehr durchgeführt. Fällt dieser Testbestandteil weg, darf die Ziffer nicht mit der vollen Punktzahl von 1080 Punkten berechnet werden. In diesem Fall ist die Leistung zwingend auf 480 Punkte zu reduzieren.
Achtung: Die Abrechnung der vollen 1080 Punkte ohne Durchführung der Trypsin-Bestimmung führt bei Prüfungen durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen regelmäßig zur vollständigen Abweisung der Position.
Ein weiterer Fehler ist die Verwechslung mit dem reinen Sekretin-Gastrin-Test. Dieser dient ausschließlich der Diagnostik eines Gastrinoms bei Hypergastrinämie und stellt eine völlig andere Entität dar. Die GOÄ 4116 darf für diesen reinen Gastrin-Stimulationstest nicht herangezogen werden.
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Dokumentation der GOÄ 4116: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Da es sich um ein aufwendiges, invasives Verfahren handelt, müssen alle Einzelschritte präzise in der Patientenakte festgehalten werden. Dazu gehören die exakte Platzierung der Sonde unter Röntgenkontrolle sowie die genauen Infusionszeiten und Dosierungen von Sekretin und Caerulein. Auch die Volumina der drei gewonnenen Duodenalsaft-Fraktionen müssen dokumentiert sein.
Dokumentation: Duodenalsondierung unter Durchleuchtungskontrolle erfolgreich durchgeführt. 1. Fraktion (Nativsaft): 25 ml. Infusion von Sekretin (1 IE/kg KG/h) und Caerulein (30 ng/kg KG/h). 2. Fraktion nach 30 Min: 72 ml. 3. Fraktion nach 60 Min: 80 ml. Laborchemische Bestimmung von Bikarbonat, Amylase und Lipase aus allen drei Proben erfolgt.
Zusätzlich sollten die Laborbefunde der Einzelparameter direkt mit der Dokumentation verknüpft werden. Dies erleichtert im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung den schnellen Nachweis der erbrachten Teilleistungen.
GOÄ 4116: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Gebührensatz für die GOÄ 4116 kann bei besonderem Aufwand bis zum Höchstsatz von 1,3 gesteigert werden. Ein erhöhter Aufwand kann beispielsweise durch anatomische Besonderheiten des Patienten entstehen, die das Vorschieben der Duodenalsonde erheblich erschweren. Auch eine verzögerte Sekretion oder Kreislaufinstabilitäten während der Infusion rechtfertigen eine Begründung des erhöhten Steigerungsfaktors.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der reinen Laborleistung der GOÄ 4116 können die klinischen Begleituntersuchungen separat berechnet werden. Die Einbringung der Duodenalsonde wird in der Regel nach der entsprechenden Ziffer für Sondierungen liquidiert. Die notwendige Durchleuchtung zur Lagekontrolle der Sonde ist ebenfalls gesondert ansetzbar. Es ist darauf zu achten, dass diese klinischen Hilfsleistungen nicht im Laborbereich der GOÄ 4116 enthalten sind.
Tipp: Rechnen Sie die Sondenlegung und die radiologische Lagekontrolle unbedingt als eigenständige Leistungen ab, da diese nicht durch die Laborziffer 4116 abgegolten sind.
Ziffer 4116 in der neuen GOÄ
Ziffer 4116 (Sekretin-Pankreozymin-Evokationstest (Dreimalige Bestimmung von Amylase, Lipase, Trypsin und Bikarbonat)) findet ihren Nachfolger in Nummer 11870 — „Sekretin-Pankreozymin-(Caerulein-)Test Abklärung exokrine Pankreasinsuffizienz; Duodenalsaft; dreimal Amylase, dreimal Lipase, dreimal Bikarbonat; Auswertung: apparativ-quantitativ- deskriptiv.“ — mit festem Satz von 45,59 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 72,39 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4116
Was hat nicht gestimmt?